Joma — Blatt 7b

1Vielmehr nimmt er auf sich die Verfehlung der Unreinheit, die aus der Allgemeinheit heraus bei der Gemeinde erlaubt worden ist. Dies ist also eine Widerlegung des R. Šešeth!? — Hierüber streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: Das Stirnblatt macht [das Opfer] wohlgefällig, einerlei ob es an des [Hochpriesters] Stirn ist oder nicht — so R. Šimo͑n;

2R. Jehuda sagt, ist es an seiner Stirn, mache es [das Opfer] wohlgefällig, ist es nicht an seiner Stirn, mache es [das Opfer] nicht wohlgefällig. R. Šimo͑n sprach zu ihm: Vom Hochpriester am Versöhnungstage ist ja zu beweisen: es ist dann nicht an seiner Stirn, dennoch macht es [das Opfer] wohlgefällig!?

3R. Jehuda erwiderte ihm: Laß den Hochpriester am Versöhnungstage, dem es für die Gemeinde in Unreinheit erlaubt worden ist. Demnach ist R. Šimo͑n der Ansicht, daß bei einer Gemeinde die Unreinheit nur verdrängt werde.

4Abajje sagte: Ist das Stirnblatt zerbrochen, stimmen alle überein, daß es nicht wohlgefällig mache, sie streiten nur über den Fall, wenn es am Nagel hängt. R. Jehuda sagt: auf der Stirn, [er] soll auf sich nehmen;

5R, Šimo͑n aber sagt: [Es heißt:] beständig vor dem Herrn, damit er sie wohlgefällig mache; was heißt beständig: wollte man sagen, beständig auf der Stirn, so ist dies ja nicht möglich, denn er muß ja auch den Abort betreten, er muß ja auch schlafen. Doch wohl: es macht beständig wohlgefällig. —

6Und R. Jehuda, es heißt ja beständig!? — Dies besagt, daß er seine Gedanken davon nicht abwenden dürfe. Dies nach Rabba b. R. Hona, denn Rabba b.R. Hona sagte: Man muß von Zeit zu Zeit seine Tephillin betasten, denn dies ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwere, vom Stirnblatte, zu folgern;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.