Beza — Blatt 2a

1EIN AM FESTTAGE GELEGTES EI DARF, WIE DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, GEGESSEN WERDEN, UND WIE DIE SCHULE HILLELS SAGT, NICHT GEGESSEN WERDEN. DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, SAUERTEIG IN OLIVEN-GRÖSSE, GESÄUERTES BROT IN DATTELGRÖSSE, DIE SCHULE HILLELS SAGT, BEIDES IN OLIVENGRÖSSE.

2WER AM FESTTAGE WILD ODER GEFLÜGEL SCHLACHTET, GRABE, WIE DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, MIT EINER SCHAUFEL [ERDE AUF] UND BEDECKE [DAS BLUT]; DIE SCHULE HILLELS SAGT, MAN DÜRFE NUR DANN SCHLACHTEN, WENN MAN ERDE VOM TAGE [VORHER] VORRÄTIG HAT; JEDOCH PFLICHTET SIE BEI, DASS, WENN MAN BEREITS GESCHLACHTET HAT, MAN [ERDE] MIT EINER SCHAUFEL AUFGRABE UND [DAS BLUT] BEDECKE. DENN HERDASCHE GILT ALS VORRÄTIGES.

3GEMARA. Wovon gilt dies: wollte man sagen, von einer zum Schlachten bestimmten Henne, was ist demnach der Grund der Schule Hillels, es ist ja nur eine abgetrennte Speise,

4und wenn von einer zum Eierlegen bestimmten Henne,

5was ist demnach der Grund der Schule Šammajs, es ist ja Abgesondertes!? –

6Was ist das für ein Einwand, vielleicht hält die Schule Šammajs nichts vom [Verbote des] Abgesonderten!? – Sie waren der Ansicht, auch wer das Abgesonderte erlaubt, verbietet das Neuentstandene. Was ist nun der Grund der Schule Šammajs!?

7R. Naḥman erwiderte: Tatsächlich gilt dies von einer zum Eierlegen bestimmten Henne, und wer vom [Verbote des] Abgesonderten hält, hält auch vom [Verbote des] Neuentstandenen, und wer vom [Verbote des] Abgesonderten nichts hält, hält auch nichts vom [Verbote des] Neuentstandenen. Die Schule Šammajs ist der Ansicht R. Šimo͑ns, und die Schule Hillels ist der Ansicht R. Jehudas. –

8Kann R. Naḥman dies denn gesagt haben, wir haben ja gelernt: Die Schule Šammajs sagt, man dürfe [am Šabbath] Knochen und Nußschalen vom Tische fortnehmen; die Schule Hillels sagt, man nehme die ganze Platte fort und schüttle sie ab.

9Hierzu sagte R. Naḥman: Wir wissen nur, daß die Schule Šammajs der Ansicht R. Jehudas und die Schule Hillels der Ansieht R. Šimo͑ns ist!? –

10R. Naḥman kann dir erwidern: beim Šabbath, wobei der Tanna anonym nach R. Šimo͑n lehrt, denn wir haben gelernt, man dürfe Kürbisse für das Vieh oder ein Aas für die Hunde zerschneiden,

11lasse man die Schule Hillels die Ansicht R. Šimo͑ns vertreten;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.