Berachot — Blatt 38a

1hat man es in Küchelchen geformt, so ist es pflichtig, wenn aber formlose Plätzchen, so ist es frei.

2Abajje sprach zu R. Joseph: Welchen Segen spreche man über die Bodenloch [speise]? Dieser erwiderte: Du glaubst wohl, es sei Brot, es ist nur eine Teigmasse und man spreche darüber den Segen ‘Der allerlei Speisen erschafft’.

3Mar Zuṭra bestimmte es zu seiner Mahlzeit und sprach darüber den Segen ‘Der Brot aus der Erde hervorbringt’ und die drei Segenssprüche.

4Mar b. R. Aši sagte: Man genügt damit seiner Pflicht am Pesaḥfest, denn auch hiervon heißt es: Brot der Armut.

5Ferner sagte Mar b. R. Aši: Über Dattelhonig spreche man den Segen ‘Alles entsteht durch sein Wort’, denn es ist nichts weiter als ein Saft. –

6Nach wessen Ansicht? –Nach dem Tanna der folgenden Lehre: Wegen des Dattelhonigs, Apfelweines, Weintraubenessigs und anderer Fruchtsäfte von Hebe, ist man nach R. Elie͑zer [zum Ersatze] des Grundwertes und des Fünftels verpflichtet, nach R. Jehošua͑ aber frei. Einer der Jünger fragte Raba: Welchen [Segen spreche man] über Trimma? Raba verstand nicht, was jener ihn fragte, und Rabina, der vor Raba saß, sprach zu jenem: Meinst du solche aus Sesam, oder aus Safflor, oder aus Weintraubenkernen?

7Währenddessen verstand ihn Raba und sprach zu ihm: Du meinst gewiß Zerriebenes, da hast du mich an etwas erinnert, das R. Asi gesagt hat: Aus Datteln von Hebe darf man Ṭrimma bereiten, jedoch darf man daraus keinen Rauschtrank bereiten. Die Halakha ist: Hat man aus Datteln Ṭrimma bereitet, so spreche man darüber den Segen ‘Der die Baumfrucht erschafft’, denn sie behalten ihr Wesen, wie vorher.

8Über Šetita spreche man, wie Rabh sagt, ‘Alles entsteht durch sein Wort’, und wie Šemuél sagt, ‘Der allerlei Speisen erschafft’.

9R. Ḥisda sagte: Sie streiten aber nicht; einer spricht von hartem, der andere von weichem; das harte bereitet man zum Essen, das weiche bereitet man zu Heilzwecken.

10R. Joseph wandte ein: Sie stimmen überein, daß man am Šabbath Šetita umrühren und ägyptisches Bier trinken dürfe. Ist denn, wo du erklärst, wenn man es zu Heilzwecken bereitet, [die Bereitung] eines Heilmittels am Šabbath erlaubt!?

11Abajje erwiderte ihm: Bist du etwa nicht dieser Ansicht, wir haben ja gelernt, man dürfe am Šabbath zu Heilzwecken jede Speise essen und jedes Getränk trinken!? Du mußt also erklären, er beabsichtige das Essen, ebenso beabsichtigt man hierbei das Essen.

12Eine andere Lesart. Du mußt also erklären, er beabsichtige das Essen, und Heilmittel ist es nebenbei, ebenso beabsichtigt man auch hierbei das Essen, und ein Heilmittel ist es nebenbei.

13Und auch die [Lehre] Rabhs und Šemuéls ist nötig. Aus jener könnte man es nur von dem Falle wissen, wenn man das Essen beabsichtigt und es Heilmittel nebenbei ist, hierbei aber, wo man es von vornherein zur Heilung bereitet, spreche man darüber gar keinen Segen, so lehrt er uns, daß man, da man einen Genuß davon hat, darüber den Segen spreche.

14DENN ÜBER DAS BROT SPRECHE MAN ‘DER [BROT AUS DER ERDE] HERVORBRINGT’. Die Rabbanan lehrten: Wie spricht man? – ‘Der Brot aus der Erde hervorbringt [hamoçi]’; R. Neḥemja sagt: ‘Der Brot aus der Erde hervorgebracht hat [moçi]’. Raba sagte: Über ‘moçi’ stimmen alle überein, daß es ‘hervorgebracht’ bedeute, denn es heißt: der Gott, der sie aus Miçrajim herausgebracht [moçiám], sie streiten nur über ‘hamoçi’; die Rabbanan sind der Ansicht, auch ‘hamoçi’ bedeute ‘hervorgebracht’, denn es heißt: der dir Wasser aus einem Kieselstein hervorgebracht [hamoçi], und R. Neḥemja ist der Ansicht, ‘hamoçi’ bedeute ‘hervorbringt’, denn es heißt: Der euch aus der Knechtschaft Miçrajims herausbringt [hamoçi]. –

15Und die Rabbanan!? – Hier spricht der Heilige, gepriesen sei er, zu Jisraél wie folgt: Wenn ich euch herausgeführt habe, vollbringe ich euch etwas, wodurch ihr erkennen werdet, daß ich es bin, der euch aus Miçrajim herausgeführt hat, wie es auch heißt: ihr sollt erkennen, daß ich, der Herr, euer Gott bin, der herausgebracht hat.

16Die Rabbanan lobten R. Zera vor R. Zebid, dem Vater des R. Šimo͑n b. R. Zebid, daß er ein bedeutender Mann und in den Segenssprüchen kundig sei. Da sprach er zu ihnen: Wenn er zu euch kommt, bringet ihn zu mir. Als er einst bei ihm war, und man ihm Brot vorsetzte, begann er und sprach: ‘Der hervorgebracht hat [moçi]’. Da sprach jener: Der ist es, über den man sagt, er sei ein bedeutender Mann und in den Segenssprüchen kundig! Hätte er ‘hervorbringt [hamoçi]’ gesagt,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.