Pessachim — Blatt 95b
1davon nichts halbroh essen. – Was schließt die Spezialisierung aus? – Du sollst das Blut meines Opfers nicht zu Gesäuertem schlachten. – Vielleicht umgekehrt!? – Die dieses selbst betreffende Vorschrift ist bedeutender.
2DAS ERSTE BENÖTIGT BEIM ESSEN DES LOBLIEDES &C. Woher dies? R. Joḥanan erwiderte im Namen des R. Šimo͑n b. Jehoçadaq: Die Schrift sagt: Lieder werdet ihr singen wie in der Nacht der Festweihe; die Nacht, die zum Feste geweiht ist, benötigt des Lobliedes, die Nacht, die nicht zum Feste geweiht ist, benötigt nicht des Lobliedes.
3DAS EINE UND DAS ANDERE BENÖTIGEN DES LOBLIEDES BEI DER HERRICHTUNG &C. Aus welchem Grunde? – Wenn du willst, sage ich: nur die Nacht ist ausgeschlossen, nicht aber der Tag. Wenn du aber willst, sage ich: ist es denn möglich, daß die Jisraéliten ihre Pesaḥopfer schlachten oder ihre Feststräuße [in die Hand] nehmen, ohne dabei das Loblied zu sprechen!?
4GEBRATENES &C. ZU ESSEN. Nur den Šabbath [verdrängt es] und nicht die Unreinheit, somit vertritt unsere Mišna nicht die Ansicht R. Jehudas, denn es wird gelehrt: [Das zweite Pesaḥopfer] verdrängt den Šabbath und nicht die Unreinheit; R. Jehuda sagt, es verdränge auch die Unreinheit. –
5Was ist der Grund des ersten Tanna? – Es wurde wegen der Unreinheit zurückgesetzt, und nun soll es in Unreinheit dargebracht werden!? – Und R. Jehuda!?– Die Tora sorgte dafür, daß er es in Reinheit herrichte, ist ihm dies aber nicht beschieden, so richte er es in Unreinheit her.
6Die Rabbanan lehrten: Das erste Pesaḥopfer verdrängt den Šabbath, das zweite Pesaḥopfer verdrängt ebenfalls den Šabbath; das erste Pesaḥopfer verdrängt die Unreinheit, das zweite Pesaḥopfer verdrängt ebenfalls die Unreinheit; das erste Pesaḥopfer erfordert das Übernachten [in Jerušalem], das zweite Pesaḥopfer erfordert ebenfalls das Übernachten. –
7Es verdrängt die Unreinheit, also nach R. Jehuda, und nach
8R. Jehuda ist ja das Übernachten nicht erforderlich, denn es wird gelehrt: R. Jehuda sagte, woher, daß das zweite Pesaḥopfer nicht das Übernachten erfordere? Es heißt: und am anderen Morgen mache dich auf, um heimzukehren, und darauf folgt:sechs Tage sollst da Ungesäuertes essen; wobei sechs Tage Ungesäuertes gegessen wird, ist auch das Übernachten erforderlich, wobei nicht sechs Tage [Ungesäuertes] gegessen wird, ist auch das Übernachten nicht erforderlich!? –
9Zwei Tannaím streiten über die Ansicht R. Jehudas.
10IN UNREINHEIT DARGEBRAGHTEPESAḤOPFER DÜRFEN MÄNNLICHE FLUSSBEHAFTETE, WEIBLICHE FLUSSBEHAFTETE, MENSTRUIERENDE UND WÖCHNERINNEN NICHT ESSEN; HABEN SIE DAVON GEGESSEN, SO SIND SIE VON DER AUSROTTUNG FREI.
11NACH R. ELIE͑ZER SIND SIE FREI, AUCH WEGEN DES EINTRETENS IN DEN TEMPEL.
12GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Man könnte glauben, wenn männliche Flußbehaftete, weibliche Flußbehaftete, Menstruierende und Wöchnerinnen vom in Unreinheit dargebrachten Pesaḥopfer gegessen haben, seien sie schuldig, so heißt es:jeder Reine darf das Fleisch essen; derjenige aber, der Fleisch vom dem Herrn dargebrachten Heilsopfer ißt, während ihm Unreinheit anhaftet, soll ausgerottet werden.
13Wenn Reine es essen dürfen, sind die Unreinen deswegen schuldig, wenn Reine es nicht essen dürfen, sind die Unreinen deswegen nicht schuldig.
14R. Elie͑zer sagte : Man könnte glauben, wenn Flußbehaftete bei der Herrichtung des in Unreinheit dargebrachten Pesaḥopfers sich in den Tempelhof hinein gedrängt haben, seien sie schuldig, so heißt es:sie sollen jeden Aussätzigen, jeden Flußbehafteten und jeden Leichenunreinen aus dem Lager hinausschaffen. Wenn Leichenunreine hinausgeschafft werden, sind auch Flußbehaftete und Aussätzige hinauszuschaffen, wenn Leichenunreine nicht hinausgeschafftwerden, sind auch Flußbehaftete und Aussätzige nicht hinauszuschaffen.
15R. Joseph fragte: Wie ist es, wenn die Leichenunreinen sich bei der Herrichtung des in Unreinheit dargebrachten Pesaḥopfers in den Tempel hineingedrängt haben: ist, da die Unreinheit im Tempelhofe erlaubt worden ist, auch die Unreinheit im Tempel erlaubt, oder aber ist, was erlaubt worden ist, erlaubt, und was nicht erlaubt worden ist, nicht erlaubt?
16Raba erwiderte: Die Schrift sagt: sie sollen aus dem Lager hinausschaffen, ferner auch : außerhalb des Lagers sollt ihr sie hinausschaffen, auch aus einem Teiledes Lagers.
17Manche lesen: Raba erwiderte: Die Schrift sagt: sie sollen aus dem Lager hinausschaffen &c., außerhalb des Lagers sollt ihr sie hinausschaffen; die außerhalb des Lagers hinausgeschafft werden, müssen auch aus [einem Teile des] Lagers hinausgeschafft werden.
18R. Joseph fragte: Wie ist es, wenn die Leichenunreinen sich vorgedrängt und die Opferteile des in Unreinheit dargebrachten Pesaḥopfers gegessen haben:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.