Joma — Blatt 80a
1In allen anderen Fällen gilt [für die Speise] das Quantum einer Olive, ausgenommen die Unreinheit von Speisen; hierbei hat die Schrift eine veränderte Ausdrucksweise angewandt, und die Weisen haben ein anderes Quantum normiert. Als Beweis dafür dient der Versöhnungstag. – Wieso hat die Schrift [bei diesem] die Ausdrucksweise verändert? – [Es heißt:] wer sich nicht kasteit. – Wieso haben die Weisen [bei diesem] das Quantum anders normiert? – Die Dattelgröße. –
2Was soll der Beweis vom Versöhnungstage? – Man könnte erwidern, da sei es die gewöhnliche Wendung der Schrift. –
3Woher wissen wir, daß die Verunreinigungsfähigkeit von Speisen bei Eigröße erfolgt? R. Abahu erwiderte im Namen R. Elea͑zars: Die Schrift sagt: alles Eßbare, das gegessen zu werden pflegt, Eßbares, das von Eßbarem kommt, das ist ein Hühnerei. – Vielleicht ein Böckchen!? – Ein solches benötigt noch des Schlachtens. – Vielleicht die Geburt des Aufgeschlitzten!? – Diese bedarf noch des Aufschneidens. –
4Vielleicht das Ei des Bar Jukhni!? – Ergreifst du viel, so hast du nichts ergriffen, ergreifst du wenig, so hast du es ergriffen. – Vielleicht das Ei eines Vögelchens (das sehr klein ist)!?
5R. Abahu erwiderte in seinem eigenen Namen: Alles Eßbare, das gegessen zu werden pflegt, ein Essen, das man mit einem Male essen kann, und die Weisen haben es ermessen, daß der Schlund nicht mehr als ein Hühnerei fasse.
6R. Elea͑zar sagte: Wer in der Jetztzeit Talg gegessen hat, muß das Quantum aufschreiben, denn ein anderes Gericht könnte kommen und das Quantum vergrößern. –
7Was heißt das Quantum vergrößern: wollte man sagen, es könnte wegen des Quantums einer kleinen Olive zu einem Opfer verpflichten, so wird ja gelehrt: Die nicht ausgeübt werden dürfen, und versehentlich sich vergeht; wer aus eigenem Bewußtwerden Buße tut, bringe wegen seines Vergehens ein Opfer dar,
8wer nicht aus eigenem Bewußtwerden Buße tut, bringe kein Opfer wegen seines Vergehens dar!? –
9Vielmehr, es könnte zu einem Opfer verpflichten nur wegen des Quantums einer großen Olive. –
10Was heißt ‘das Quantum vergrößern’, nach der ersten Auffassung, es könnte wegen des Quantums einer kleinen Olive zu einem Opfer verpflichten? – Es könnte die [Zahl der] Opfer wegen des Quantums vergrößern.
11R. Joḥanan sagte: Die Größe des Quantums und die Strafgesetze sind Moše am Sinaj überlieferte Lehren. – Die Strafgesetze sind ja geschrieben!? – Dies ist vielmehr wie folgt zu verstehen: R. Joḥanan sagte: die Größe des Quantums, derentwegen man der Strafe verfällt, sind Moše am Sinaj überlieferte Lehren.
12Ebenso wird auch gelehrt: Die Masse, derentwegen man der Strafe verfällt, sind Moše am Sinaj überlieferte Lehren. Manche sagen, das Gerichtskollegium des Ja͑beç habe sie festgesetzt. – Es heißt ja aber: dies sind die Gebote, ein Prophet darf von nun ab nichts neu einführen!? – Vielmehr, man hatte sie vergessen, und dieser führte sie wieder ein.
13ODER EINEN MUNDVOLL TRINKT. R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Nicht wirklich einen Mundvoll, sondern soviel, daß, wenn man es auf eine Mundseite nimmt, es wie ein Mundvoll aussieht. – Wir haben ja aber ‘einen Mundvoll’ gelernt!? – Lies: wie einen Mundvoll.
14Man wandte ein: Wieviel muß man getrunken haben, um schuldig zu sein? Die Schule Šammajs sagt, ein Viertellog, und die Schule Hilleis sagt, einen Mundvoll. R. Jehuda im Namen R. Elie͑zers sagt, wie einen Mundvoll; R. Jehuda b.Bethera sagt, einen Schluck!? –
15Ist [jene Lehre] denn bedeutender als unsere Mišna? Diese erklärten wir: daß es [wie ein Mundvoll] aussieht, ebenso auch jene: daß es aussieht. – Demnach ist es ja mit [der Ansicht] R. Elie͑zers identisch!? – Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich eines gedrängten Mundvolls.
16R. Hoša͑ja wandte ein: Demnach gehört dies ja zu den Erleichterungen der Schule Šammajs und den Erschwerungen der Schule Hillels!? [Rabba] erwiderte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.