Nedarim — Blatt 17b

1so gibt es kein Gelübde in einem Gelübde!? – Ein Einwand. –

2Wir haben gelernt: Es gibt ein Gelübde in einem Gelübde, nicht aber einen Schwur in einem Schwure. In welchem Falle: wollte man sagen, wenn jemand sagt: ich will heute Nazir sein, dann: ich will morgen Nazir sein, und dem entsprechend beim Schwure, [wenn jemand sagt: ein Schwur,] daß ich keine Feigen essen werde, dann sagt: ein Schwur, daß ich keine Trauben essen werde, wieso trifft der eine Schwur nicht den anderenSchwur!?

3Daß der eine Schwur nicht den anderen Schwur trifft, gilt also nur in dem Falle, wenn jemand sagt: ein Schwur, daß ich keine Feigen essen werde, und dann sagt: ein Schwur, daß ich keine Feigen essen werde, und dem entsprechend beim Nazirat, wenn jemand sagt: ich will heute Nazir sein, dann: ich will heute Nazir sein, und er lehrt: es gebe ein Gelübde in einem Gelübde. Dies ist eine Widerlegung R. Honas!? –

4R. Hona kann dir erwidern: unsere Mišna spricht von dem Falle, wenn er sagt: ich will heute Nazir sein, dann: ich will morgen Nazir sein, und dem entsprechend beim Schwure, wenn er sagt: [ein Schwur,] daß ich keine Feigen essen werde, und dann sagt: ein Schwur, daß ich nicht Feigen und Trauben essen werde, wobei [der Schwur ihn] nicht trifft. –

5Rabba sagte ja aber, daß, wenn jemand sagt: ein Schwur, daß ich keine Feigen essen werde, und dann sagt: ein Schwur, daß ich nicht Feigen und Trauben essen werde, und darauf Feigen gegessen und dieserhalb ein Opfer abgesondert hat, und später Trauben ißt, die Trauben nur ein halbes Quantumsind, und man bringe kein Opfer dar wegen eines halben Quantums.

6Demnach trifft, wenn jemand sagt: ein Schwur, daß ich keine Feigen esse, und dann sagt: ein Schwur, daß ich nicht Feigen und Trauben esse, der Schwur, da er die Trauben trifft, auch die Feigen!? – R. Hona ist nicht der Ansicht Rabbas.

7Man wandte ein: Wenn jemand zwei Nazirate gelobt, und nachdem er das erste absolviert und das Opferabgesondert hat, darum nachsucht, so wird das erste für das andereangerechnet.

8In welchem Falle: wollte man sagen, wenn jemand sagt: ich will heute Nazir sein, dann: ich will morgen Nazir sein, wieso wird ihm das erste für das andere angerechnet, ein Tag bleibt jazurück; doch wohl, wenn er sagt: ich will heute Nazir sein, dann: ich will heute Nazir sein.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.