Joma — Blatt 14a
1zu verstehen, er dürfe den ganzen Tag den Dienst nicht verrichten, mit Rücksicht darauf, er könnte zu essen veranlaßt werden. R. Ada b. Ahaba sprach zu Raba: Berücksichtigt denn R. Jehuda, er könnte zu essen veranlaßt werden, wir haben ja gelernt, R. Jehuda sagt, man halte für ihn auch eine andere Frau in Bereitschaft, weil seine Frau sterben könnte; wenn seine Frau stirbt, darf er also den Dienst verrichten, und R. Jehuda berücksichtigt nicht, er könnte zu essen veranlaßt werden!? Dieser erwiderte: Ist es denn gleich; da, am Versöhnungstage, an dem alle Welt nicht ißt, wird auch er nicht zu essen veranlaßt, hierbei aber, wo alle Welt ißt, könnte er ebenfalls zu essen veranlaßt werden. —
2Ist er denn in einem solchen Falle überhaupt zur Trauer verpflichtet, sie ist ja geschieden!? — Zugegeben, daß er zur Trauer nicht verpflichtet ist, aber ist er denn nicht zerstreut!?
3ALL DIESE SIEBEN TAGE SPRENGT ER DAS [OPFER]BLUT, RÄUCHERT ER DAS RÄUCHERWERK AUF, SÄUBERT ER DIE LAMPEN UND OPFERT ER KOPF UND FÜSSE AUF; AN ALLEN ÜBRIGEN TAGEN OPFERT ER, WENN ER ES WÜNSCHT. DER HOCHPRIESTER NIMMT NÄMLICH ANTEIL AM OPFERDIENSTE ALS ERSTER UND ERHÄLT SEINEN ANTEIL ALS ERSTER.
4GEMARA. Wer ist der Autor? R. Ḥisda erwiderte: Nicht nach R. A͑qiba, denn wieso dürfte er, wenn es R. A͑qiba wäre, den Dienst verrichten, dieser sagt ja, ein Reiner, auf den das Besprengungswasser gekommen ist, sei unrein.
5Es wird nämlich gelehrt: Der Reine sprenge auf den Unreinen, wenn auf einen Unreinen, so ist er rein, wenn auf einen Reinen, so ist er unrein — so R. A͑qiba; die Weisen sagen, diesa Worte beziehen sich nur auf Dinge, die für die Unreinheit empfänglich sind. —
6Welches Bewenden hat es damit? — Wir haben gelernt: Wenn er in der Absicht, ein Tier zu besprengen, einen Menschen besprengt hat, so darf er, wenn im Ysopbündel genügend [Wasser ist, die Besprengung] wiederholen; wenn er aber in der Absicht, einen Menschen zu besprengen, ein Tier besprengt, so darf er, wenn im Ysopbündel genügend [Wasser ist, die Besprengung] nicht wiederholen. —
7Was ist der Grund R. A͑qibas? — Der Allbarmherzige sollte ja geschrieben haben: ‘der Reine soll ihn besprengen’, wenn es aber ‘den Unreinen’ heißt, so ist hieraus zu entnehmen, wenn einen Unreinen, sei er rein, wenn aber einen Reinen, sei er unrein. — Und die Rabbanan!? — Dies deutet darauf, daß es sich nur auf für die Unreinheit empfängliche Sachen beziehe. Hierbei aber ist [ein Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere zu folgern: wenn der Unreine, auf den [es kommt] rein ist, um wieviel mehr der Reine. —
8Und R. A͑qiba!? — Das ist es, was Šelomo sagt: ich dachte Weisheit zu besitzen, aber sie blieb fern von mir. — Und die Rabbanan!? — Dies bezieht sich darauf, daß nämlich der Besprengende und der Besprengte rein sind, wer aber [das Besprengungswasser] berührt, ist unrein. —
9Ist denn der Besprengende rein, es heißt ja: wer das Besprengungswasser sprengt, soll seine Kleider waschen!? — Unter ‘sprengt’ ist das Berühren zu verstehen. — Es heißt ja aber sprengt und es heißt berührt!? Ferner benötigt der Besprengende des Kleiderwaschens, der Berührende aber benötigt des Kleiderwaschens nicht!? —
10Vielmehr, unter ‘sprengt’ ist das Tragen zu verstehen. — Sollte der Allbarmherzige ‘trägt’ geschrieben haben, weshalb ‘sprengt’!? — Er lehrt uns folgendes: zur Besprengung ist ein bestimmtes Quantum erforderlich. —
11Einleuchtend ist dies nach demjenigen, welcher sagt, zur Besprengung sei ein bestimmtes Quantum erforderlich, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, zur Besprengung sei kein bestimmtes Quantum erforderlich!? — Auch derjenige, welcher sagt, zur Besprengung sei kein bestimmtes Quantum erforderlich, spricht nur vom Rücken der Person, im Gefäße aber ist ein bestimmtes Quantum erforderlich. Wir haben nämlich gelernt: Welches Quantum ist zur Besprengung erforderlich?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.