Nasir — Blatt 18b

1wenn es aber auch heißt: an diesem Tage, so ist dies, da es nicht auf den achten zu beziehenist, auf den siebenten zu beziehen. – Und Rabbi, es heißt ja: an diesem Tage!? – Rabbi kann dir erwidern: dies besagt, auch wenn er seine Opfer nicht dargebrachthat. –

2Was veranlaßt R. Ḥisda, es R. Jose b. R. Jehuda zu addizieren, er kann es ja auf den Fall beziehen, wenn er in der Nacht zum achten unrein gewordenist, nach Rabbi!?

3Da er es aber nicht Rabbi addiziert, so ist er wohl der Ansicht, nachts gebe es kein Fehlen der Frist?

4R. Ada b. Ahaba erwiderte: Eines hängt vom anderen ab; wenn du sagst, nachts gebe es ein Fehlen der Frist, wonach er erst morgens zur Darbringung des Opfers geeignet ist, so beginnt auch das Nazirat erst morgens, und wenn du sagst, nachts gebe es kein Fehlen der Frist, so beginnt auch das Nazirat der Reinheit schon abends.

5Der Text. Wenn [ein Nazir] vor sieben [Tagen] unrein war und am siebenten wiederum unrein wird, so bringe er nur ein Opfer dar; wenn er aber vor acht [Tagen] unrein war und am achten wiederum unrein wird, so bringe er wegen jeder [Verunreinigung] besonders ein Opfer dar. Er beginne und zählesofort – so R. Elie͑zer.

6Die Weisen sagen, ein Opfer wegen aller zusammen, falls er sein Sündopfer noch nicht dargebracht hat; wenn er aber sein Sündopfer dargebracht hat und unrein geworden ist, wiederum ein Sündopfer dargebracht und unrein geworden ist, so bringe er ein Opfer wegen jeder besonders. Hat er sein Sündopfer und nicht sein Schuldopfer dargebracht, so zähleer.

7R. Jišmáél, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, sagt, wie dies von seinem Sündopfer abhängig ist, ebenso sei es von seinem Schuldopfer abhängig. –

8Einleuchtend ist die Ansicht R. Elie͑zers, denn die Schrift sagt:er heilige sein Haupt an diesem Tage, auch wenn er seine Opfer nicht dargebracht hat, ebenso erklären die Rabbanan, [das Wort] diesem, auch wenn er sein Schuldopfer nicht dargebracht hat,

9wozu aber ist nach R. Jišma͑él [das Wort] diesem nötig!? – Er kann dir erwidern: an diesem, auch wenn er sein Brandopfernicht dargebracht hat. – Und die Rabbanan!? – Das Brandopfer braucht nicht besonders ausgeschlossen zu werden, denn es ist nichts weiter als eine Gabe. –

10Was ist der Grund der Rabbanan? – Es wird gelehrt:Er sondere für den Herrn die Tage seines Nazirates ab und bringe ein einjähriges Lamm als Schuldopfer; was lehrt dies? Wir finden bei allen Schuldopfern der Tora, daß esvon diesen abhängt, man könnte somit glauben, daß es auch von diesem abhängig sei,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.