Joma — Blatt 18a

1Wieso vier oder fünf? — Nach den Rabbanan, welche sagen, die antretende [Priesterwache] erhalte sechs und die abtretende erhalte sechs, da es keine Belohnung für das Schließen der Pforten gebe, erhält er eines weniger als die Hälfte, das sind fünf,

2und nach R. Jehuda, welcher sagt, die antretende erhalte sieben, zwei [mehr] als Belohnung für das Zuschlagen der Türen, und die abtretende fünf, erhält er eines weniger als die Hälfte, das sind vier.

3Raba erklärte: Das ganze nach Rabbi, und er ist der Ansicht R. Jehudas. — Wieso demnach vier, er hat ja fünf zu erhalten!? —

4Das ist kein Einwand; eines, wenn noch eine zurückbleibende Priesterwache vorhanden ist, und eines, wenn keine zurückbleibende Priesterwache vorhanden ist.

5Ist noch eine zurückbleibende Priesterwache vorhanden, so erhält er die Hälfte von acht, also vier, ist keine zurückbleibende Priesterwache vorhanden, so erhält er die Hälfte von zehn, also fünf. —

6Wieso heißt es demnach: Rabbi sagt, stets fünf!? — Das ist ein Einwand.

7MAN TEILTE IHM EINIGE VON DEN ÄLTESTEN DES GERICHTSHOFES ZU, DIE IHM ÜBER DIE ORDNUNG DES TAGES VORLASEN. DIESE SPRACHEN ZU IHM: HERR HOCHPRIESTER, LIES DU MIT DEINEM MUNDE VOR, VIELLEICHT HAST DU ES VERGESSEN ODER GAR NICHT GELERNT. AM MORGEN DES VORABENDS DES VERSÖHNUNGSTAGES FÜHRT MAN IHN VOR DAS ÖSTLICHE TOR UND FÜHRT IHM FARREN, WIDDER UND SCHAFE VOR, DAMIT ER KUNDIG UND GEÜBT IM DIENSTE SEI. WÄHREND DER SIEBEN TAGE VERWEIGERTE MAN IHM KEINE SPEISEN UND KEINE GETRÄNKE; AM VORABEND DES VERSÖHNUNGSTAGES, BEI DUNKELHEIT, LIESS MAN IHN NICHT VIEL ESSEN, WEIL DAS ESSEN ZUR SCHLÄFRIGKEIT BRINGT.

8GEMARA. Allerdings kann er es vergessen haben, wieso aber nicht gelernt haben, ein solcher wird ja nicht eingesetzt!?

9Es wird ja gelehrt: Der Priester, der größte unter seinen Brüdern, er muß seinen Brüdern in Kraft, Schönheit, Weisheit und Reichtum überlegen sein. Manche sagen: Woher, daß, wenn er nichts hat, seine Brüder, die Priester, ihn groß machen? Es heißt: der Priester, der größte unter seinen Brüdern, man mache ihn groß mit dem seiner Brüder.

10R. Joseph erwiderte: Das ist kein Einwand; eines während des ersten Tempels und eines während des zweiten Tempels. So erzählte R. Asi, daß Martha, die Tochter des Boëthos, dem Könige Janäus für die Einsetzung des Jehošua͑ b.Gamla zum Hochpriester einen Trikab mit Golddenaren gebracht habe.

11DES VORABENDS DES VERSÖHNUNGSTAGES &C. Es wird gelehrt: Auch Böcke. — Weshalb zählt unser Autor Böcke nicht mit? — Da solche wegen einer Sünde dargebracht werden, so könnte ihn [ihr Anblick] entmutigen. —

12Auch der Farre wird ja wegen einer Sünde dargebracht!? — Den Farren bringt er für sich und seine Brüder, die Priester, dar, und wenn einer der Priester etwas begangen hat, weiß er dies und bringt ihn zur Buße, von ganz Jisraél aber weiß er es nicht.

13Rabina sagte: Das ist es, was die Leute sagen: Ist dein Neffe Exekutivbeamter, so gehe an ihm auf der Straße nicht vorüber.

14WÄHREND ALLER SIEBEN TAGE VERWEIGERTE MAN IHM KEINE &C. Es wird gelehrt: R. Jehuda b.Neqosa sagte: Man gibt ihm [Speisen aus] feinem Mehle und Eiern zu essen, um [die Speisen in den Därmen] aufzuweichen. Man erwiderte ihm: Das bringt ihn ja erst recht zur Erwärmung.

15Es wird gelehrt: Symmachos sagte im Namen R. Meírs: Man darf ihm keine E. E. W. verabfolgen; manche sagen, keine E. E. F. W.; manche sagen, auch keinen [weißen] Wein. Keine E. E. W.: keinen Etrog, keine Eier und keinen alten Wein. Manche sagen keine E. E. F. W.: keinen Etrog, keine Eier, kein fettes Fleisch und keinen alten Wein. Manche sagen, auch keinen weißen Wein, weil der Weißwein zur Verunreinigung bringt.

16Die Rabbanan lehrten: Bekommt er Fluß, so führe man es auf [vieles] Essenund auf verschiedene Arten von Speisen zurück. Elea͑zar b.Pinḥas sagte im Namen des R. Jehuda b.Bethera: Man darf ihmkeine M. K. E. W. und keine B. F. S. verabfolgen, und nichts, was zur Unreinheit bringen könnte. Keine M. K. E. W.: keine Milch, keinen Käse, keine Eier und keinen Wein. Keine B. F. S.: keine Bohnengraupensuppe, kein fettes Fleisch und keine Salzbrühe. —

17‘Und nichts, was zur Unreinheit bringen könnte’. Was schließt dies ein? — Dies schließt das ein, was die Rabbanan lehrten: Fünf Dinge bringen den Menschen zur Unreinheit, und zwar: Knoblauch,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.