Nasir — Blatt 22a

1so lehrt er im Anfangsatze daß sie sie erhalte. –

2Komm und höre: Wenn eine Frau ein Nazirat gelobt hat und unrein geworden ist, und ihr Mann es ihr darauf aufgehoben hat, so bringe sie das Geflügelsündopfer dar und nicht das Geflügelbrandopfer. Wenn man sagen wollte, der Ehemann durchschneide es, so müßte sie ja auch das Geflügelbrandopfer darbringen!? –

3Wenn er es entwurzelt, sollte sie auch das Geflügelsündopfer nicht darbringen!? – Dem ist auch so, nur ist hier die Ansicht des R. Elea͑zar ha Qappar vertreten,

4denn es wird gelehrt: R. Elea͑zar ha Qappar Berabbi sagte: Es heißt:daß er sich an der Seele vergangen hat; an welcher Seele hat er sich vergangen? Er heißt deshalb Sünder, weil er sich dem Weingenusse entzogen hat. Nun ist [ein Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn dieser, der sich nur die Entziehung des Weingenusses auferlegt hat, Sünder heißt, um wieviel mehr derjenige, der sich die Entziehung jeglichen Genusses auferlegt. –

5Komm und höre, es wird ausdrücklich gelehrt: Wenn eine Frau ein Nazirat gelobt und eine andere es hört und sagt: auch ich, und darauf der Ehemann der ersteren kommt und es ihr auflöst, so ist diese entbunden und die andere gebunden. Schließe hieraus, daß der Ehemann es durchschneidet.

6R. Šimo͑nsagt, wenn sie gesagt hat: ich will es gleich dir sein, so sind beide entbunden.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.