Nasir — Blatt 59a
1Manche lesen : R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Wer das Haar der Achselhöhle und an der Scham entfernt, erhält Geißelhiebe wegen [des Verbotes :]ein Mann soll nicht Frauenkleider anlegen. Man wandte ein: Die Entfernung des Haares ist nicht nach der Tora, sondern nur rabbanitisch [verboten] !? – Er ist der Ansicht des Autors der folgenden Lehre: Wer das Haar der Achselhöhle und an der Scham entfernt, begeht das Verbot: ein Mann soll nicht Frauenkleider anlegen. –
2Wofür verwendet jener Autor [den Vers:] ein Mann soll nicht anlegen!? – Diesen verwendet er für folgende Lehre: Eine Frau soll nicht Männertracht tragen; was lehrt dies: wenn etwa, daß ein Mann nicht Frauenkleider und eine Frau nicht Männerkleider anlege, so heißt es ja :das ist ein Gräuel, und dies ist ja kein Gräuel.
3Vielmehr, daß ein Mann nicht Frauenkleider anlege und zwischen Frauen weile, und eine Frau nicht Männerkleider anlege und zwischen Männern weile. R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagte : Woher, daß eine Frau nicht mit Waffen in den Krieg ziehe? Es heißt: eine Frau soll nicht Männertracht tragen. Ein Mann soll nicht Frauenkleider anlegen, daß ein Mann nicht die Kosmetika einer Frau anwende.
4R. Naḥman sagte : Einem Nazir ist eserlaubt. Die Halakha ist aber nicht wie er. Die Jünger sprachen zu R. Šimo͑n b. Abba : Wir sahen, daß R. Joḥanan keineshatte. Er erwiderte ihnen : Ihm war es durch das Alter ausgefallen.
5Einst sollte jemand vor R. Ami gegeißelt werden, und als man ihm die Achselhöhle entblößte, sah er, daß diese nicht geschoren war. Da sprach R. Ami zu ihnen : Laßt ihn, er gehört zu den Genossen.
6Rabh fragte R. Ḥija: Darf man sich da scheren? Dieser erwiderte: Es ist verboten. Jener sprach: [Das Haar] wächstja aus. Dieser erwiderte: Fürstensohn, es hat eine Grenze; je mehr es wächst, desto mehr fällt es aus.
7Rabh fragte R. Ḥija: Darf man sich da kratzen? Dieser erwiderte: Es ist verboten. – Mit einem Gewände? Dieser erwiderte: Es ist erlaubt. Manche sagen, er habe ihn gefragt, ob es beim Gebetemit einem Gewände erlaubt sei, und dieser erwiderte ihm, es sei verboten. Die Halakha ist aber nicht wie er.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.