Nedarim — Blatt 64b
1Raba erwiderte: Demnach gäbe es keine Gelübde, derentwegen man bei einem Gelehrten nachsuche. –
2Wir haben gelernt: Die Weisen pflichten jedoch R. Elie͑zer bei, daß man bei zwischen ihm und seinem Vater oder seiner Mutter vorgehenden Dingen ihm einen Ausweg öffne [durch den Hinweis] auf die Ehrung von Vater und Mutter. Einleuchtend ist dies nach Abajje, welcher erklärt, demnach gäbe es keine Gelübde, die richtig aufgelöst werden, denn hierbei war er unwirsch geworden und bleibt auch unwirsch,
3weshalb aber öffne man ihm hierbei einen Ausweg nach Raba, welcher erklärt, demnach gäbe es keine Gelübde, derentwegen man bei einem Gelehrten nachsuche!? – Ich will dir sagen: da andere Gelübde ohne einen Gelehrten nicht [aufgelöst werden], so öffne man ihm [einen Ausweg] auch hierbei.
4FERNER SAGTE R. ELIE͑ZER, MAN DÜRFE EINEM EINEN AUSWEG ÖFFNEN [DURCH DEN HINWEIS] AUF UNVERMUTETES &C. Was ist der Grund R. Elie͑zers? R. Ḥisda erwiderte: Die Schrift sagt:denn gestorben sind all die Männer, und der Todist Unvermutetes. Hieraus, daß man einen Ausweg öffne [durch den Hinweis] auf Unvermutetes. –
5Was ist der Grund der Rabbanan? – Sie sind der Ansicht, jene waren gar nicht gestorben. R. Joḥanan sagte nämlich im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Überall, wo es hadernund stehenheißt, waren es Dathan und Abiram. Vielmehr, sagte Reš Laqiš, hatten sie ihr Vermögen verloren.
6R. Jehošua͑ b. Levi sagte nämlich: Wer keine Kinder hat, gleicht einem Toten, denn es heißt:schaffe mir Kinder, sonst sterbe ich. Ferner wird gelehrt: Vier gleichen einem Toten: ein Armer, ein Aussätziger, ein Blinder und ein Kinderloser. Ein Armer, denn es heißt: denn gestorben sind all die Leute; ein Aussätziger, denn es heißt:daß sie nicht wie eine Tote sei; ein Blinder, denn es heißt:er setzte mich in Finsternis gleich ewig Toten; ein Kinderloser, denn es heißt: schaffe mir Kinder, sonst sterbe ich.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.