Eruvin — Blatt 55b
1Man gebe zur Stadt einen Vorplatz — so R.Meír; die Weisen sagen, vom Vorplatze sagten sie es nur zwischen zwei Städten.
2Hierzu wurde gelehrt: R.Hona sagte, einen Vorplatz für die eine und einen Vorplatz für die andere, und Ḥija b. Rabh sagte, man gebe einen Vorplatz nur für beide zusammen. —
3Beides ist nötig, würde er nur jenes gelehrt haben, so könnte man glauben, nur da, weil es ja zuerst erlaubt war, nicht aber hierbei.
4Und würde er nur dieses gelehrt haben, so könnte man glauben, weil für diese [ein Vorplatz] nicht ausreicht, nicht aber da, wo [auch ein Vorplatz] ausreicht; daher ist beides nötig. —
5Wie groß darf die Differenz zwischen Bogen und Überschuß sein — [Rabba b.]R.Hona sagt, zweitausend Ellen, Raba, Sohn des Rabba b. R.Hona, sagt, auch mehr als zweitausend Ellen.
6Abajje sagte: Die Ansicht Rabas, Sohnes des Rabba b. R.Hona, ist einleuchtender, denn man kann ja durch die Häuser gehen.
7WENN DA ZEHN HANDBREITEN HOHE MAUERRESTE SICH BEFINDEN &C. Was heißt Mauerreste? R.Jehuda erwiderte: Drei Wände ohne Decke.
8Sie fragten: Wie ist es bei zwei Wänden mit Decke? — Komm und höre; Folgendes wird mit [der Stadt] arrondiert: eine Gruft von vier zu vier Ellen, eine Brücke und ein Begräbnisplatz, die einen Wohnraum haben, ein Bethaus, das einen Wohnraum für den Kastellan hat, ein Götzenhaus, das einen Wohnraum für die Götzenpriester hat, Pferdeställe und Speicher auf dem Felde, die einen Wohnraum haben, Wächterhütten, die sich da befinden, und ein Haus auf einer See[insel]; dies alles wird mitarrondiert.
9Folgendes wird nicht mitarrondiert: eine an zwei gegenüberliegenden Seiten durchbrochene Gruft, eine Brücke und ein Begräbnisplatz, die keinen Wohnraum haben, ein Bethaus, das keinen Wohnraum für den Kastellan hat, ein Götzenhaus, das keinen Wohnraum für die Götzenpriester hat, Pferdeställe und Speicher auf dem Felde, die keinen Wohnraum haben, eine Grube, ein Graben, eine Höhle, eine Steinwand und ein Taubenschlag, die sich da befinden, und eine Kajütte auf einem Schiffe; dies alles wird nicht mitarrondiert.
10Hier wird also von einer an zwei gegenüberliegenden Seiten durchbrochenen Gruft gelehrt, doch wohl, wenn sie oben eine Decke hat. — Nein, wenn sie keine Decke hat. —
11Welche Verwendung hat ein Haus auf einer See[insel]? R. Papa erwiderte: Ein Haus, in dem Schiffsgeräte untergebracht werden. —
12Wird denn eine Höhle nicht mitarrondiert, R. Ḥija lehrte ja, eine Höhle werde mitarrondiert!? Abajje erwiderte: Wenn sich am Eingang ein Bauwerk befindet. —
13Dann erfolgt es ja schon wegen des Bauwerkes!? — In dem Falle, wenn sie es ergänzt.
14R.Hona sagte: Hüttenbewohnern wird [das Weichbild] von der Tür ihrer Hütte gemessen.
15R.Ḥisda wandte ein: [Es heißt]: und sie lagerten am Jarden von Beth-Haješimoth &c., und hierzu erzählte Rabba b. Bar Ḥana im Namen R.Joḥanans, er habe diesen Ort gesehen, und er habe drei Parasangen zu drei Parasangen;
16ferner wird gelehrt, wer seine Notdurft zu verrichten hatte, durfte dies weder vor dem Lager noch an den Seiten tun, sondern hinter diesem!?
17Raba erwiderte ihm: Du wendest vom Lager in der Wüste ein!? Da es bei diesem heißt: nach dem Befehle des Herrn lagerten sie, und nach dem Befehle des Herrn brachen sie auf, so ist es ebenso, als hätten sie da einen festen Wohnsitz.
18R.Ḥenana b. R.Kahana sagte im Namen R.Ašis: Sind da drei Höfe mit je zwei Häusern vorhanden, so werden sie zu einer Ortschaft [vereinigt].
19R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Das Leben der Hüttenbewohner und der Wüstenwanderer ist kein Leben, und ihre Frauen und Kinder sind nicht die ihrigen.
20Ebenso wird gelehrt: Elie͑zer aus Birja sagte: Die Hüttenbewohner gleichen den Gräberbewohnern; von ihren Töchtern heißt es: verflucht sei, wer irgend einem Tiere beiwohnt. —
21Aus welchem Grunde? — U͑la erklärte, weil sie keine Badeanstalten haben; R.Joḥanan erklärte, weil [die Frauen] beim Reinigungsbade beobachtet werden. —
22Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? — Ein Unterschied besteht zwischen ihnen, wenn sich ein Fluß in der Nähe des Hauses befindet.
23R. Hona sagte: In einer Stadt, in der kein Grünkraut zu haben ist, darf kein Schriftgelehrter wohnen. — Demnach ist Grünkraut zuträglich, und [dem widersprechend] wird gelehrt, drei Dinge mehren den Kot, beugen die Statur und rauben ein Fünfhundertstel vom Augenlichte des Menschen, und zwar:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.