Joma — Blatt 56b
1so R. Meír; R. Jehuda, R. Jose und R. Šimo͑n verbieten dies. Demnach gibt es keine fiktive Feststellung.
2Aber wieso denn, vielleicht ist es da anders, wie er auch den Grund lehrt: Sie sprachen zu R. Meír: Pflichtest du etwa nicht bei, daß, wenn der Schlauch platzt, er rückwirkend Unverzehntetes getrunken haben wird!? Er erwiderte ihnen: Wenn er platzt!? –
3Vielmehr, dies ist aus einer Lehre Ajos zu entnehmen, denn Ajo lehrte: R. Jehuda sagt, niemand könne sich bedingungsweise zwei Eventualitäten gleichzeitig Vorbehalten;
4vielmehr, kommt der Gelehrte aus der Ostseite, so ist ein E͑rub nach Osten giltig, und wenn aus der Westseite, so ist ein E͑rub nach Westen giltig, jedoch nicht da und dort.
5Dagegen wandten wir ein: Da und dort wohl deshalb nicht, weil es keine fiktive Feststellung gibt, ebenso sollte es keine fiktive Feststellung geben,
6auch wenn nach Osten oder nach Westen!?
7Darauf erwiderte R. Joḥanan: Wenn der Gelehrte bereits eingetroffen war. –
8Wenn du nun erklärst, R. Jehuda halte nichts von der fiktiven Feststellung, wohl aber halte er von der Aufschrift, so sollte man doch nach ihm für den Versöhnungstag zwei [Gestelle] herrichten und diese mit Aufschriften versehen!? –
9Der Hochpriester könnte sie wegen seiner Schwäche übersehen.
10Wolltest du dem nicht zustimmen, so könnte er sie ja auch ohne Aufschrift [unterscheiden], denn das eine ist mehr, und das andere ist weniger, und wenn du erwidern wolltest, er nehme nicht das ganze [Blut] auf, so sagte ja R. Jehuda, der Schlachtende müsse das ganze Blut des Farren aufnehmen, denn es heißt: das ganze Blut des Farren gieße er auf den Grund des Altars.
11Wolltest du einwenden, es könnte davon vergossen werden, so ist ja dieses hell und jenes dunkel. Du mußt also erklären, der Hochpriester würde wegen seiner Schwäche darauf nicht geachtet haben, ebenso würde er wegen seiner Schwäche auch [auf die Aufschriften] nicht geachtet haben.
12Einst trat jemand vor Raba und rezitierte: Hierauf kam er heraus und stellte es auf das zweite Gestell im Tempel; er nahm das Blut des Farren und setzte das Blut des Bockes ab.
13Da sprach er zu ihm: Eines nach den Rabbanan und eines nach R. Jehuda!? Sage vielmehr: er stellte das Blut des Bockes hin und nahm das Blut des Farren.
14DANN SPRENGTE ER DAVON GEGEN DEN VORHANG, GEGENÜBER DER [BUNDESLADE VON AUSSEN. Die Rabbanan lehrten:Und ebenso verfahre er mit dem Offenbarungszelte; was besagt dies?
15Wie er im Allerinnersten sprengt, so sprenge er auch im Tempelschiffe; wie er im Allerinnersten vom Blute des Farren einmal aufwärts und siebenmal abwärts sprengt, ebenso sprenge er auch im Tempelschiffe; und wie er im Allerinnersten vom Blute des Bockes einmal aufwärts und siebenmal abwärts sprengt, ebenso sprenge er auch im Tempelschiffe. Der unter ihnen ist, inmitten ihrer Unreinigkeiten; selbst wenn sie unrein sind, befindet sich die Göttlichkeit unter ihnen.
16Einst sprach ein Minäer zu R. Ḥanina:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.