Chullin — Blatt 119b
1Werden zwei Schutzbälge vereinigt? –
2In welchem Falle: wollte man sagen, wenn sie sich übereinander befinden, so gibt es ja keinen Schutzbalg für einen Schutzbalg!?
3Wir haben nämlich gelernt: R. Jehuda sagte: Die Zwiebel hat drei Schalen; die innere wird, ob ganz oder durchgestoßen, vereinigt, die mittlere wird ganz vereinigt, durchgestoßen nicht vereinigt, die äußere ist, ob so oder so, nicht verunreinigungsfähig. –
4R. Oša͑ja fragte hinsichtlich der Schutzbälge einer geteilten Speise;
5werden sie, da der eine die andere und der andere die eine [Hälfte] nicht schützt, nicht vereinigt,
6oder aber werden sie, da der eine die eine und der andere die andere schützt, wohl vereinigt? –
7Komm und höre: R. Elea͑zar b. A͑zar ja erklärt solche von Bohnen als rein und solche von [anderen] Hülsenfrüchten als unrein, weil man sie zum Betasten wünscht.
8R. Aḥa, der Sohn Rabas, erwiderte: Hier wird vom Stengel gesprochen, weil er als Stiel dient. – Was heißt demnach zum Betasten? – Zum Anfassen. –
9Komm und höre: In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Auf irgendeine Saat, zum Säen, die gesät wird, wie man sie zum Säen hinausbringt, Weizen mit der Schale, Gerste mit der Schale und Linsen mit der Schale. –
10Wie R. Aḥa, der Sohn Rabas, erklärt hat, da werde vom Stengel gesprochen, weil er als Stiel dient,
11ebenso wird hier vom Halm gesprochen, weil er als Schutzbalg dient. –
12Allerdings benötigen die oberen der unteren, wieso aber benötigen die unteren der oberen? – Dies gilt von einer Reihe. –
13Gibt es denn eine Reihe, die eine Eigröße Speise hat? – Beim Weizen des Šimo͑n b. Šaṭaḥ.
14Da du nun darauf gekommen bist, so ist auch hinsichtlich des Weizens zu erklären, dies gelte vom Weizen des Šimo͑n b. Šaṭaḥ·
15Der Text: Wenn man die Enden von zwei Knochen, an denen sich je zwei halbe Oliven [Fleisch] befinden, in einen Raum bringt und der Raum sie bezeltet, so ist der Raum unrein.
16Jehuda b. Neqosa sagte im Namen R. Ja͑qobs: Wieso können zwei Knochen zur Olivengröße vereinigt werden!?
17Reš Laqiš sagte: Nur ein Knochen gilt als Stiel, ein Haar aber gilt nicht als Stiel. R. Joḥanan aber sagte: Auch ein Haar gilt als Stiel.
18R. Joḥanan wandte gegen Reš Laqiš ein: Ist an einer Haut eine Olive Fleisch, so ist der, der eine hervorstehende Faser oder ein gegenüber befindliches Haar berührt, unrein. Wahrscheinlich gilt es als Stiel!? –
19Nein, als Schutzbalg. – Gibt es denn einen Schutzbalg für einen Schutzbalg!? – Es dringt durch.
20R. Aḥa b. Ja͑qob wandte ein: Wieso darf man demnach Tephillin schreiben, es ist ja eine vollkommene Schrift erforderlich, was hierbei nicht der Fall ist!? –
21Ihm war das entgangen, was sie im Westen sagten, daß nämlich ein Loch, über das die Tinte hinweggeht, nicht als Loch gelte.
22Wenn du aber willst, sage ich: beide gelten als Stiel, denn wie R. Ilea͑ erklärt hat, es gelte von einer Ährenfaser unter den Ährenfasern,
23ebenso gilt es auch hierbei von einem Haare unter den Haaren. –
24Worauf bezieht sich die Erklärung R. Ilea͑s? – Auf das folgende: Ährenfasern werden unrein, machen unrein und werden nicht vereinigt. Wofür ist eine Faser verwendbar? R. Ilea͑ erwiderte: Dies gilt von einer Faser unter Fasern.
25Eine andere Lesart lautet wie folgt:
26Es ist auch einleuchtend, daß sie als Schutzbalg dienen, denn wenn man sagen wollte, als Stiel, so ist ja ein einzelnes Haar nicht verwendbar. –
27Wie R. Ilea͑ erklärt hat, es gelte von einer Ährenfaser unter den Ährenfasern, ebenso gilt es auch hierbei von einem Haar unter den Haaren. –
28Worauf bezieht sich die Erklärung R. Ilea͑s? – Auf folgende Lehre: Ährenfasern werden unrein, machen unrein und werden nicht vereinigt. Wofür ist eine Faser verwendbar? R. Ilea͑ erwiderte: Dies gilt von einer Faser unter den Fasern.
29Manche beziehen es
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.