Chullin — Blatt 109b

1GEMARA. R. Zera sagte im Namen Rabhs: Man hat dadurch nichts übertreten, und es ist erlaubt. – Wir haben ja aber gelernt, man habe dadurch nichts übertreten, wonach man nichts übertreten hat, es aber verboten ist!? –

2Rechtlich ist es nicht einmal verboten, da er aber im Schlußsatze lehren will, daß man das Herz aufreiße und das Blut herauslasse, und daß, wenn man es nicht aufgerissen hat, man nichts übertreten habe, wobei man nur nichts übertreten hat, es aber verboten ist, so lehrt er auch im Anfangsatze, man habe nichts übertreten.

3Ihm wäre eine Stütze zu erbringen: Das Euter reiße man auf und lasse die Milch heraus; hat man es nicht aufgerissen, so hat man dadurch nichts übertreten. Das Herz reiße man auf und lasse das Blut heraus; hat man es nicht aufgerissen, so reiße man es nach dem Kochen auf, und es ist erlaubt. Nur das Herz benötigt des Aufreißens, nicht aber benötigt das Euter des Aufreißens. –

4Vielleicht ist nur für das Herz das Aufreißen ausreichend, nicht aber ist für das Euter das Aufreißen ausreichend.

5Manche lesen: R. Zera sagte im Namen Rabhs: Man hat dadurch nichts übertreten, jedoch ist es verboten. Ihm wäre eine Stütze zu erbringen: So hat man dadurch nichts übertreten. Nur übertreten hat man nichts, verboten aber ist es wohl. –

6Rechtlich ist es nicht einmal verboten, da er aber im Schlußsatz lehren will, daß man das Herz aufreiße und das Blut herauslasse, und wenn man es nicht aufgerissen hat, habe man nichts übertreten, wobei man nur nichts übertreten hat, es aber verboten ist, so lehrt er auch im Anfangsatze, man habe nichts übertreten. –

7Komm und höre: Das Euter reiße man auf und lasse die Milch heraus; hat man es nicht aufgerissen, so hat man dadurch nichts übertreten. Das Herz reiße man auf und lasse das Blut heraus; hat man es nicht aufgerissen, so reiße man es nach dem Kochen auf, und es ist erlaubt. Nur das Herz benötigt des Aufreißens, nicht aber benötigt das Euter des Aufreißens!?. –

8Vielleicht ist nur für das Herz das Aufreißen ausreichend, nicht aber ist für das Euter das Aufreißen ausreichend.

9Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit der ersten Lesart Rabhs: Hat man das Euter mit der Milch gekocht, so ist es erlaubt; hat man den Magen mit der Milch gekocht, so ist es verboten. –

10Welchen Unterschied gibt es zwischen beiden? – In diesem ist [die Milch] angesammelt, in jenem ist sie nicht angesammelt.

11Wie erfolgt das Aufreißen? R. Jehuda erwiderte: Man reiße es kreuz und quer auf und presse es gegen die Wand. R. Elea͑zar sprach zu seinem Diener: Reiß es durch, und ich esse es. Was lehrte er damit, dies lehrt ja bereits die Mišna!? – Folgendes lehrte er: es braucht nicht kreuz und quer gerissen und gegen die Wand gepreßt zu werden.

12Jalta sprach zu R. Naḥman: Merke, der Allbarmherzige hat für alles, was er uns verboten hat, entsprechendes erlaubt: er erlaubte uns die Leber anstelle des verbotenen Blutes, das Blut der Reinheit anstelle des der Menstruation,

13den Talg vom Wilde anstelle des Talges vom Vieh, das Gehirn des Šibuṭa anstelle des Schweines, die Fischzunge anstelle des Girutha,

14die Geschiedene bei Lebzeiten ihres Ehemannes anstelle einer verheirateten Frau, die Bruderswitwe anstelle der Schwester des Bruders, die schöne [Gefangene] anstelle der Nichtjüdin; ich mochte nun Fleisch mit Milch essen.

15Da sprach R. Naḥman zu den Köchen: Spießt ihr Euter auf. – Wir haben ja aber gelernt, man müsse [das Euter] aufreißen!? – Für den Topf. –

16Er lehrt ja aber ‘gekocht hat’, nur wenn bereits erfolgt, nicht aber von vornherein!? – Dies gilt auch von vornherein, da er aber im Schlußsatze vom Magen lehren will,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.