erklärt seit 2020 (Z340) / 2025 (K4)

Zwei Chiffren: Zodiac Z340 und Kryptos K4

Beide gelöst — und nur eine Lösung ist öffentlich

Wann
1969 / 1990
Wo
San Francisco Bay Area und CIA-Hauptquartier Langley, USA
Feld
Ungelöst
Geprüft
2026-08-04

Zwei der berühmtesten ungelösten Chiffren des 20. Jahrhunderts sind inzwischen entschlüsselt. Den 340 Zeichen langen Text des Zodiac-Mörders von 1969 lösten drei Freiwillige am 5. Dezember 2020 nach rund 650.000 durchgetesteten Varianten. Die vierte Sektion der Kryptos-Skulptur im CIA-Hauptquartier wurde 2025 nicht geknackt, sondern gefunden: in einer Nachlassschenkung des Künstlers an das Smithsonian. Er bestätigte den Text, ließ die Akten bis 2075 sperren und versteigerte das Archiv.

Was gesichert ist

A dokumentiert Der Zodiac-Mörder verschickte 1969 mehrere chiffrierte Texte an Zeitungen der San Francisco Bay Area. Der erste, Z408 vom Juli 1969, wurde bereits am 5. August 1969 von dem Lehrerehepaar Donald und Bettye Harden gelöst — Bettye Harden riet, das Wort „kill“ komme darin vor, und traf damit den Einstieg.

A dokumentiert Der 340 Zeichen lange Z340 vom November 1969 blieb 51 Jahre ungelöst. Am 5. Dezember 2020 lösten ihn der amerikanische Softwareentwickler David Oranchak, der australische Mathematiker Sam Blake und der belgische Programmierer Jarl Van Eycke mit der Software AZdecrypt, nachdem sie rund 650.000 Varianten durchgetestet hatten.

A dokumentiert Der Aufbau des Z340: 63 verschiedene Symbole, homophone Substitution, zusätzlich eine ungewöhnliche Transpositionsschicht. Die Kryptoanalyse-Einheit des FBI bestätigte die Lösung.

A dokumentiert Die Skulptur Kryptos des Künstlers Jim Sanborn steht seit 1990 im Hof des CIA-Hauptquartiers in Langley. Sie trägt vier chiffrierte Passagen. K1 bis K3 wurden Ende 1992 intern von einem NSA-Team um Ken Miller gelöst, 1998 von dem CIA-Analysten David Stein mit Papier und Bleistift, 1999 öffentlich von Jim Gillogly.

A dokumentiert Für K4 gab Sanborn über die Jahre Hinweise heraus: 2010 „BERLIN“ für die Positionen 64 bis 69, 2014 „CLOCK“ für 70 bis 74, 2020 „NORTHEAST“ für 26 bis 34 und „EAST“ für 22 bis 25. Gemeint ist die Berliner Weltzeituhr.

A dokumentiert Im September 2025 fanden die Journalisten Jarett Kobek und Richard Byrne in Sanborns Nachlassschenkung an das Smithsonian Archives of American Art Textfragmente, die zusammengesetzt den Klartext von K4 ergeben. Sanborn bestätigte die Richtigkeit.

Chronologie

  • Juli 1969 — Z408 wird verschickt; am 5. August 1969 von Donald und Bettye Harden gelöst. A
  • November 1969 — Z340 wird verschickt. A
  • 1990Kryptos wird in Langley aufgestellt. A
  • Ende 1992 / 1998 / 1999 — K1 bis K3 werden gelöst (NSA-Team, David Stein, Jim Gillogly). A
  • 2010, 2014, 2020 — Sanborn gibt Klartext-Hinweise zu K4 heraus. A
  • 5. Dezember 2020 — Oranchak, Blake und Van Eycke lösen den Z340; das FBI bestätigt. A
  • 2024 — Die drei veröffentlichen ein 29-seitiges Methodenpaper auf arXiv, einschließlich aller Sackgassen. A
  • August 2025 — Sanborn kündigt an, die K4-Lösung zu versteigern. A
  • September 2025 — Kobek und Byrne finden den Klartext im Smithsonian-Nachlass; Sanborn bestätigt und lässt die Akten bis 2075 sperren. A
  • 16. Oktober bis 20. November 2025 — RR Auction versteigert das Archiv für 962.500 US-Dollar. A

Die Quellenlage

Für den Z340 ist sie ungewöhnlich gut. Die Chiffre selbst liegt seit 1969 öffentlich vor, die Lösung ist vom FBI bestätigt, und die Löser haben 2024 ihren Weg vollständig dokumentiert — einschließlich der Versuche, die nicht funktionierten. Das ist in der Amateurkryptografie selten und macht die Arbeit nachvollziehbar.

Für Kryptos ist die Lage paradox. Der Klartext von K4 existiert, ist bestätigt und liegt in einem öffentlich zugänglichen Archiv des Smithsonian — nur ist genau dieser Bestand bis 2075 gesperrt. Das Rätsel ist gelöst, die Lösung ist bekannt, und veröffentlicht ist sie nicht.

Für dieses Dossier gilt eine offene Stelle: Die Existenz des Zodiac-Methodenpapiers von 2024 ist belegt, die genaue arXiv-Kennung und der Titel ließen sich für diese Akte nicht sichern.

Was behauptet wird

C behauptet Der Zodiac habe seinen Namen in der Chiffre versteckt. Der Z340 enthält keinen Namen. Diese Behauptung kursiert seit Jahrzehnten und wird durch den nun bekannten Klartext nicht gestützt.

C behauptet Immer wieder werden Lösungen für K4 von Einzelpersonen vorgelegt. Sanborn hat solche Vorschläge seit Jahrzehnten zurückgewiesen — er ist die einzige Instanz, die den Klartext gegenprüfen kann, und hat das über all die Jahre auch getan.

C behauptet Der Fund von 2025 sei ein Leck aus dem Umfeld des Künstlers gewesen. Nach Darstellung von Kobek und Byrne fanden sie die Fragmente in einer regulär zugänglichen Archivschenkung.

Erklärungsansätze

Warum der Z340 so lange hielt. Die Chiffre kombiniert zwei Verfahren. Homophone Substitution — mehrere Symbole für denselben Buchstaben — bricht die Häufigkeitsanalyse, die klassische Angriffsmethode. Darüber liegt eine Transposition, die die Reihenfolge verändert. Jedes Verfahren für sich ist lösbar; übereinander gelegt vervielfachen sie den Suchraum. Hinzu kam, dass die Transposition ungewöhnlich gebaut war und in keinem Standardschema auftauchte. Die Lösung gelang nicht durch eine Idee, sondern durch systematisches Absuchen: rund 650.000 durchgerechnete Varianten, bis eine lesbaren Text ergab.

Was im Z340 steht. Der Schreiber dementiert einen früheren Fernsehauftritt, der ihm zugeschrieben worden war, und erklärt, er fürchte die Gaskammer nicht. Der Text enthält keine Angaben zur Identität, keine Hinweise auf Tatorte und keinen Namen. Für die Ermittlung war er wertlos — das ist ein Befund, kein Versäumnis.

Warum K4 anders liegt. Kryptos ist kein historisches Rätsel, sondern ein Kunstwerk mit einem lebenden Autor. Sanborn hat den Klartext von Anfang an gekannt und über 35 Jahre kontrolliert, was davon nach außen dringt. Die Hinweise von 2010, 2014 und 2020 waren keine Zugeständnisse an die Löser, sondern Bestandteile eines fortgesetzten Werks. Und die Auflösung von 2025 kam nicht aus der Kryptografie, sondern aus der Archivrecherche: Zwei Journalisten lasen Papiere, statt Symbole zu rechnen.

Was danach geschah. Sanborn bestätigte die Richtigkeit des gefundenen Textes, ließ die betreffenden Akten bis 2075 sperren und drohte den Journalisten, die keine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben wollten, mit urheberrechtlichen Ansprüchen. Vom 16. Oktober bis 20. November 2025 versteigerte RR Auction das Archiv für 962.500 US-Dollar. Der Klartext ist damit gelöst, bekannt — und nicht öffentlich.

Was widerlegt ist

D widerlegt Die Vorstellung, der Z340 sei unlösbar oder enthalte einen Code ohne sprachlichen Inhalt. Er ist gelöst, der Klartext liegt vor, das FBI hat ihn bestätigt.

D widerlegt Die Behauptung, K4 sei bis heute ungelöst. Der Klartext existiert und ist vom Künstler bestätigt. Er ist gesperrt, nicht unbekannt.

Was offen bleibt

Z13 und Z32, zwei kurze Chiffren aus demselben Umfeld, sind ungelöst. David Oranchak hält sie für zu kurz, um eine Lösung überhaupt verifizieren zu können — bei so wenigen Zeichen lassen sich viele Klartexte konstruieren, die formal passen. Das ist kein offenes Rätsel im üblichen Sinn, sondern eine prinzipielle Grenze.

Die Identität des Zodiac ist unbekannt. Die Chiffren tragen dazu nichts bei.

Und der K4-Klartext bleibt bis 2075 unter Verschluss, sofern niemand ihn vorher veröffentlicht.

Warum uns das beschäftigt

Ab hier deuten wir — der Faktenteil endet oben.

Die beiden Fälle stehen zusammen in einer Akte, weil sie an derselben Stelle auseinandergehen.

Der Z340 wurde gelöst, wie man sich das Lösen von Rätseln vorstellt: durch Ausdauer, Rechenzeit und drei Menschen, die niemand dafür bezahlte. Ihr Methodenpaper von 2024 dokumentiert nicht nur den Erfolg, sondern auch alle Sackgassen — das ist eine ungewöhnliche Ehrlichkeit und wertvoller als das Ergebnis selbst. Und der Lohn war ein Text, der nichts enthielt: keine Identität, kein Hinweis, nur Trotz. Fünfzig Jahre Arbeit für eine Enttäuschung, sauber dokumentiert.

Kryptos endet umgekehrt. Dort wurde nicht gerechnet, sondern gelesen, und der Autor reagierte, indem er das Gefundene für fünfzig Jahre wegschloss und den Rest verkaufte. Sein Satz dazu — sinngemäß, Macht liege im Geheimnis und nicht außerhalb davon — ist die ehrlichste Beschreibung dessen, was ein ungelöstes Rätsel für seinen Besitzer wert ist.

Beides zusammen sagt etwas über das Ungewusste, das dieses Archiv angeht. Ein Rätsel ist selten nur eine Frage. Es ist auch ein Besitz, ein Ruf, eine Aufmerksamkeit — und wer beides hat, die Frage und die Antwort, entscheidet manchmal, dass die Frage mehr wert ist.

Quellen

  • David Oranchak, Sam Blake, Jarl Van Eycke: Methodenpaper zur Lösung des Z340, arXiv 2024, 29 Seiten. Genaue arXiv-Kennung und Titel für diese Akte nicht gesichert.
  • Bericht zur Veröffentlichung des Methodenpapiers: 404media.co
  • Übersichtsdarstellung Kryptos mit Hinweisen und Auktionsverlauf: en.wikipedia.org/wiki/Kryptos
  • Übersichtsdarstellung zu den Zodiac-Chiffren: en.wikipedia.org/wiki/Zodiac_Killer

Stand der Prüfung: 2026-08-04. Die Belegstufen bezeichnen, worauf eine Aussage sich stützt — nicht, wie wahrscheinlich sie ist.