Berachot — Blatt 45b

1es ist ihnen erwünscht, daß es ihnen zur Pflicht werde. –

2Komm und höre: Frauen sprechen für sich selbst den gemeinsamen Tischsegen; Sklaven sprechen für sich selbst den gemeinsamen Tischsegen. Frauen, Sklaven und Minderjährige dürfen, auch wenn sie es wollen, sich nicht zum gemeinsamen Tischsegen vereinigen. Hundert Frauen gleichen ja zwei Männern, und er lehrt: Frauen sprechen für sich selbst den gemeinsamen Tischsegen, Sklaven sprechen für sich selbst den gemeinsamen Tischsegen!? –

3Anders ist es hierbei, es sind ja [viele] Personen. –

4Wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: Frauen und Sklaven dürfen, auch wenn sie es wollen, sich nicht zum gemeinsamen Tischsegen vereinigen; wieso nicht, es sind ja [viele] Personen!? –

5Anders ist es hierbei: wegen der Zuchtlosigkeit.

6Es ist zu schließen, daß Rabh es ist, welcher sagt, auch wenn sie es wollen, dürfen sie nicht den gemeinsamen Tischsegen sprechen. R. Dimi b. Joseph sagte nämlich im Namen Rabhs: Wenn drei zusammen gespeist haben und einer von ihnen auf die Straße hinausgeht, so rufen sie ihn und zählen ihn mit zum gemeinsamen Tischsegen. Nur wenn sie ihn rufen, nicht aber, wenn sie ihn nicht rufen!? –

7Anders ist es hier, wo es ihnen von vornherein eine Pflicht war. –

8Es ist zu schließen, daß R. Joḥanan es ist, welcher sagt, auch wenn sie es wollen, dürfen sie nicht den gemeinsamen Tischsegen sprechen. Rabba b. Bar Ḥana sagte nämlich im Namen R. Joḥanans: Wenn zwei zusammen essen, so entledigt sich der eine seiner Pflicht durch den Segen seines Genossen.

9Dagegen wandten wir ein: Was Neues lehrt er uns da, wir haben ja bereits gelernt, wer zugehört hat, auch wenn er nicht geantwortet hat, habe seiner Pflicht genügt!? Und R. Zera erwiderte, dies lehre, daß es bei ihnen keinen gemeinsamen Tischsegen gebe. – Es ist zu schließen.

10Raba b. R. Hona sprach zu R. Hona: Die Rabbanan, die aus dem Westen gekommen, sagen ja, wenn sie es wollen, dürfen sie den gemeinsamen Tischsegen sprechen, und dies werden sie wohl von R. Joḥanan gehört haben!? – Nein, sie hörten dies von Rabh, bevor er nach Babylonien herabkam.

11Der Text. R. Dimi b. Joseph sagte im Namen Rabhs: Wenn drei zusammen gespeist haben, und einer von ihnen auf die Straße hinausgeht, so rufen sie ihn und zählen ihn mit zum gemeinsamen Tischsegen. Abajje sagte: Dies nur, wenn sie ihn rufen, und er ihnen antwortet.

12Mar Zuṭra sagte: Dies nur, wenn drei, wenn aber zehn, nur wenn er herankommt.

13R. Aši wandte ein: Im Gegenteil, das Entgegengesetzte ist ja einleuchtender: neun erscheinen wohl wie zehn, nicht aber erscheinen zwei wie drei!?

14Die Halakha ist wie Mar Zuṭra. – Aus welchem Grunde? – Weil man dann den Namen Gottes erwähnen muß, und dies ist, wenn weniger als zehn, nicht schicklich.

15Abajje sagte: Es ist uns erhalten: wenn zwei zusammen speisen, so ist es Gebot, daß sie sich trennen. Ebenso wird gelehrt: Wenn zwei zusammen essen, so ist es Gebot, daß sie sich trennen. Diese Worte gelten nur, wenn beide Schriftkundige sind, wenn aber einer Schriftkundiger und der andere ein Unwissender ist, so spreche der Schriftkundige den Segen, und der Unwissende ist vertreten.

16Raba sagte: Folgendes habe ich gesagt, und übereinstimmend mit mir wurde es auch im Namen R. Zeras gelehrt: Wenn drei speisen, so unterbreche einer für zwei, nicht aber unterbrechen zwei für einen. –

17Etwa nicht, R. Papa unterbrach ja zusammen mit noch jemandem für seinen Sohn Abba Mar!? Anders R. Papa, er verfuhr innerhalb der Rechtslinie.

18Jehuda b. Meremar, Mar b. R. Aši und R. Aḥa aus Diphte speisten zusammen, und unter ihnen war keiner, der bedeutender wäre als seine Genossen, um für sie den Segensspruch zu sprechen. Sie sprachen: Wir haben gelernt: Wenn drei zusammen gespeist haben, so müssen sie den Tischsegen gemeinsam sprechen. Dies nur, wenn einer [unter ihnen] bedeutender ist, wenn sie aber gleich sind, ist die Trennung bei den Segenssprüchen vorzuziehen,

19und jeder spreche den Segen für sich. Als sie zu Meremar kamen, sprach er zu ihnen: Ihr habt der Pflicht des Tischsegens genügt, der des gemeinsamen Tischsegens habt ihr nicht genügt. Wenn ihr aber sagt, ihr wollt umkehren und ihn gemeinsam sprechen, so gibt es rückwirkend keinen Zusammenschluß.

20Was spricht, der hereinkommt und sie beim Tischsegen trifft, mit ihnen mit? R. Zebid sagte: ‘Gepriesen und gesegnet’. R. Papa sagte: Er antworte ‘Amen’.

21Sie streiten aber nicht; das eine, wann er sie bei der Formel ‘Wir wollen preisen’ trifft, das andere, wenn er sie bei der Formel ‘Gepriesen’ trifft. Trifft er sie bei der Formel ‘Wir wollen preisen’, so spreche er: ‘Gepriesen und gesegnet’, trifft er sie bei der Formel ‘Gepriesen’, so antworte er ‘Amen’.

22Eines lehrt, wer nach seinen eigenen Segenssprüchen ‘Amen’ spricht, sei lobenswert, und ein Anderes lehrt, er sei tadelnswert!? –

23Das ist kein Widerspruch; das Eine nach dem Segen ‘Der Jerušalem erbaut’, das Andere nach den übrigen Segenssprüchen.

24Abajje pflegte es laut zu sprechen, damit die Tagelöhner es hören und aufstehen sollen, denn [der Segen] ‘Der Gute und Gütige’ ist kein Gebot der Tora. R. Aši pflegte ihn leise zu sprechen, damit sie [den Segen] ‘Der Gute und Gütige’ nicht vernachlässigen sollen.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.