Schabbat — Blatt 77b

1Garínin [Kerne] oder Gari͑nin? Raba b. U͑la erwiderte: Vom Schätzungswerte abzuziehen [venigra͑].

2Sie fragten ferner: Heißt es Ómemoth [verglimmende] oder O͑memoth? R. Jiçḥaq b. Evdämi erwiderte: Zedern verdunkeln [a͑mamuhu] ihn nicht im Garten Gottes.

3Sie fragten ferner: Heißt es meámçin [die Augen schließen] oder mea͑mcin? R. Ḥija b. Abba erwiderte im Namen R. Joḥanans: Er schließt [o͑çem] seine Augen, um das Böse nicht zu schauen.

4Die Rabbanan lehrten: Wenn man Milch von einem Vieh im Quantum eines Schluckes hinausträgt, Frauenmilch oder Eiweiß, als für eine Einreibung erforderlich ist, Augensalbe, als man [für die Augen] mit Wasser einrührt. R. Aši fragte: Soviel man einreiht, oder soviel [an den Fingern] kleben bleibt und man einreibt? – Dies bleibt unentschieden.

5HONIG, ALS MAN AUF EINE WUNDE LEGT. Es wird gelehrt: Soviel man auf die Öffnung einer Wunde legt. R. Aši fragte: Ist unter Öffnung der Wunde die ganze Ausdehnung der Wunde zu verstehen, oder nur die oberste Spitze der Wunde, mit Ausschluß der ganzen Schwellung. Dies bleibt unentschieden.

6R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Von allem, was der Heilige, gepriesen sei er, in seiner Welt erschaffen hat. hat er nichts unnötig erschaffen. Er erschuf die Schnecke gegen die Wunde; die Fliege gegen die Wespe; die Mücke gegen die Schlange; die Schlange gegen Krätze; die Spinne gegen den Skorpion. – Wie verfahre man dabei? – Man hole eine schwarze und eine weiße, koche sie zusammen ein und bestreiche damit.

7Die Rabbanan lehrten: Es gibt fünf Fälle von Furcht des Stärkeren vor dem Schwächeren: die Furcht des Löwen vor dem Maphgia͑, die Furcht des Elefanten vor der Mücke, die Furcht des Skorpions vor der Spinne, die Furcht des Adlers vor der Schwalbe und die Furcht des Levjathan vor dem Stichling. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Hierauf deutet folgender Schriftvers: Der Verwüstung aufblitzen läßt den Starken.

8R. Zera traf R. Jehuda vor der Tür seines Schwiegervaters stehen und bemerkte, daß er heiteren Sinnes war, und wenn man ihn bezüglich aller Dinge der Welt gefragt hätte, würde er geantwortet haben. Da fragte er ihn: Weshalb gehen die Ziegen voran und die Lämmer hinterher? Dieser erwiderte: Wie bei der Weltschöpfung: vorher dunkel und nachher hell. – Weshalb sind diese bedeckt und jene entblößt? – Von denen wir Bedeckung erhalten, sind bedeckt, von denen wir keine Bedeckung erhalten, sind entblößt. – Weshalb hat das Kamel einen kurzen Schwanz? – Weil es Dornen frißt. – Weshalb hat der Ochse einen langen Schwanz? – Weil er sich auf den Wiesen aufhält und die Mücken verscheuchen muß. –

9Weshalb ist das Fühlhorn der Ameise weich? – Weil sie zwischen Weiden wohnt; wenn es hart wäre, könnte es abbrechen, und sie würde erblinden. Šemuél sagte nämlich: Wer eine Ameise blenden will, reiße ihr die Fühlhörner ab. – Weshalb ragt das [untere] Augenlid des Huhnes nach oben über? – Weil es sich in der Höhe aufhält, und wenn ihm der Rauch [in das Auge] dringen würde, könnte es erblinden. – Dasa [Tür]? – Durch dort. – Darga [Treppe]? – Nach dem Dache. – Metukhlita [Tunke]? – Wann ist diese zu Ende? – Beta [Haus]? – Komm, setz dich hinein. – Biqta [Zelle]? – Ort der Enge. –

10Kuphta [Korb]? – Stülpe ihn um und setze dich. – Libne [Backsteine]? – [Dauerhaft] für Kindeskinder. – Huça [Zaun]? – Scheidewand. Haçaba [Krug]? – Der Wasser aus dem Flusse schöpft. – Kuza [Krüglein]? – Unbedeutendes. – Šoṭitha [Myrtenzweig ]? – Narrheit – Mešikhla [Becken]? – Wäscht alles. – Mešikhlata [kleines Becken]? – Worin die Braut sich wäscht. – Asitha [Mörser]? – Ausgehöhltes. – Bukhna [Mörserkeule]? – Komm, ich will damit schlagen. –

11Lebuša [Kleid]? – Keine Blöße. – Gelima [Mantel]? – Worin man formlos aussieht. – Goltha [Oberkleid]? – Lege ab und setze dich. – Porja [Bett]? – Auf dem man sich fortpflanzt. – Borzinka [leere Grube]? – Diese Grube ist rein. – Sudara [Hülle]? – Der Rat des Herrn ist seinen Frommen zuteil. – Apadna [Landhaus]? – An dieser Tür wird Recht gepflegt. Die Rabbanan lehrten: Drei nehmen an Kraft zu, je älter sie werden, und zwar: der Fisch, die Schlange und das Schwein.

12ÖL, ALS MAN DAMIT EIN KLEINES GLIED SALBEN KANN. In der Schule R. Jannajs sagten sie: Öl, als man damit ein kleines Glied eines einen Tag alten Kindes salben kann. Man wandte ein: Öl, als man damit ein kleines Glied und das eines einen Tag alten Kindes salben kann. Doch wohl ein kleines Glied eines Erwachsenen oder ein großes Glied eines einen Tag alten Kindes!? – R. Jannaj kann dir erwidern: nein, er meint es wie folgt: Öl, als man damit ein kleines Glied eines einen Tag alten Kindes salben kann. –

13Es wäre anzunehmen, daß hierüber Tannaím streiten: Öl, als man damit ein kleines Glied und das eines einen Tag alten Kindes salben kann – so R. Šimo͑n b. Elea͑zar. R. Nathan sagt, als man damit ein kleines Glied salben kann. Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: R. Šimo͑n b. Elea͑zar ist der Ansicht: ein kleines Glied eines Kindes, und R. Nathan ist der Ansicht: ein kleines Glied eines Erwachsenen oder ein großes Glied eines Kindes, nicht aber ein kleines Glied eines einen Tag alten Kindes. – Nein, alle stimmen überein, daß ein kleines Glied eines einen Tag alten Kindes nicht ausreiche,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.