Berachot — Blatt 44a

1SETZT MAN EINEM ZUERST EINGESALZENES UND BROT DAZU VOR, SO SPRECHE ER DEN SEGEN ÜBER DAS EINGESALZENE UND ER ENTHEBT DAS BROT, DENN DAS BROT IST EINE ZUKOST. DIE REGEL HIERBEI IST: BEI EINER HAUPTSPEISE MIT ZUKOST SPRECHE MAN DEN SEGEN ÜBER DIE HAUPTSPEISE, UND ER ENTHEBT DIE ZUKOST.

2GEMARA. Gibt es denn so etwas, daß das Eingesalzene Hauptspeise und das Brot Zukost ist!? R. Aḥa, der Sohn R. A͑viras, erwiderte im Namen R. Ašis: Dies lehrten sie von dem, der genezaretische Früchte gegessen hatte.

3Rabba b. Bar Ḥana erzählte: Als wir R. Joḥanan folgten, um genezaretische Früchte zu essen, pflegten wir, wenn wir hundert waren, je zehn zu nehmen, und wenn wir zehn waren, je hundert zu nehmen; und obgleich ein Korb von drei Seá keine hundert von diesen fassen konnte, schwor er, wenn er sie aß, daß er noch nichts Eßbares gekostet hat. ‘Eßbares’, wie kommst du darauf!? – Sage vielmehr: Sättigendes.

4R. Abahu aß sie, bis ihm eine Fliege von der Stirn herabglitt. R. Ami und R. Asi aßen sie, bis ihnen das Kopfhaar ausfiel. R. Šimo͑n b. Laqiš aß sie, bis er rasend wurde. Da berichtete es R. Joḥanan im Hause des Fürsten, und R. Jehuda der Fürst schickte nach ihm Wachtleute, die ihn nach Hause brachten.

5Als R. Dimi kam, erzählte er: Der König Jannaj hatte eine Stadt auf dem Königsberge, aus der man von Šabbathvorabend zu Šabbathvorabend sechzig Myriaden Becken Thunfische für die Feigenleser auszuführen pflegte.

6Als Rabin kam, erzählte er: Der König Jannaj hatte einen Baum auf dem Königsberge, von dem man monatlich von drei Bruten vierzig Seá junger Tauben herunterzuholen pflegte. Als R. Jiçḥaq kam, erzählte er: Im Jisraélland war eine Stadt namens Guphnin, in der achtzig priesterliche Brüderpaare an achtzig priesterliche Schwesternpaare verheiratet waren. Die Rabbanan suchten von Sura bis Nehardea͑ und fanden keine, als die Töchter R. Ḥisdas, die an Rami b. Ḥama und Mar U͑qaba b. Ḥama verheiratet waren; und wenn auch jene Priesterstöchter waren, so waren diese keine Priester.

7Rabh sagte: Eine Mahlzeit, der Salz fehlt, ist keine Mahlzeit. R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Eine Mahlzeit, der Suppe fehlt, ist keine Mahlzeit.

8HAT JEMAND WEINTRAUBEN, FEIGEN UND GRANATÄPFEL GEGESSEN, SO SPRECHE ER NACHHER DIE DREI SEGENSSPRÜCHE – SO R. GAMLIÉL; DIE WEISEN SAGEN, DEN AUS DEN DREI GEZOGENEN SEGENSSPRUCH; R. A͑QIBA SAGT, SELBST WENN JEMAND GEKOCHTE KRÄUTER GEGESSEN HAT, DIES ABER SEINE MAHLZEIT IST, SPRECHE ER DIE DREI SEGENSSPRÜCHE. WER DES DURSTES WEGEN WASSER TRINKT, SPRECHE [DEN SEGEN] ‘ALLES ENTSTEHT DURCH SEIN WORT’; R. TRYPHON SAGT: ‘DER VIELE SEELEN UND IHRE BEDÜRFNISSE ERSCHAFFT’.

9GEMARA. Was ist der Grund R. Gamliéls? – Es heißt: ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigen und Granatäpfel, dann heißt es: in welchem du nicht in Dürftigkeit Brot essen wirst, und darauf folgt: wenn du gegessen und dich gesättigt hast, sollst du den Herrn, deinen Gott, preisen. –

10Und die Rabbanan!? – Das [Wort] Land unterbricht den Zusammenhang. – Und R. Gamliél, das [Wort] Land unterbricht ja den Zusammenhang!? – Dieses verwendet er, um das Kauen von Weizen auszuschließen.

11R. Ja͑qob b. Idi sagte im Namen R. Ḥaninas: Über alles, was zu den fünf Getreidearten gehört, spreche man vorher den Segen ‘Der allerlei Speisen erschafft’ und nachher den aus den drei gezogenen Segensspruch.

12Rabba b. Mari sagte im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi: Über alles, was zu den sieben Arten gehört, spreche man vorher den Segen ‘Der die Baumfrucht erschafft’ und nachher den aus den drei gezogenen Segensspruch.

13Abajje sprach zu R. Dimi: Wie lautet der aus den drei gezogene Segensspruch? Dieser erwiderte: Über Baumfrüchte: ‘Für den Baum und für die Frucht des Baumes, für den Ertrag des Feldes und für das weite, gute und köstliche Land, das du unsere Väter erben ließest, von dessen Frucht zu essen und sich von dessen Gut zu sättigen. Erbarme dich, o Herr, unser Gott, deines Volkes Jisraél, deiner Stadt Jerušalem, deines Tempels und deines Altars. Erbaue schnell, in unseren Tagen, deine heilige Stadt Jerušalem und führe uns in sie und erfreue uns an ihr; denn du bist gut und wohltätig für alle’.

14Über die fünf Getreidearten: ‘Für die Ernährung und für die Speisung und für den Ertrag des Feldes &c.’, und man beende: ‘Für das Land und für die Ernährung’. –

15Wie beende man über Früchte? – Als R. Dimi kam, sagte er: Rabh pflegte am Neumondstage zu beenden: ‘Gepriesen sei er, der Jisraél heiligt und die Neumonde ’. – Wie ist es hierbei? –

16R. Ḥisda sagt: ‘Für das Land und seine Früchte’; R. Joḥanan sagt: ‘Für das Land und die Früchte’. R. A͑mram sprach: Sie streiten nicht; das eine für uns, und das andere für sie.

17R. Naḥman b. Jiçḥaq wandte ein: Sie essen, und wir sprechen den Segen!? – Kehre vielmehr um: R. Ḥisda sagt: ‘Für das Land und die Früchte’, R. Joḥanan sagt: ‘Für das Land und seine Früchte’.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.