Eruvin — Blatt 58a

1NUR DARF MAN NICHT ÜBER DAS ŠABBATHGEBIET HINAUS GEHEN.

2KANN MAN IHN NICHT ÜBERSPRINGEN? DIESBEZÜGLICH SAGTE R.DOSTAJ B. JANNAJ IM NAMEN R.MEÍRS: ICH HÖRTE, DASS MAN BERGE DURCHSTECHE.

3GEMARA. Woher dies? R.Jehuda erwiderte im Namen Rabhs: Die Schrift sagt: die Länge des Vorhofes hundert Ellen und die Breite fünfzig mit fünfzig; die Tora sagt damit, daß man mit einer Schnur von fünfzig Ellen messe. —

4Dieser [Vers] deutet ja darauf, daß man fünfzig mit fünfzig quadriere!? —

5Der Schriftvers könnte ja lauten: fünfzig, fünfzig, wenn es aber heißt: fünfzig mit fünfzig, so ist beides zu entnehmen.

6WEDER WENIGER NOCH MEHR. Es wird gelehrt: Nicht weniger, weil [das Maß] erhöht werden würde; nicht mehr, weil das Maß vermindert werden würde.

7R.Asi sagte: Man messe nur mit einem Stricke aus Apesqima. — Was ist Apesqima? R.Abba erwiderte: Die Nargila. — Was ist Nargila? R.Ja͑qob erwiderte: Eine Palme mit nur einer Bastschicht. Manche lesen: Was ist Apesqima? R.Abba erwiderte: Nargila. R.Ja͑qob erwiderte: Eine Palme mit nur einer Bastschicht.

8Es wird gelehrt: R.Jehošua͑ b. Ḥananja sagte: Du hast zum Messen nichts Geeigneteres als eiserne Ketten; was aber können wir machen, wenn die Tora sagt: eme Meßschnur in seiner Hand. —

9Es heißt ja aber: ein Meßstab in seiner Hand!? — Für die Pforten.

10R.Joseph lehrte: Es gibt dreierlei Stricke: aus Binsen, aus Bast und aus Flachs.

11Aus Binsen für die [rote] Kuh, wie wir gelernt haben: man band sie mit einem Binsenstrick und legte sie auf den Holzstoß; aus Bast für die Ehebruchsverdächtigte, wie wir gelernt haben: darauf holt er einen Baststrick und bindet ihn oberhalb ihrer Brüste; aus Flachs zum Messen.

12STÖSST MAN BEIM MESSEN. Wenn er lehrt, daß man weiter messe, so gehe man wohl, wenn man sie nicht überspringen kann, nach einer Stelle, wo man sie überspringen kann, und beobachte die Reichweite des Maßes und messe weiter,

13somit lernen wir hier dasselbe, was die Rabbanan gelehrt haben: Wenn beim Messen das Maß auf eine Tiefung stößt, so überspringe man sie, wenn man sie mit der fünfzig Ellen [langen] Schnur überspringen kann, wenn aber nicht, so gehe man zu einer Stelle, wo man sie überspringen kann, und überspringe sie; sodann beobachte man [die Reichweite] und messe weiter.

14Ist die Tiefung gekrümmt, so durchsteche man nach oben und durchsteche nach unten. Wenn man an eine Wand heranreicht, so sage man nicht, man durchbohre die Wand, vielmehr schätze man sie und gehe weiter. —

15Wir haben ja aber gelernt, man überspringe und messe weiter!? — Da in dem Falle, wenn die Benutzung bequem ist, hier aber ist die Benutzung nicht bequem.

16R.Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Dies nur, wenn das Senkblei gegenüber nicht herabhängt,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.