Joma — Blatt 19b

1unsere Vertreter etwas ausrichten, was wir selbst nicht ausrichten können!? — Sie sprachen zu ihm wie folgt: Wir beschwören dich in unserem Namen und im Namen des Gerichtshofes.

2DARAUF WANDTE ER SICH AB UHD WEINTE, AUCH SIE WANDTEN SICH AB UND WEINTEN. Er wandte sich ab und weinte, weil sie ihn verdächtigten, er sei Saduzäer, sie wandten sich ab und weinten, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte, wer Unschuldige verdächtigt, werde an seinem Körper geschlagen. —

3Wozu dies alles? — Damit er nicht [das Räucherwerk] außerhalb her richte und innerhalb [des Allerheiligsten] hineinbringe, wie es die Saduzäer zu tun pflegen.

4Die Rabbanan lehrten: Einst bereitete ein Saduzäer [das Räucherwerk] außerhalb und brachte es innerhalb [des Allerheiligsten] hinein, und als er herauskam, freute er sich sehr. Da begegnete ihm sein Vater und sprach zu ihm: Mein Sohn, sind wir auch Saduzäer, so haben wir dennoch die Pharisäer zu fürchten. Jener erwiderte: Mein ganzes Leben grämte ich mich über den Schriftvers: denn in der Wolke erscheine ich über der Deckplatte; ich sagte nämlich: hätte ich nur die Gelegenheit, dies auszuführen, und nun, wo ich die Gelegenheit hatte, sollte ich es unterlassen!?

5Man erzählt, kaum waren einige Tage verstrichen, da starb er; er lag auf dem Misthaufen und Würmer krochen ihm aus der Nase. Manche erzählen, er sei bei seinem Herauskommen hingerafft worden. R. Ḥija lehrte nämlich, man habe im Tempelhofe wie ein Geräusch vernommen, denn ein Engel kam und schlug ihm ins Gesicht, und als seine Brüder die Priester, eintraten, fanden sie [die Spuren] eines Kalbsfußes zwischen seinen Schultern, denn es heißt [von den Engeln]: ihre Beine waren gerade, ihre Fußsohlen wie die eines Kalbes.

6R. ZEKHARJA B. QEBUṬAL ERZÄHLTE &C. R. Ḥanan lehrte Ḥija b. Rabh vor Rabh: R. Zekharja b. Qepuṭal erzählte. Da zeigte ihm Rabh mit der Hand, [er heiße] Qebuṭal. — Sollte er es ihm doch gesagt haben!? — Er las gerade das Šema͑. —

7Ist es denn auf diese Weise erlaubt, R. Jiçḥaq, Sohn des Šemuél b.Marlha, sagte ja, daß, wenn jemand das Šema͑ liest, er weder mit den Augen zwinkern, noch mit den Lippen bäffen, noch mit den Fingern zeigen dürfe!? Ferner wird gelehrt: R. Elea͑zar Ḥosma sagte: Wer das Šema͑ liest und mit den Augen zwinkert, mit den Lippen bäfft oder mit den Fingern zeigt, über den spricht die Schrift: aber nicht mich hast du angerufen, Ja͑qob. —

8Das ist kein Einwand; eines gilt vom ersten Abschnitte und eines gilt vom zweiten Abschnitte.

9Die Rabbanan lehrten: Du sollst davon reden, davon, nicht aber beim Gebete; du sollst davon reden, du darfst nur davon reden, nicht aber von anderen Dingen.

10R. Aḥa sagte: Du sollst davon reden, mache es zum Festgesetzten, nicht aber zum Vorübergehenden. Raba sagte: Wer unnütze Gespräche führt, übertritt ein Gebot, denn es heißt: du sollst davon reden; davon, nicht aber von anderen Dingen. R. Aḥa b.Ja͑qob sagte: Er übertritt auch ein Verbot, denn es heißt: alle Dinge voll Mühe, daß es niemand ausreden kann.

11WILL ER EINSCHLUMMERN, SO SCHNALZEN DIE JUNGEN PRIESTER MIT DEM MITTELFINGER UND SPRECHEN zu IHM: HERR HOCHPRIESTER, STEHE AUF UND ERMUNTERE DICH EIN WENIG AUF DEM PFLASTER. MAN UNTERHÄLT IHN, BIS DIE ZEIT DES SCHLACHTENS HERANREICHT.

12GEMARA. Was bedeutet Çerada [Mittelfinger]? R. Jehuda erwiderte: Çaratha deda [der Neben[finger] von diesem], das ist der Zeigefinger. R. Hona zeigte es, und der Schall ging durch das ganze Lehrhaus.

13UND SPRACHEN ZU IHM: HERR HOCHPRIESTER, ERMUNTERE DICH EIN WENIG AUF DEM PFLASTER. R. Jiçḥaq sagte: Was neues. — Was ist dies? — Sie sprachen zu ihm: Zeige uns das Bücken.

14MAN UNTERHIELT IHN, BIS DIE ZEIT DES SCHLACHTENS HERANREICHTE. Es wird gelehrt: Sie unterhielten ihn nicht mit einer Harfe oder einer Zither, vielmehr [sangen sie] mit dem Munde. — Was sangen sie? — Wenn der Herr das Haus nicht baut, so haben seine Erbauer sich umsonst mit ihm abgemüht.

15Manche von den Vornehmen Jerušalems schliefen die ganze Nacht nicht, damit der Hochpriester ein Geräusch vernehme und nicht einschlafe. Es wird gelehrt: Abba Šaúl sagte: Zur Erinnerung an den Tempel taten sie dies auch in der Provinz, nur sündigten sie dabei.

16Abajje, nach anderen R. Naḥman b.Jiçḥaq, sagte: Dies ist auf Nehardea͑ zu beziehen. So sprach Elijahu zu R. Jehuda, dem Bruder R. Sala des Frommen: Ihr beklagt euch, weshalb denn der Messias nicht komme; heute ist ja Versöhnungstag, und wie viele Jungfrauen wurden in Nehardea͑ beschlafen! Dieser sprach: Was sagt der Heilige, gepriesen sei er, dazu? Jener erwiderte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.