Schabbat — Blatt 83b
1so sind sie unrein, und wenn diese ihre herunterdrücken, so sind sie rein. Wessen Ansicht vertritt folgende Lehre: Alle Unreinen, die [andere Gegenstände] schütteln, sind dadurch nicht verunreinigend, ausgenommen ist das Schütteln des Flußbehafteten, der in der ganzen Tora nicht seinesgleichen hat. Es wäre also anzunehmen, daß sie nicht die Ansicht R. A͑qibas vertritt, denn nach R. A͑qiba gibt es ja noch den Götzen. – Du kannst auch sagen, die des R. A͑qiba, denn sie spricht vom Flußbehafteten und von dem, was ihm gleicht.
2R. Ḥama b. Gorja fragte: Sind einzelne Glieder des Götzen verunreinigend oder nicht? Wenn ihn ein Laie zusammenstellen kann, besteht keine Frage, denn er wird als zusammengestellt betrachtet, die Frage besteht nur, wenn ihn ein Laie nicht zusammenstellen kann: wird er, da ihn ein Laie nicht zusammenstellen kann, als zerschlagen betrachtet, oder aber, es fehlt ja nichts an ihm? Manche erläutern die Frage umgekehrt: Wenn ihn ein Laie nicht zusammenstellen kann, besteht gar keine Frage, denn er wird als zerschlagen betrachtet, die Frage besteht nur, wenn ein Laie ihn zusammenstellen kann: wird er, da ihn ein Laie zusammenstellen kann, als zusammengestellt betrachtet, oder aber, einstweilen ist er ja auseinandergenommen? – Dies bleibt unentschieden.
3R. Aḥadboj b. Ami fragte: Wie verhält es sich mit einem Götzen kleiner als eine Olive? R. Joseph sprach: In welcher Hinsicht: wollte man sagen, hinsichtlich des Verbotes [der Nutznießung], so ist ja ein solcher nicht geringer als die Fliege, der Schutzgott von E͑qron. Es wird nämlich gelehrt: Und sie nahmen sich den Bundesbaa͑l zum Gotte, das ist die Fliege, der Schutzgott von E͑qron. Dies lehrt, daß ein jeder sich das Abbild seiner Gottheit fertigte und sie in die Tasche tat, und sobald er ihrer erwähnte, nahm er sie aus der Tasche und liebkoste und küßte sie. – Vielmehr, hinsichtlich der Unreinheit. Wie ist es nun: ist der Götze, da er mit dem Kriechtiere verglichen wird, das in Linsengröße [verunreinigend ist], ebenfalls in Linsengröße [verunreinigend], oder ist der Götze, da er mit einem Leichnam verglichen wird, der in Olivengröße [verunreinigend] ist, ebenfalls in Olivengröße [verunreinigend]?
4R. Avja, manche sagen, Rabba b. U͑la, erwiderte: Komm und höre: Es wird gelehrt: Einem Götzen kleiner als eine Olive haftet überhaupt keine Unreinheit an, denn es heißt: und er warf den Staub auf die Gräber der gemeinen Leute; wie ein Leichnam nur in Olivengröße verunreinigend ist, ebenso ist der Götze nur in Olivengröße verunreinigend. –
5Zwecks welcher Halakha wird er nach den Rabbanan mit einem Kriechtiere verglichen? – Daß er nicht durch Tragen verunreinigend ist. – Mit einer Menstruierenden? – Daß er nicht in einzelnen Gliedern verunreinigend ist. – Mit einem Leichnam? – Daß er nicht in Linsengröße verunreinigend ist. – Vielleicht aber erschwerend: der Allbarmherzige hat ihn mit einem Kriechtiere verglichen, daß er in Linsengröße verunreinigend ist; mit einer Menstruierenden, daß er durch eine Steinplatte verunreinigend ist; mit einem Leichnam (hat ihn der Allbarmherzige verglichen), daß er durch Bezeltung verunreinigend ist!? – Die Unreinheit des Götzen ist rabbanitisch, und wenn wir erleichternd und erschwerend vergleichen können, vergleichen wir erleichternd und nicht erschwerend.
6WOHER, DASS EIN SCHIFF REIN IST? ES HEISST: des Schiffes Weg inmitten des Meeres.
7GEMARA. Da sich selbstverständlich ein Schiff inmitten des Meeres befindet, so lehrt er uns vielmehr folgendes: wie das Meer nicht verunreinigungsfähig ist, so ist auch das Schiff nicht verunreinigungsfähig. Es wird gelehrt: Ḥananja sagte: Dies ist aus [dem Worte] Sackzu entnehmen: wie ein Sack voll und leer bewegt wird, ebenso alles andere, was voll und leer bewegt wird, ausgenommen ein Schiff, das nicht voll und leer bewegt wird. –
8Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen bezüglich eines Schiffes aus Lehm. Einer folgert es aus [dem Verse], des Schiffes Weg inmitten des Meeres, und dieses befindet sich ebenfalls inmitten des Meeres, und einer folgert es aus [dem Worte] Sack, denn nur Dinge, die zusammen Sack genannt werden, müssen voll und leer bewegt werden, sonst aber nicht, ein Schiff aus Lehm aber, auch wenn es nicht voll und leer bewegt wird.
9Oder auch bezüglich eines Jardenbootes. Einer folgert es aus [dem Verse:], des Schiffes Weg inmitten des Meeres, und dieses ist ebenfalls ein Schiff inmitten des Meeres, und einer sagt, wenn es voll und leer bewegt wird, und dieses wird voll und leer bewegt. R. Ḥanina b. A͑qabja sagte nämlich: Weshalb sagten sie, ein Jardenboot sei verunreinigungsfähig? Weil man es auf dem Lande verladet und nachher ins Wasser setzt. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Nie versäume man das Lehrhaus, auch nicht eine Stunde, denn viele Jahre wurde diese Mišna im Lehrhause gelehrt, doch wurde sie nicht eher erklärt, als bis R. Ḥanina b. A͑qabja kam und sie erklärte.
10R. Jonathan sagte: Nie versäume man das Lehrhaus und Worte der Tora, auch nicht in der Stunde des Todes, denn es heißt: das ist das Gesetz [Tora], wenn ein Mensch im Zelte stirbt; selbst in der Stunde des Sterbens befasse dich mit der Tora. Reš Laqiš sagte: Die Worte der Tora bleiben nur dem erhalten, der sich für sie töten läßt, denn es heißt: das ist das Gesetz [Tora], wenn ein Mensch im Zelte stirbt. Raba sagte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.