Menachot — Blatt 46b
1auch die Lämmer fort, und wenn die Lämmer abhanden gekommen sind, auch das Brot fort.
2Wie ist es aber, falls du entscheidest, durch das Schwingen erfolge keine Verbindung, wenn man das Brot und die Lämmer gebracht, und nachdem man sie geschwungen hat, ein Brot abhanden gekommen ist und man ein anderes gebracht hat: ist für dieses Brot das Schwingen erforderlich oder ist das Schwingen nicht erforderlich?
3Der Fall, wenn die Lämmer abhanden gekommen sind, ist nicht fraglich, dann ist entschieden das Schwingenerforderlich, fraglich ist nur der Fall, wenn das Brot abhanden gekommen ist.
4Ferner ist es nach Ben Nannos, welcher sagt, die Lämmer seien die Hauptsache, nicht fraglich, fraglich ist es nur nach R. A͑qiba, welcher sagt, das Brot sei die Hauptsache.
5Ist, da das Brot die Hauptsache ist, das Schwingen erforderlich, oder ist das Schwingen nicht erforderlich, weil es durch die Lämmer erlaubt wird? – Dies bleibt unentschieden.
6Abajje sprach zu Raba: Weshalb heiligen die zwei Lämmer das Brot und machen es abhängig, während die sieben Lämmer, der Farre und die Widderdas Brot nicht heilig und abhängig machen?
7Dieser erwiderte: Weil sie durch das Schwingen verbundensind. – Beim Dankopfer sind sieja nicht durch das Schwingen verbunden, und es macht [die Brote] heilig und abhängig!? –
8Vielmehr, gleich dem Dankopfer; wie das Dankopfer ein Heilsopfer ist, ebenso sind auch jeneein Heilsopfer. –
9Sind sie denn gleich, zu diesen gehören keine anderen Schlachtopfer, zu jenen aber gehören noch andere Schlachtopfer, somit sollten sowohl die einen als auch die anderen heilig machen!? –
10Vielmehr, gleich dem Widder des Nazirs; wie der Widder des Nazirs, obgleich zu ihm noch andere Schlachtopfer gehören, nur dieser als Heilsopfer heiligt, anderes aber nicht, ebenso auch jene. –
11Woher dies von diesem? – Es wird gelehrt:Den Widder richte er her zur Schlachtung eines Heilsopfers für den Herrn samt dem Korbe mit Ungesäuertem; dies lehrt, daß der Korb pflichtgemäß zum Widder gehöre und das Schlachten des Widders ihn heilige; daher sind, wenn man ihn auf einen anderen Namen geschlachtet hat, die Brote nicht heilig.
12Die Rabbanan lehrten: Die zwei Brote, die allein dargebrachtwerden, schwinge man, sodann lasse man sie verderbenund bringe sie in den Verbrennungsraum. –
13Wie du es nimmst: werden sie zum Essendargebracht, so sollte man sie doch essen, und werden sie zur Verbrennung dargebracht, so sollte man sie doch sofort verbrennen, wozu das Verderbenlassen!?
14Rabba erwiderte: Tatsächlich werden sie zum Essen dargebracht, nur wird berücksichtigt, man könnte, wenn im folgenden Jahr Lämmer vorhanden sind, sagen: im Vorjahre aßen wir die Brote ohne Lämmer, wir wollen dies auch in diesem Jahre.
15Man würde nicht wissen, daß im Vorjahre, wo keine Lämmer vorhanden waren, diese sich selbst erlaubt machten, während sie in diesem Jahre, wo Lämmer vorhanden sind, erst durch die Lämmer erlaubtwerden.
16Rabba sagte: Dies entnehme ich aus folgender Lehre: Ben Bokhri bekundete in Jabne, daß ein Priester, der den Šeqelentrichtet, keine Sünde begehe.
17R. Joḥanan b. Zakkaj sprach zu ihm: Nicht so, vielmehr begeht ein Priester, der den Šeqel nicht entrichtet, eine Sünde. Die Priester aber legen folgenden Schriftvers zu ihrem Vorteile aus:
18Jedes Speisopfer eines Priesters ist ein Ganzopfer, es darf nicht gegessen werden; wieso dürften die Webegarbe, die zwei Brote und die Schaubrote, wenn sie unserwären, [von uns] gegessen werden!?
19Von welchem Falle wird hier hinsichtlich der zwei Brote gesprochen, wollte man sagen, wenn sie mit dem Schlachtopfer dargebracht werden, so dürfen ja Priester ein Dankopfersamt den Broten spenden und sie essen:
20doch wohl, wenn sie allein dargebracht werden, und es heißt: wieso dürften &c. gegessen werden. Demnach werden sie zum Essen dargebracht.
21Abajje sprach zu ihm: Tatsächlich, wenn sie mit dem Schlachtopfer dargebracht werden, wenn du aber vom Dankopfer und von den Broteneinwendest, so werden die Brote des Dankopfers nicht Speisopfer genannt, die zwei Brote aber werden Speisopfergenannt, denn es heißt:wenn ihr dem Herrn ein neues Speisopfer bringt.
22R. Joseph erwiderte: Tatsächlich werden sie zur Verbrennung dargebracht, nur sind sie deshalb nicht [sofort] zu verbrennen, weil man Heiliges nicht am Feste verbrennen darf.
23Abajje sprach zu ihm: Es ist ja nicht gleich; dortwird dadurch das Gebot nicht ausgeübt, hierbei aber, wo dadurch das Gebot ausgeübt wird, sollte man sie verbrennen, wie diesauch beim Farren und dem Ziegenbocke des Versöhnungstages der Fall ist!?
24Vielmehr, erklärte R. Joseph, mit Rücksicht darauf, man könnte später Lämmererhalten. Abajje sprach zu ihm: Erklärlich ist dies hinsichtlich der Zeitder Darbringung, nachher aber sollte man sie verbrennen!? – Das Verderbenlassen, von dem er spricht, bezieht sich eben auf die Zeitder Darbringung.
25Raba erwiderte: Tatsächlich werden sie zum Essen dargebracht, nur wurde hierbei der von Rabba genannte Fall berücksichtigt, jedoch nicht wegen des von ihm angegebenen Grundes.
26Raba sagte: Dies entnehme ich aus folgendem Schriftverse:Aus euren Wohnorten sollt ihr Brote zur Schwingung bringen &c. Erstlinge für den Herrn; wie die Erstlinge allein dargebracht werden, ebenso auch die zwei Broteallein, und hieraus: wie die Erstlinge zum Essen, ebenso auch die zwei Brote zum Essen.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.