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01 Bedeutende Persönlichkeiten as-Suyūtī: der Universalgelehrte des späten Mittelalters

Aegyptischer Universalgelehrter (1445–1505) und einer der produktivsten Autoren der islamischen Geschichte, mit hunderten Werken zu Koranexegese, Hadith, Recht, Sprache und Geschichte. Als Schāfiʿit, Hadith-Meister und Sufi der Schādhiliyya verkoerpert er die Verbindung von aeusserer Gelehrsamkeit und innerer Froemmigkeit; sein „Tafsīr al-Dschalālain“ wurde zum meistgelesenen Kurzkommentar des Korans.

02 Bedeutende Persönlichkeiten Blaise Pascal: die Wette, das Herz und der verborgene Gott

Franzoesischer Mathematiker, Physiker und religioeser Denker (1623–1662). Neben bahnbrechenden Beitraegen zu Geometrie, Wahrscheinlichkeit und Physik hinterliess er in den „Pensées“ eine unvollendete Verteidigung des Glaubens: die „Wette“ auf Gott, das Wort vom Herzen, das „seine Gruende hat, die die Vernunft nicht kennt“, den verborgenen Gott und den Menschen als „denkendes Schilfrohr“ — elend und gross zugleich.

03 Bedeutende Persönlichkeiten Emmanuel Levinas: das Antlitz des Anderen und die Ethik als erste Philosophie

Litauisch-franzoesischer Philosoph (1906–1995), der die Phaenomenologie nach Frankreich brachte und die Ethik zur „ersten Philosophie“ erklaerte. Im Antlitz des Anderen, das „Du sollst nicht toeten“ gebietet, erfaehrt das Ich eine unendliche, unhintergehbare Verantwortung — eine Denkfigur, die die abendlaendische „Totalitaet“ aufbricht und die Spur des Unendlichen gerade im ethischen Anspruch des Mitmenschen sucht.

04 Bedeutende Persönlichkeiten Madhva: der Vedānta der Zweiheit und der ewige Unterschied von Gott und Seele

Suedindischer Philosoph (um 1238–1317), Begruender der Dvaita-Vedānta, der „Zweiheits“-Schule. Gegen Shankaras Nicht-Zweiheit lehrte er einen radikalen Realismus: Gott (Vishnu), Seelen und Welt sind ewig voneinander verschieden; die Seele wird niemals Gott, sondern findet ihr Heil in liebender Naehe und Dienst aus goettlicher Gnade — eine dem Monotheismus erstaunlich nahe Gestalt des Hinduismus.

05 Bedeutende Persönlichkeiten Marguerite Porete: der Spiegel der einfachen Seelen und das Feuer der Freiheit

Franzoesische Beginenmystikerin (gest. 1310), die in Paris als rueckfaellige Ketzerin verbrannt wurde, weil sie ihr Buch „Der Spiegel der einfachen Seelen“ nicht widerrief. Darin beschreibt sie die „vernichtete Seele“, die im Feuer der goettlichen Liebe zu nichts wird und, jenseits von Vernunft und selbst den Tugenden, in voelliger Freiheit ganz aus Gott lebt — ein Gipfel der apophatischen Mystik, dessen Buch anonym Jahrhunderte ueberdauerte.

06 Bedeutende Persönlichkeiten Paul Tillich: der Grund des Seins und der Mut zum Sein

Deutsch-amerikanischer protestantischer Theologe und Philosoph (1886–1965). Mit Begriffen wie dem „Grund des Seins“, der „letzten Angelegenheit“ (ultimate concern), dem „Gott ueber Gott“ und dem „Mut zum Sein“ dachte er Gott nicht als ein Seiendes neben anderen, sondern als das Sein-selbst — und rueckte die christliche Theologie in einen tiefen Dialog mit Existenzphilosophie, Tiefenpsychologie und apophatischer Mystik.

07 Bedeutende Persönlichkeiten Søren Kierkegaard: Angst, Sprung und die Leidenschaft des Einzelnen

Daenischer Denker (1813–1855), Vater der Existenzphilosophie und schaerfster Kritiker der buergerlichen „Christenheit“. In einem Werk voller Pseudonyme umkreiste er die Angst als „Schwindel der Freiheit“, die Verzweiflung als „Krankheit zum Tode“, den „Sprung“ des Glaubens und den unbedingten Ernst des Einzelnen vor Gott — gegen jede Aufloesung des Existierenden im System Hegels.

08 Bedeutende Persönlichkeiten Zhu Xi: der Meister des Neukonfuzianismus und die Lehre vom Prinzip

Chinesischer Philosoph (1130–1200), der grosse Systematiker des Neukonfuzianismus. Mit dem Begriffspaar von „Prinzip“ (lǐ) und „Materie-Energie“ (qì) und der Kanonisierung der „Vier Buecher“ praegte er das Denken Ostasiens tiefer als jeder andere nach Konfuzius selbst — jahrhundertelang Grundlage der kaiserlichen Pruefungen in China, Korea, Japan und Vietnam.

09 Heilige Schriften Der Guru Granth Sahib: die heilige Schrift als ewiger Guru der Sikhs

Die zentrale heilige Schrift des Sikhismus, die seit 1708 als „ewiger Guru“ verehrt wird — der elfte und bleibende Guru nach den zehn menschlichen. Von Guru Arjan 1604 als Ādi Granth zusammengestellt, versammelt sie die Hymnen der Sikh-Gurus samt denen hinduistischer und muslimischer Heiliger (Kabir, Scheich Farid) und lehrt die Verehrung des einen, formlosen Gottes durch das Gedenken seines Namens.

10 Heilige Schriften Die Analekten des Konfuzius: das Buch der Menschlichkeit und der rechten Ordnung

Die „Ausgewaehlten Gespraeche“ (Lúnyǔ) sind die von Schuelern gesammelten Aussprueche des Konfuzius (551–479 v. Chr.) — kein System, sondern gelebte Weisheit ueber Menschlichkeit (rén), rechtes Mass (lǐ) und den edlen Menschen (jūnzǐ). Als eines der „Vier Buecher“ wurden sie ueber Jahrhunderte zum Herzstueck der chinesischen Bildung und der kaiserlichen Pruefungen.

11 Heilige Schriften Das Vimalakīrti-Sūtra: das donnernde Schweigen des erleuchteten Laien

Eine der einflussreichsten Mahāyāna-Schriften (wohl 1.–2. Jh.), deren Held kein Moench, sondern der erleuchtete Laie Vimalakīrti ist, der die groessten Bodhisattvas an Weisheit uebertrifft. Ihr beruehmter Hoehepunkt ist das „donnernde Schweigen“, mit dem Vimalakīrti die Nicht-Zweiheit jenseits aller Worte ausdrueckt — ein Grundstein des Zen und ein Hohelied der Leerheit.

12 Spiritualität & soziale Gerechtigkeit Die Scharia: der goettliche Weg zwischen Recht, Ethik und Froemmigkeit

Woertlich „der Weg zur Traenke“: die goettliche Ordnung des Lebens im Islam, weit mehr als „Recht“ im westlichen Sinn — sie umfasst Gottesdienst, Ethik und soziales Handeln. Zu unterscheiden ist die ideale Scharia (Gottes Wille) vom fiqh, dem fehlbaren, vielstimmigen menschlichen Bemuehen, sie zu verstehen; ihre engste Parallele ist die juedische Halacha.

13 Sein, Wahrheit & Ontologie Die Trimūrti: Brahmā, Vishnu und Shiva als dreifache Gestalt des Goettlichen

Die klassische Zusammenfassung der drei grossen Funktionen des Goettlichen im Hinduismus: Brahmā der Schoepfer, Vishnu der Erhalter und Shiva der Zerstoerer und Erneuerer. Oft als „hinduistische Dreieinigkeit“ bezeichnet, ist die Trimūrti weniger ein gelebter Kult als eine theologische Ordnungsfigur — im Alltag verehren die grossen Stroemungen je einen dieser Goetter (oder die Goettin) als hoechste Wirklichkeit.

14 Dimensionen des Bewusstseins Das harte Problem des Bewusstseins: warum Erleben sich der Erklaerung entzieht

Der vom Philosophen David Chalmers 1995 gepraegte Begriff fuer die tiefste Frage der Bewusstseinsforschung: Warum geht physikalische Informationsverarbeitung im Gehirn ueberhaupt mit subjektivem Erleben einher? Waehrend die „leichten Probleme“ (Wahrnehmung, Aufmerksamkeit) prinzipiell naturwissenschaftlich loesbar scheinen, bleibt das blosse Dass des Erlebens — die Qualia — ein bis heute offener Spalt zwischen Materie und Geist.

15 Meditation & innere Praxis Die Brahmavihāras: die vier goettlichen Verweilzustaende des Buddhismus

Die vier „goettlichen Verweilzustaende“ (brahmavihāra) des Buddhismus: liebende Guete (mettā), Mitgefuehl (karuṇā), Mitfreude (muditā) und Gleichmut (upekkhā). Als systematisch zu kultivierende Herzenshaltungen bilden sie das ethisch-meditative Herzstueck des buddhistischen Weges und finden in vielen Traditionen erstaunlich genaue Entsprechungen.

16 Bedeutende Persönlichkeiten Fritjof Capra: Das Tao der Physik und die Parallelen von Moderne und Mystik

Oesterreichisch-amerikanischer Physiker (geb. 1939), dessen Bestseller „Das Tao der Physik“ (1975) eine Strukturaehnlichkeit zwischen der modernen Quanten- und Relativitaetsphysik und der oestlichen Mystik behauptete. Capra wurde damit zum prominentesten Brueckenbauer zwischen Naturwissenschaft und Spiritualitaet — gefeiert im New Age, kritisiert von Physikern als unzulaessige Analogie.

17 Bedeutende Persönlichkeiten Pierre Hadot: Philosophie als geistige Uebung und Lebensform

Franzoesischer Philosophiehistoriker (1922–2010), der die antike Philosophie neu deutete: nicht als abstraktes Theoriegebaeude, sondern als „geistige Uebung“ (exercice spirituel) und gelebte Lebensform, die den ganzen Menschen verwandeln soll. Mit dieser Sicht beeinflusste er von Michel Foucault bis zur modernen Stoa-Renaissance das Verstaendnis von Philosophie als Therapie der Seele.

18 Spiritualität & soziale Gerechtigkeit Tikkun Olam: die Reparatur der Welt

Ein hebraeischer Begriff — woertlich „Instandsetzung der Welt“ —, der vom rabbinischen Recht ueber die lurianische Kabbala bis zur modernen juedischen Ethik eine bemerkenswerte Wandlung durchlief: von der Wahrung der sozialen Ordnung ueber die mystische Sammlung der in die Schoepfung verstreuten goettlichen Lichtfunken bis zum heutigen Leitbegriff fuer soziale Gerechtigkeit und Weltverbesserung.

19 Mystische Traditionen Die Muʿtazila: die Vernunftschule des fruehen Islam

Die erste grosse rationalistische Schule der islamischen Theologie (kalām), entstanden im 8. Jahrhundert in Basra und Bagdad. Ihre „fuenf Prinzipien“ stellten die absolute Einheit und Gerechtigkeit Gottes, die Erschaffenheit des Korans und die menschliche Willensfreiheit in den Mittelpunkt; im Streit mit den Traditionalisten formte sich an ihr die spaetere sunnitische Orthodoxie.

20 Mystische Traditionen Reines-Land-Buddhismus: Erloesung durch die Kraft des Anderen

Die in China und Japan zur groessten Stroemung gewordene Form des Mahāyāna-Buddhismus: Statt auf eigene Kraft (jiriki) vertraut der Glaeubige auf die „Andere Kraft“ (tariki) des Buddha Amitābha und sein Geluebde, alle, die ihn anrufen, in das „Reine Land“ Sukhāvatī aufzunehmen. Hōnen und Shinran machten das Nembutsu zum Kern einer Gnadenfroemmigkeit, die erstaunlich an christliche und bhakti-Wege erinnert.

21 Mystische Traditionen Die Vier Edlen Wahrheiten: die Grundformel des buddhistischen Weges

Die vier Saetze, mit denen Siddhartha Gautama nach seiner Erwachung bei Sarnath seine Lehre eroeffnete: das Leiden (dukkha), seine Entstehung aus dem Durst (taṇhā), seine Aufhebung (nirodha) und der zum Ende fuehrende Achtfache Pfad (magga). Die diagnostische Grundformel des gesamten Buddhismus, hier im Vergleich mit den Heilswegen anderer Traditionen.

22 Bedeutende Persönlichkeiten Abraham Maslow: Gipfelerlebnisse und die Psychologie der Selbsttranszendenz

US-amerikanischer Psychologe (1908–1970), Mitbegruender der humanistischen und der transpersonalen Psychologie. Mit der Beduerfnishierarchie, dem Begriff der Selbstverwirklichung und vor allem der Erforschung der „Gipfelerlebnisse“ holte er die mystische Erfahrung in die akademische Psychologie; spaet stellte er ueber die Selbstverwirklichung noch die Selbsttranszendenz.

23 Bedeutende Persönlichkeiten Philo von Alexandria: die Vermaehlung von Tora und Logos

Juedisch-hellenistischer Denker (um 20 v. Chr. bis etwa 50 n. Chr.), der die Tora mit der griechischen Philosophie verband: Mit der allegorischen Auslegung las er Mose als Philosophen und praegte einen Logos-Begriff, der zwischen dem unfassbaren Gott und der Welt vermittelt. Eine Bruecke, ueber die platonisches Denken in die christliche und juedische Mystik einging.

24 Heilige Schriften Die Wolke des Nichtwissens: ein englischer Wegweiser der dunklen Kontemplation

Anonyme englische Schrift aus dem spaeten 14. Jahrhundert, die den Weg der dunklen, bildlosen Gottesschau lehrt: Zwischen den Beter und Gott legt sich eine „Wolke des Nichtwissens“, unter ihm eine „Wolke des Vergessens“ ueber alles Geschaffene; allein die nackte Liebe durchstoesst sie. Ein Schluesseltext der apophatischen Mystik im Vergleich mit Hesychasmus und Sufik.

25 Seele, Selbst & Anthropologie Imago Dei: die Gottebenbildlichkeit des Menschen im Vergleich

Imago Dei (Gottebenbildlichkeit) bezeichnet in der jüdisch-christlichen Anthropologie den Menschen als „Bild Gottes“ (Genesis 1,26f) und damit den Grund seiner einzigartigen Würde. Die Notiz untersucht die substantielle, relationale und funktionale Deutungslinie, die ostkirchliche Vergöttlichung (theōsis) und stellt das Konzept vergleichend dem ātman, der Buddha-Natur, dem ḫalīfa-Gedanken und dem insān-i kāmil gegenüber — entlang der Bruchlinie zwischen Geschöpf nach dem Bild Gottes und wesenhafter Identität mit dem Göttlichen.

26 Seele, Selbst & Anthropologie Insān-i Kāmil: der vollkommene Mensch der Sufi-Anthropologie

Das zentrale Menschenbild der islamischen Mystik: der Mensch, der die göttlichen Namen vollständig verwirklicht und so zum Spiegel Gottes und zur Achse der Schöpfung wird. Entfaltet von Ibn ʿArabī, systematisiert von al-Dschīlī; verglichen mit der christlichen Gottebenbildlichkeit, dem vedāntischen ātman und Nietzsches „Übermenschen“.

27 Seele, Selbst & Anthropologie Nafs: das Ich und seine Läuterung in der Sufi-Psychologie

Nafs ist in der Sufi-Psychologie das niedere, triebhafte Ich, das durch die sieben Stufen der Läuterung (tazkiya) hindurch zum beruhigten Selbst gewandelt wird. Diese Nabennotiz bündelt die einzelnen nafs-Stufen und stellt den Begriff vergleichend neben den vedāntischen ātman, das buddhistische anātman, die griechische Psyche und das freudianische Ego.

28 Seele, Selbst & Anthropologie Die Seele: ein vergleichender Atlas der Seelenbegriffe

Diese Nabennotiz bündelt die vielen Seelenbegriffe des Archivs zu einem vergleichenden Atlas: Sie zeigt, dass „Seele“ — der innere, belebende, oft als unsterblich gedachte Wesenskern — in jeder Tradition etwas anderes meint, vom hebräischen nefesch über die griechische Psyche, das christliche Gottesebenbild, das sufische Nafs-Ruh-Verhältnis und den vedāntischen ātman bis zum buddhistischen Nicht-Selbst und den feinstofflichen Hüllen der Esoterik.

29 Seele, Selbst & Anthropologie Das Seelenfünklein: der ungeschaffene Funke im Grund der Seele

Das Seelenfünklein (mittelhochdeutsch „vünkelin der sêle“, lateinisch scintilla animae) ist bei Meister Eckhart der ungeschaffene, göttliche Funke im innersten Grund der Seele — der Ort, an dem die Gottesgeburt geschieht und Seele und Gott eins werden. Die Notiz verfolgt den Begriff von seinen patristischen Wurzeln (synteresis) über Eckhart und Tauler bis zu seiner Verurteilung und stellt ihn vergleichend dem vedāntischen ātman, dem Sufi-sirr, der jüdischen neschama und dem Gottebenbild gegenüber — entlang der heiklen Frage, ob der Funke mit Gott identisch oder geschaffen ist.

30 Dimensionen des Bewusstseins Das Default Mode Network: das Ich-Netzwerk des Gehirns und seine Auflösung

Das Default Mode Network (DMN) ist ein Netzwerk von Hirnregionen, das im Ruhezustand aktiv ist und mit selbstbezogenem Denken und dem autobiografischen Erzähl-Ich verknüpft wird. Diese Notiz dokumentiert den Befund seiner Herunterregulierung unter tiefer Meditation und Psychedelika und stellt ihn — sorgfältig die Grenze zwischen Korrelat und Erfahrung wahrend — der mystischen Ich-Auflösung quer durch die Traditionen gegenüber.

31 Chakren & Energiekörper Prāṇa: die Lebensenergie und ihr Fluss im feinstofflichen Körper

Prāṇa ist im indischen Denken die alles durchströmende Lebensenergie, die sich in fünf Vāyus gliedert und durch die Nāḍī-Kanäle fließt; die Notiz entfaltet ihre vedisch-upanishadischen Wurzeln, ihre Steuerung über den Atem und einen ausführlichen Vergleich mit Qi, Pneuma, Ruach, Mana und der westlichen Lebenskraft-Idee.

32 Mystische Traditionen Asura: Die Gegenspieler der Götter

Die Asura sind in der indischen Mythologie die mächtigen Widersacher der Devas (Götter). Die Notiz erzählt ihre großen Mythen — das Quirlen des Milchozeans um den Unsterblichkeitstrank Amrita, Indras Erschlagung des Drachen Vritra, den gerechten Asura-König Mahabali und den Zwerg Vamana — und verfolgt den rätselhaften Bedeutungswandel des Wortes vom edlen „Herrn" des Rigveda zum Dämon. Sie stellt die Asura vergleichend neben die zoroastrische Ahura/Daeva-Umkehrung, die griechischen Titanen und Giganten, die gefallenen Engel und Dämonen der abrahamitischen Religionen und die nordischen Jötunn.

33 Mystische Traditionen Daimones und Nymphen: Die Mittlerwesen der griechischen Welt

Daimones und Nymphen sind die Mittlerwesen der griechischen Welt — die Geister, die den Raum zwischen den Olympiern und den Sterblichen bevölkern. Die Notiz erzählt ihre Mythen — das warnende Daimonion des Sokrates, den schlangengestaltigen Agathos Daimon des Hauses, Eros als „großen Daimon" in Diotimas Rede, die zum Lorbeer fliehende Daphne, die verstummende Echo, Pan und die Satyrn — und stellt sie vergleichend neben den persönlichen Schutzengel, den begleitenden Dschinn und die Naturgeister anderer Traditionen vom indischen Yaksha bis zu den keltischen Feen.

34 Mystische Traditionen Diotimas Liebesleiter: der Aufstieg des Eros zum Schönen selbst

Diotimas Liebesleiter ist der im platonischen „Symposion“ vorgetragene Aufstieg des Eros, der von der Liebe zu einem schönen Körper stufenweise zur Schau des „Schönen selbst“ führt. Diese Notiz dokumentiert die Lehre, ihre Wirkungsgeschichte und ihre vergleichenden Bezüge zu Neuplatonismus, Sufismus, Bhakti, christlicher Mystik und Vedānta.

35 Mystische Traditionen Dschinn (Cin): Die verborgenen Wesen aus rauchlosem Feuer

Die Dschinn (arabisch ǧinn, türkisch cin) sind in der islamischen Vorstellung aus rauchlosem Feuer erschaffene, verborgene Vernunftwesen zwischen Engeln und Menschen. Die Notiz erzählt ihre Mythen — die Sure al-Dschinn, Iblîs als Dschinn, Salomons unterworfene Bauleute, der Flaschengeist aus 1001 Nacht, die anatolischen „Drei-Buchstabigen“ — und stellt sie vergleichend neben christliche Dämonen, hinduistische Asura und Rakshasa, die keltischen Sidhe und die Natur- und Ahnengeister des Schamanismus.

36 Mystische Traditionen Der Dybbuk: Die anhaftende Seele der Toten

Der Dybbuk (jiddisch דיבוק, „Anhaftung“) ist in der jüdischen Volks- und Kabbalafrömmigkeit die ruhelose Seele eines Verstorbenen, die in den Leib eines Lebenden fährt und ihn besetzt. Die Notiz erzählt seine Mythen — die lurianische Lehre von Gilgul und Ibbur, die Austreibungsberichte aus Safed, S. Anskis Theaterstück „Der Dybbuk“ (1920) mit der Liebesgeschichte von Chanan und Lea, das chassidische Bannritual des Zaddik über Schofar und Gottesnamen — und stellt ihn vergleichend neben die islamische Cin-Besessenheit, den christlichen Exorzismus, den buddhistischen Preta und den Ahnengeist-Befall des Schamanismus.

37 Mystische Traditionen Das Feenvolk (Sidhe): Die Anderswelt der Kelten

Das keltische Feenvolk — irisch aos sí, das „Volk der Hügel" — sind in der irischen und schottischen Überlieferung die fortlebenden Tuatha Dé Danann, die sich nach ihrer Niederlage in die Sidhe-Hügel und die Anderswelt zurückzogen. Die Notiz erzählt ihre Mythen — den Rückzug des Göttervolks unter die Erde, die klagende Banshee als Todeskünderin, den untergeschobenen Wechselbalg, die Zeitverzerrung im Reich des Oisín, die Trennung von Seelie und Unseelie Court — und stellt sie vergleichend neben die germanischen Elben, die islamischen Dschinn, die hinduistischen Yakshas und Nagas sowie die Natur- und Ahnengeister anderer Traditionen.

38 Mystische Traditionen Gandharva und Apsara: Die himmlischen Musiker und Tänzerinnen

Die Gandharvas (Sanskrit gandharva) sind die himmlischen Musiker am Hof des Götterkönigs Indra, vermählt mit den Apsaras, den Tänzerinnen und Nymphen des Himmels. Die Notiz erzählt ihre Mythen — die Musiker an Indras Hof, den Gandharva-König Chitraratha, die nach ihnen benannte Liebesheirat (Gandharva-vivāha), die Apsara Urvashi und König Pururavas, Menaka und Vishvamitra, die Gandharva-Veda als göttlichen Ursprung der Musik — und stellt sie vergleichend neben die musizierenden Engel, die griechischen Nymphen, die Huris des Paradieses und die mit ihnen verwandten Yaksha.

39 Mystische Traditionen Elben, Zwerge und Riesen: Die Wesen der germanisch-nordischen Mythologie

Elben (Álfar), Zwerge (Dvergar) und Riesen (Jötnar) bilden neben den Göttern das übrige Volk der germanisch-nordischen Welt. Die Notiz erzählt ihre Mythen — den Ur-Riesen Ymir, aus dessen Leib die Welt entsteht, die Zwerge als Meisterschmiede von Mjölnir, Gungnir und Sifs Goldhaar, die Licht- und Schwarzalben, den Hammerraub des Thrym, Skadi und den Wechsel der Riesen ins Götterhaus, dazu die Trolle der späteren Sagen — und stellt diese Wesen vergleichend neben die keltischen Feen, die Elementarwesen der Renaissance, die „älteren Mächte“ der Asura und Titanen sowie die Schatzhüter wie den Yaksha.

40 Mystische Traditionen Der Golem: Der künstliche Mensch aus Lehm

Der Golem (hebräisch gólem) ist in der jüdischen Mystik ein künstlicher, aus Lehm geformter und durch Buchstaben-Magie belebter Mensch. Die Notiz erzählt seine Legenden — den Golem von Prag und Rabbi Löw (Maharal) mit dem Wort EMET/MET auf der Stirn, die Sefer-Jetzira-Tradition der schöpferischen Buchstaben, die talmudischen Vorläufer und die ekstatischen Riten der Hasidei Aschkenas — und stellt ihn vergleichend neben Adam aus Lehm, Frankensteins Monster, den modernen Automaten und die künstliche Intelligenz sowie den Tulpa und Egregor.