Schabbat — Blatt 31b
1Gottesfurcht, gleicht einem Schatzmeister, dem man die inneren Schlüssel, aber nicht die äußeren Schlüssel übergeben hat; wie soll er hereinkommen? R. Jannaj ließ ausrufen: Wehe dem, der keine Wohnung hat, aber Türen für eine Wohnung macht. R. Jehuda sagte: Der Heilige, gepriesen sei er, hat seine Welt nur dazu erschaffen, daß man ihn fürchte, wie es heißt: und Gott machte es, auf daß man ihn fürchte.
2R. Simon und R. Elea͑zar saßen einst beisammen, und als R. Ja͑qob b. Aḥa an ihnen vorüberging, sprach einer von ihnen zu seinem Genossen: Wir wollen vor ihm aufstehen, denn er ist ein sündenscheuer Mann. Darauf sprach der andere: Wir wollen vor ihm aufstehen, denn er ist ein gesetzeskundiger Mann. Da rief jener: Ich sagte dir, er sei [sogar] ein sündenscheuer Mann, und du sagst mir, er sei ein gesetzeskundiger Mann! –
3Es ist zu beweisen, daß R. Elea͑zar es war, der gesagt hat, er sei ein sündenscheuer Mann, denn R. Joḥanan sagte im Namen R. Elea͑zars: Der Heilige, gepriesen sei er, hat in seiner Welt nichts weiter als die Gottesfurcht, wie es heißt: und nun, Jisraél, was fordert der Herr, dein Gott, von dir, als daß du fürchtest &c. Ferner heißt es: und zum Menschen sprach er: Wahrlich [hen], Gottesfurcht ist die Weisheit, und hen heißt im Griechischen Eins. Schließe hieraus.
4R. U͑la trug vor: Es heißt: frevle nicht zu sehr &c. Nur zu sehr nicht freveln, wenig aber wohl? Vielmehr, soll etwa derjenige, der Knoblauch gegessen hat und einen [schlechten] Geruch verbreitet, nochmals Knoblauch essen, daß sich dessen Geruch noch mehr verbreite!?
5Raba b. R. U͑la trug vor: Es heißt: denn bis zum Tode haben sie keine Schmerzen, kräftig ist ihr Leib. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Nicht genug, daß die Frevler den Tag des Todes nicht fürchten und nicht betrübt sind, vielmehr ist ihr Herz auch fest wie eine Halle. Das ist es, was Rabba gesagt hat: Es heißt: dieser ihr Wandel ist eitel Torheit. Die Frevler wissen, daß ihr Wandel zum Tode führt, aber ihre Lenden sind mit Fett bedeckt. Vielleicht glaubst du, dies sei nur eine Vergeßlichkeit von ihnen, so heißt es: und die Folgen führen sie im Munde, Sela.
6WENN ABER UM DIE LAMPE &C. ZU SCHONEN. Wessen Ansicht ist R. Jose: ist er der Ansicht R. Jehudas, so sollte man auch wegen der übrigen schuldig sein, und ist er der Ansicht R. Šimo͑ns, so sollte man auch wegen des Dochtes frei sein!? U͑la erwiderte: Tatsächlich ist er der Ansicht R. Jehudas, nur ist R. Jose auch der Ansicht, das Niederreißen, um an Ort und Stelle zu bauen, heiße ein Niederreißen, um an anderer Stelle zu bauen, heiße kein Niederreißen.
7Raba sprach zu ihm: Merke, sämtliche [am Šabbath verbotene] Arbeiten entnehmen wir ja vom Bau der Stiftshütte, und da geschah ja das Niederreißen, um an anderer Stelle zu bauen!? Dieser erwiderte: Anders verhielt es sich bei dieser; da es heißt: nach dem Befehle des Herrn lagerten sie, so glich es dem Niederreißen, um an Ort und Stelle zu bauen.
8R. Joḥanan erwiderte: Tatsächlich ist er der Ansicht R. Šimo͑ns, jedoch ist es beim Dochte anders, wegen einer Erklärung R. Hamnunas, nach anderen, des R. Ada b. Ahaba. Hier handelt es sich um einen Docht, den man einbrennen muß. In diesem Falle pflichtet auch R. Šimo͑n bei, weil man dadurch ein Gerät ausbessert. Raba sagte: Dies geht ausdrücklich hervor; er lehrt: weil man dadurch Schnuppen macht, nicht aber: weil Schnuppen entstehen. Schließe hieraus.
9DREIER ÜBERTRETUNGEN WEGEN STERBEN FRAUEN BEI IHRER NIEDERKUNFT: WENN SIE NICHT ACHTSAM SIND BEI DER MONATSBLUTUNG, BEI DER TEIGHEBE UND BEIM LICHTANZÜNDEN.
10GEMARA. Aus welchem Grunde wegen der Monatsblutung? R. Jiçḥaq erwiderte: Diese hat mit dem, was aus dem Inneren ihres Leibes, verbrochen, sie soll daher durch das, was aus dem Inneren ihres Leibes, bestraft werden. – Allerdings wegen der Monatsblutung, wieso aber wegen der Teighebe und des Lichtanzündens? – Wie ein Galiläer vor R. Ḥisda vorgetragen hat: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Ein Viertellog Blut habe ich in euch getan, und bezüglich des Blutes habe ich euch geboten;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.