Eruvin — Blatt 42b

1Wenn jemand nachmißt und es bis in die Mitte einer [anderen] Stadt reicht, so darf er [Gegenstände] in der ganzen Stadt fortbewegen, nur darf er über das Šabbathgebiet hinaus nicht gehen. Wahrscheinlich darf er sie werfend fortbewegen.

2R.Hona erwiderte: Nein, durch Hereinziehen.

3R.Hona sagte, Wenn jemand nachmißt und es bis zur Hälfte eines Vorhofes reicht, so steht ihm nur die Hälfte des Vorhofes frei. —

4Selbstverständlich!? — Sage: so steht ihm die Hälfte des Vorhofes frei. —

5Auch dies ist ja selbstverständlich!? — Man könnte glauben, es sei zu berücksichtigen, er würde verleitet werden, im ganzen umherzutragen, so lehrt er uns.

6R.Naḥman sagte: Hona pflichtet mir jedoch bei, daß, wenn jemand nachmißt und es bis zum Rande der Decke reicht, er im ganzen Hause fortbewegen dürfe,

7weil die Decke des Hauses herunterdrückt.

8R.Hona, Sohn des R.Nathan, sagte [Hierüber streiten] Tannaím: Haben [Nichtjuden] einen nach einer anderen Stadt, in einen Pferch oder eine Hürde gebracht, so darf er sie, wie R.Gamliél und R.Elea͑zar b. A͑zarja sagen, ganz durchwandern; R.Jehošua͑ und R.A͑qiba sagen, ihm stehen nur vier Ellen frei.

9R.Gamliél und R.Elea͑zar b.A͑zarja, welche sagen, er dürfe sie ganz durchwandern, berücksichtigen wahrscheinlich nicht beim Gehen in dem Pferche und in der Hürde das Gehen in der Ebene,

10und wenn sie beim Gehen das Gehen nicht berücksichtigen, so berücksichtigen sie auch nicht das Gehen beim Fortbewegen;

11R.Jehošua͑ und R.A͑qiba aber, welche sagen, ihm stehen nur vier Ellen frei, berücksichtigen beim Gehen in dem Pferche und in der Hürde das Gehen in der Ebene, und wenn sie beim Gehen das Gehen berücksichtigen, so berücksichtigen sie auch das Gehen beim Fortbewegen. —

12Wieso, vielleicht berücksichtigen R.Gamliél und R.Elea͑zar b. A͑zarja nur nicht das Gehen in der Ebene beim Gehen in dem Pferche und in der Hürde, weil es zwei von einander verschiedene Plätze sind,

13wohl aber das Gehen beim Fortbewegen, weil es ein und derselbe Platz ist und zu berücksichtigen ist, er könnte sich von seinem Gegenstande hinleiten lassen.

14Oder auch: woher, daß R.Jehošua͑ und R.A͑qiba hierbei etwas berücksichtigen, vielleicht nur deshalb, weil sie der Ansicht sind, das ganze Haus gelte als vier Ellen nur in dem Falle, wenn er zwischen seinen Wänden den Platz für den Šabbath noch am Tage erworben hat,

15nicht aber, wenn er zwischen seinen Wänden den Platz für den Šabbath am Tage nicht erworben hat!?

16Rabh sagte, die Halakha sei wie R.Gamliél bei [den Lehren von] dem Pferche und der Hürde und vom Schiffe. Šemuél sagte, die Halakha sei wie R.Gamliél bei [der Lehre] vom Schiffe, nicht aber bei [der Lehre] von dem Pferche und der Hürde. —

17Alle stimmen überein, die Halakha sei wie R.Gamliél bei [der Lehre] vom Schiffe; aus welchem Grunde!?

18Rabba erwiderte: Weil man noch am Tage zwischen den Wänden einen Platz für den Šabbath erworben hat.

19R.Zera erwiderte: Weil das Schiff ihn vom Beginn der vier [Ellen] fortbringt und an das Ende der vier [Ellen] setzt. —

20Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? — Ein Unterschied besteht zwischen ihnen, wenn die Wände des Schiffes niedergerissen wurden; oder auch, wenn man von einem Schiffe auf ein anderes springt. —

21Weshalb erklärt R.Zera nicht wie Rabba? — Er kann entgegnen: die Wände

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.