Berachot — Blatt 46b
1und manche von ihnen werden mit ‘Gepriesen’ geschlossen aber nicht mit ‘Gepriesen’ begonnen. Und [der Segen] ‘Der Gute und Gütige’ wird mit ‘Gepriesen’ begonnen, aber nicht mit ‘Gepriesen’ geschlossen. (Er ist demnach ein Segensspruch für sich.)
2R. Naḥman b. Jiçhaq sagte: Du siehst, daß [der Segen] ‘Der Gute und Gütige’ kein Gebot der Tora ist, denn man läßt ihn ja im Hause des Leid tragenden fort. Es wird nämlich gelehrt: Was spricht man im Hause des Leidtragenden? – ‘Gepriesen sei der Gute und Gütige’. R. A͑qiba sagt: ‘Gepriesen sei der Richter der Wahrheit’. –
3Nur ‘Der Gute und Gütige’, nicht aber ‘Richter der Wahrheit’!? – Sage vielmehr: Auch ‘Der Gute und Gütige’.
4Mar Zutra kam zu R. Aši, bei dem sich ein Unglücksfall ereignet hatte. Da begann er und sprach folgenden Segensspruch: ‘Der Gute und Gütige; ein Gott der Wahrheit, ein Richter der Wahrheit; der mit Gerechtigkeit richtet, mit Recht nimmt und in seiner Welt waltet, darin nach seinem Willen zu verfahren. Alle seine Wege sind Recht, denn alles ist sein; wir sind sein Volk und seine Knechte, und für alles sind wir verpflichtet, ihm zu danken und ihn zu preisen. Er, der die Risse in Jisraél verzäunt, möge auch diesen Riß in Jisraél verzäunen zum Leben’.
5Wo beginnt man wieder? – R. Zebid sagte im Namen Abajjes, man beginne vom Anfang; die Rabbanan sagten, man beginne von der Stelle, wo man abgebrochen hat. Die Halakha ist: von der Stelle, wo man abgebrochen hat.
6Der Exilarch sprach zu R. Šešeth: Wenn ihr auch alte Rabbanan seid, so sind die Perser in den Gebräuchen der Mahlzeit erfahrener als ihr. Sind es zwei Lager, so lehnt sich der Größere zuerst an und der andere oberhalb seiner; sind es drei, so lehnt sich der Größere in der Mitte an, der andere oberhalb seiner und der dritte unterhalb seiner.
7Dieser entgegnete: Und wenn er mit ihm sprechen will, muß er sich gerade aufrichten, hinsetzen und dann sprechen!? Jener erwiderte: Anders sind die Perser, sie verständigen sich durch Winken. –
8Bei wem beginnt das Waschen vor Tisch? Jener erwiderte: Beim Größten. –
9Der Größte muß dann sitzen und seine Hände beobachten, bis alle die Hände gewaschen haben!? Jener erwiderte: Man bringt ihm seinen Tisch sofort. –
10Bei wem beginnt das Waschen nach Tisch? Jener erwiderte: Beim Kleinsten. –
11Der Größte muß dann mit schmutzigen Händen sitzen, bis alle die Hände gewaschen haben!? Jener erwiderte: Man bringt seinen Tisch nicht eher fort, als bis man ihm Wasser gebracht hat.
12Da sprach R. Šešeth: Ich kenne folgende Lehre : In welcher Ordnung erfolgt das Anlehnen? Sind es zwei Lager, so lehnt sich der größere zuerst an und der andere unterhalb seiner; sind es drei Lager, so lehnt sich der Größere zuerst an, der andere oberhalb seiner und der dritte unterhalb seiner. Das Waschen vor Tisch beginnt beim Größten; das Waschen nach Tisch beginnt, wenn sie [bis] fünf sind, beim Größten, und wenn sie aber [bis] hundert sind, beim Kleinsten, bis es zum fünften herankommt, dann beginnt es wieder beim Größten; und wer mit dem Waschen nach Tisch wieder beginnt, spreche auch den Tischsegen.
13Dies ist eine Stütze für Rabh, denn R. Ḥija b. Aši sagte im Namen Rabhs: Wer nach dem Essen die Hände zuerst wäscht, ist für den Segensspruch bestimmt.
14Rabh und R. Ḥija saßen vor Rabbi bei Tisch. Da sprach Rabbi zu Rabh: Auf, wasche die Hände. Als jener bemerkte, daß er erschrak, sprach er zu ihm: Fürstensohn, er sagt dir nur, daß du dich für den Tischsegen vorbereiten sollst.
15Die Rabbanan lehrten: Man erweist keine Ehrerbietung auf der Straße, noch auf Brücken,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.