Chullin — Blatt 63a
1Die Tochter des Weingießers ist erlaubt. Als Merkzeichen diene dir: besser ist das Recht des Sohnes als das des Vaters.
2R. Jehuda sagte: Der rote Šeqiṭana mit langen Schenkeln ist erlaubt. Als Merkzeichen diene dir: der Murzama. Der rote mit kurzen [Schenkeln] ist verboten. Als Merkzeichen diene dir: der Zwerg ist untauglich. Der gelbe mit langen Schenkeln ist verboten. Als Merkzeichen diene dir: gelb, so ist es untauglich.
3R. Jehuda sagte: Šalakh ist der, der Fische aus dem Meere zieht. Dukhiphath ist der, dessen Schmuck befestigt ist. Ebenso wird auch gelehrt: Dukhiphath, dessen Schmuck befestigt ist; dieser ist es, der den Šamir zum Tempel brachte.
4Wenn R. Joḥanan den Šalakh sah, sprach er: Dein Gericht im Abgrunde des Meers. Wenn er eine Ameise sah, sprach er: Deine Gerechtigkeit gleich den Gottesbergen.
5Amemar sagte: Der Laqani und der Batani sind erlaubt, den Sakanaj und den Baṭanaj darf man in Ortschaften, wo man sie zu essen pflegt, essen, und wo man sie nicht zu essen pflegt, nicht essen. — Hängt dies denn vom Brauche ab!? — Freilich. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, denn das eine gilt von Ortschaften, wo Peres und O͑znija vorkommen, und das andere von Ortschaften, wo Peres und O͑znija nicht vorkommen.
6Abajje sagte: Der Quaj und der Qaquaj sind verboten, die Qaqvata ist erlaubt. Im Westen geißelten sie wegen dieser. Man nennt sie Taḥvata.
7Die Rabbanan lehrten: Tinsemeth ist der Bavath der Vögel. Du sagst, der Bavath der Vögel, vielleicht ist dem nicht so, sondern der Bavath der Kriechtiere!? Ich will dir sagen; geh und lerne dies aus [einer der] dreizehn Regeln, durch die die Tora auszulegen ist, daß man nämlich eine Sache aus dem Zusammenhange lerne: die Schrift spricht von den Vögeln, somit gehört auch dieser zu den Vögeln.
8Desgleichen wird auch bezüglich der Kriechtiere gelehrt: Tinsemeth ist der Bavath der Kriechtiere. Du sagst der Bavath der Kriechtiere, vielleicht ist dem nicht so, sondern der Bavath der Vögel!? Ich will dir sagen, geh und lerne dies aus [einer der] dreizehn Regeln, durch die die Tora auszulegen ist, daß man nämlich eine Sache aus dem Zusammenhange lerne: die Schrift spricht von den Kriechtieren, somit gehört auch dieser zu den Kriechtieren.
9Abajje sagt: Der Bavath der Vögel ist der Qipoph, der Bavath der Kriechtiere ist der Qurpedaj. R. Jehuda sagte: Qaath ist der Qiq; Raḥam ist der šraqraq.
10R. Joḥanan sagte: Er heißt deshalb Raḥam, weil, sobald er kommt, Liebe [raḥmim] über die Welt kommt. R. Bebaj b. Abajje sagte: Jedoch nur dann, wenn er auf einem Gegenstande sitzt und šraq-raq ruft. Wir haben eine Überlieferung, daß, wenn er auf der Erde sitzen und so rufen würde, der Messias kommen würde, denn es heißt: ich will ihnen zischen [ešreqah] und sie versammeln.
11R. Ada b. Šimi sprach zu Mar b. R. Idaj: Einst saß ja einer auf einem Ackerfelde und rief šraqraq, da fiel ein Stein herab und spaltete ihm den Schädel!? Dieser erwiderte: Er war ein Lügner.
12Die Rabbanan lehrten: Der Rabe, das ist der Rabe; nach seiner Art, das ist. der Tal-Rabe und der mit dem Kopfe der Tauben einherkommende Rabe.
13Der Meister sagte: Der Rabe, das ist der Rabe. Steht er denn vor uns!? — Lies vielmehr wie folgt: der Rabe, das ist der schwarze Rabe, wie es heißt: seine Locken wallend, schwarz wie ein Rabe. Der Tal-Rabe, das ist der weiße, wie es heißt: und er erscheint tiefer als die Haut, wie eine sonnige [Stelle] tiefer erscheint als eine schattige.
14«Der mit dem Kopfe der Tauben einherkommende Rabe. » R. Papa sagte: Nicht etwa, der an der Spitze der Tauben einherkommt, sondern, dessen Kopf dem der Taube gleicht.
15Die Rabbanan lehrten: Der Habicht, das ist der Habicht; nach seiner Art, dies schließt den Bar-Ḥirja ein. — Was ist Bar-Ḥirja? Abajje erwiderte: Der Šurinqa.
16R. Jehuda sagte: Ḥasida ist die weiße Daja, und sie heißt deshalb Ḥasida, weil sie an ihren Gefährtinnen Frömmigkeit [hasiduth] übt. Anapha ist die zankende Daja, und sie heißt deshalb Anapha, weil sie mit ihren Gefährtinnen zankt [anaph].
17R. Ḥanan b. R. Ḥisda sagte im Namen R. Ḥisdas im Namen R. Ḥanans, des Sohnes Rabas, im Namen Rabhs: Es sind vierundzwanzig unreine Vögel. R. Ḥanan b. R. Ḥisda sprach zu R. Ḥisda: Wo, wenn im Leviticus, so sind es ja nur zwanzig, und wenn im Deuteronomium, so sind es ja nur einundzwanzig!? Wolltest du erwidern, zu diesen füge man noch die Daá hinzu, die im Leviticus und nicht im Deuteronomium genannt wird, so sind es ja immerhin nur zweiundzwanzig!?
18Dieser erwiderte: Folgendes sagte der Vater deiner Mutter im Namen Rabhs: Nach ihrer Art, nach ihrer Art, nach seiner Art, nach seiner Art, das sind vier. — Demnach sind es ja sechsundzwanzig!? Abajje erwiderte: Daá und Raá sind identisch. Wenn man nämlich sagen wollte, es sind zwei verschiedene [Vögel],
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.