Chullin — Blatt 28a

1Dies gilt wohl vom Geflügel, dessen Blut er gegen Motten braucht!? – Nein, von einem Wilde, dessen Blut er zum Färben braucht. –

2Komm und höre: Hat man den Kopf mit einem Messer abgekniffen, so macht es im Schlunde die Kleider unrein. Wenn man nun sagen wollte, nach der Tora benötige das Geflügel nicht des Schlachtens, so sollte doch, obgleich es durch das Durchbrechen des Rückgrates und des Genickes totverletzt ist, das Messer es von der Unreinheit des Aases entheben!? –

3Er ist der Ansicht des Autors der folgenden Lehre: R. Elea͑zar ha-Qappar Berabbi sagte: Es heißt: nur wie Hirsch &c. gegessen werden; was ist von Hirsch und Reh zu lernen?

4Was lehren sollte, lernt nun: man vergleiche Hirsch und Reh mit den untauglich gewordenen Opfertieren; wie die untauglich gewordenen Opfertiere zu schlachten sind, ebenso sind Hirsch und Reh zu schlachten. Das Geflügel aber benötigt des Schlachtens nicht nach der Tora, sondern nur nach den Schriftgelehrten. –

5Wer ist der Autor, der gegen R. Elea͑zar ha-Qappar streitet? – Es ist Rabbi, denn es wird gelehrt: Schlachte &c. wie ich dir befohlen habe. Rabbi sagte: Dies lehrt, daß Moše bezüglich der Speiseröhre und der Luftröhre befohlen worden ist: [das Durchschneiden] des größeren Teiles der einen am Geflügel und des größeren Teiles beider am Vieh.

6EIN [HALSORGAN] BEIM GEFLÜGEL. Es wurde gelehrt: R. Naḥman sagt, entweder die Speiseröhre oder die Luftröhre ; R. Ada b. Ahaba sagt, die Speiseröhre und nicht die Luftröhre. R. Naḥman sagt, entweder die Speiseröhre oder die Luftröhre, denn es heißt ein, welches es ist. R. Ada b. Ahaba sagt, die Speiseröhre und nicht die Luftröhre, denn unter ‘ein’ ist das hauptsächliche zu verstehen.

7Man wandte ein: Wenn er die Speiseröhre durchgeschnitten hat und nachher die Gurgel herausgezogen wurde, so ist es tauglich, wenn aber zuerst die Gurgel herausgezogen wurde und er nachher die Speiseröhre durchgeschnitten hat, so ist es untauglich. Wenn er die Speiseröhre durchgeschnitten hat und die Gurgel herausgezogen findet, und nicht weiß, ob sie vor dem Schlachten herausgezogen worden ist oder nach dem Schlachten herausgezogen worden ist, – dies ereignete sich einst, und sie entschieden, jeder Zweifel mache die Schlachtung ungültig. Vom Durchschneiden der Gurgel lehrt er es aber nicht!? –

8Bei der Gurgel kommt es vor, daß sie herausgezogen wird. –

9Komm und höre: Hat man beim Geflügel die Hälften von beiden Halsorganen durchgeschnitten, so ist es ungültig, und um so mehr beim Vieh. R. Jehuda sagt, beim Geflügel muß man die Speiseröhre und die Arterien durchgeschnitten haben!? – Weil die Speiseröhre sich neben den Arterien befindet. –

10Komm und höre: Wenn man die Hälfte der Gurgel durchgeschnitten, die Dauer einer zweiten Schlachtung unterbrochen und sie dann beendet hat, so ist die Schlachtung gültig. Doch wohl beim Geflügel, und unter ‘beendet’ ist die Beendigung [des Durchschneidens] der Gurgel zu verstehen!? Nein, [auch] beim Vieh, denn unter ‘beendet’ ist die Beendigung der ganzen Schlachtung zu verstehen.

11Komm und höre: Wenn die Hälfte der Luftröhre verletzt war und man etwas hinzugefügt und die Schlachtung beendet hat, so ist sie gültig. Doch wohl beim Geflügel, und unter ‘beendet’ ist die Beendigung [des Durchschneidens] der Luftröhre zu verstehen!? – Nein, [auch] beim Vieh, denn unter ‘beendet’ ist die Beendigung [des Durchschneidens] der Speiseröhre zu verstehen. –

12Komm und höre: Wie erfolgt das Abkneifen beim Geflügelsündopfer? Man durchschneide die Wirbelsäule und das Genick, nicht aber den größeren Teil des Fleisches, bis man zur Speiseröhre oder zur Luftröhre gelangt; gelangt man zu diesen, so durchschneide man ein Halsorgan und damit den größeren Teil des Fleisches, und beim Brandopfer beide oder den größeren Teil von beiden. Dies ist eine Widerlegung des R. Ada b. Ahaba. Eine Widerlegung. –

13Wie bleibt es damit? – Wie es damit bleibt, wie du gesagt hast!? – Vielleicht ist es da anders, da noch Rückgrat und Genick hinzukommen. –

14Komm und höre: Einst wurde vor Raba eine Ente gebracht, deren Hals mit Blut besudelt war. Da sprach Raba: Was mache man nun:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.