Beza — Blatt 28b

1als er ein Messer am Rande eines Korbes schliff, und ich fragte ihn: Will der Meister es schärfen oder die Fettigkeit entfernen? Er erwiderte: Die Fettigkeit entfernen. Ich sah es ihm aber an, daß er es zum Schärfen tat. Er war also der Ansicht, so sei zwar die Halakha, jedoch lehre man es nicht [öffentlich].

2Auch erzählte Abajje: Einst stand ich vor dem Meister, als er ein Messer am Rande einer Mühle schliff, und ich fragte ihn: Will der Meister es schärfen oder die Fettigkeit entfernen? Er erwiderte: Die Fettigkeit entfernen. Ich sah es ihm aber an, daß er es zum Schärfen tat. Er war also der Ansicht, so sei zwar die Halakha, jedoch lehre man es nicht [öffentlich].

3Sie fragten: Darf man am Festtage das Messer einem Gelehrten zeigen? – R. Mari, Sohn des R. Bisna, erlaubt es und die Rabbanan verbieten es. R. Joseph sagte, ein Gelehrter dürfe es für sich untersuchen und einem anderen borgen.

4Ferner sagte R.Joseph: Das stumpf gewordene Messer darf man am Feste schärfen. Jedoch nur dann, wenn es im Notfalle schneidet.

5R. Ḥisda, nach anderen R. Joseph, trug vor: Beim schartigen Messer, dem abgebrochenen Spieße und dem Ausraffen von Ofen und Herd am Festtage kommen wir zum Streite zwischen R. Jehuda und den Rabbanan. Es wird nämlich gelehrt: Der Festtag unterscheidet sich vom Šabbath nur hinsichtlich der Bereitung von Speisen; R. Jehuda erlaubt auch das, was zur Bereitung von Speisen erforderlich ist. –

6Was ist der Grund des ersten Tanna? – Die Schrift sagt: nur das allein darf von euch bereitet werden, nur das, nicht aber, was zur Bereitung erforderlich ist. – Und R. Jehuda!? – Die Schrift sagt euch, all eure Bedürfnisse. –

7Und der erste Tanna, es heißt ja euch!? – Er kann dir erwidern: euch, nicht aber für Nichtjuden. –

8Und jener, es heißt ja nur das!? – Er kann dir erwidern: es heißt nur das und es heißt euch, jedoch ist dies kein Widerspruch, denn das eine gilt von Vorbereitungen, die man am Vorabend des Festes erledigen kann, und das andere gilt von Vorbereitungen, die man am Vorabend des Festes nicht erledigen kann.

9R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Einen zerbogenen Spieß darf man am Festtage nicht ausbessern. – Selbstverständlich!? – Nötig ist dies: selbst wenn man ihn mit der Hand gerade biegen kann.

10Ferner sagte R. Jehuda im Namen Šemuéls: Hat man mit dem Spieße am Festtage das Fleisch gebraten, so darf man ihn nicht mehr fortbewegen. R. Ada b. Ahaba sagte im Namen R. Malkijus: Man darf ihn herausziehen und in eine Ecke legen.

11R. Ḥija b.Aši sagte im Namen R. Honas: Jedoch nur dann, wenn ein olivengroßes Stück Fleisch daran ist. Rabina sagte: Man darf ihn fortbewegen, auch wenn kein Stück Fleisch daran ist, wie dies bei einem Dorn auf öffentlichem Gebiete der Fall ist,

12R. Ḥenana, Sohn des R. Iqa, sagte: [Die Lehren] vom Spieße, von den Sklavinnen und von den Grübchen sind von R. Malkiju,

13die von den Haarlocken, von der Asche und vom Käse sind von R. Malkija.

14R. Papa sagte: Was auf eine Mišna oder eine Barajtha Bezug hat, ist von R. Malkija, selbständige Lehren sind von R. Malkiju. Als Merkzeichen diene dir: die Mišna ist Königin. – Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich [der Lehre von] den Sklavinnen.

15MAN DARF ZUM SCHLÄCHTER NICHT SAGEN: WIEGE MIR FÜR EINEN DENAR FLEISCH AB, VIELMEHR SCHLACHTE DIESER UND VERTEILE UNTER IHNEN.

16GEMARA. Wie mache man es? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.