Schevuot — Blatt 9b
1wir verglichen ja den des Neumonds mit dem des Versöhnungstages, ohne daß etwas dagegen eingewandt worden ist, [so ist zu entgegnen:] bei jenem befindet sich ja die [Art der] Sühneausdrücklich in der Schrift, und nur die nähere Erklärung wird gefolgert, während man hierbei erwidern kann: das Ganze sei nicht aus einer Folgerung zu entnehmen!? –
2Vielmehr, wie R. Ḥama b. Ḥanina erklärt hat, [man folgere aus] undein Bock, ebenso [folgere man auch hierbei aus] und ein Bock, und man vergleiche die Böcke der Feste mit den Böcken des Neumonds; wie die Böcke des Neumonds nur Fälle sühnen, wenn weder vorher noch nachher Bewußtsein vorhanden war, ebenso sühnen auch die Böcke der Feste nur Fälle, wenn weder vorher noch nachher Bewußtsein vorhanden war.
3Sie fragten: Beziehen sich die Worte R. Jehudas, ‘war Bewußtsein weder vorher noch nachher vorhanden’, nur auf eine Sünde, von der man später kein Bewußtsein erhalten kann, eine Sünde aber, von der man später Bewußtsein erhaltenkann, gilt als Fall, wo nachher Bewußtsein vorhanden ist, und wird somit durch den außerhalb hergerichteten Bock und den Versöhnungstag gesühnt, oder gilt dies auch von einer Sünde, von der man später Bewußtsein erhalten kann, denn gegenwärtig ist sie ja eine Sünde, die nur ‘der Herr allein kennt’? –
4Komm und höre, es wird gelehrt: Fälle, wobei weder vorher noch nachher Bewußtsein vorhanden war, und Sünden, von denen man später Bewußtsein erhalten kann, sühnen die Böcke der Feste und die der Neumonde – so R. Jehuda.
5R. ŠIMO͑N SAGTE, DIE BÖCKE DER FESTTAGE SCHAFFEN IHM SÜHNE, NICHT ABER DIE DER NEUMONDE &C.
6R. Elea͑zar sagte im Namen R. Oša͑jas: Was ist der Grund R. Šimo͑ns? Die Schrift sagt:dieses hat er euch verliehen, um die Verfehlung der Gemeinde hinwegzuschaffen; dieser Schriftvers spricht vom Bocke des Neumonds, und er folgert durch [das Wort] Verfehlung, das auch beim Stirnblatt gebraucht wird; hier heißt es Fehlung und bei diesem heißt es ebenfalls Verfehlung, wie es sich nun bei diesem um die Unreinheit des Opferfleischeshandelt, ebenso handelt es sich auch hier um die Unreinheit des Opferfleisches. –
7Demnach: wie dieser nur für das dargebrachte Opfer von Wirkung ist, ebenso auch hierbei, nur für das dargebrachteOpfer!? – Es heißt: Verfehlung der Gemeinde. –
8Merke, sie werden ja mit einander verglichen, sollte nun der des Neumonds für sich selbst und für das Stirnblatt Sühne schaffen; dies ist von Bedeutung in dem Falle, wenn das Stirnblatt zerbrochen ist!? – Die Schrift sagt: die Verfehlung, er sühnt nur eine Verfehlung, nicht aber zwei Verfehlungen. –
9Sollte aber das Stirnblatt für sich selbst und für [den Bock] des Neumonds Sühne schaffen; dies ist von Bedeutung in dem Falle, wenn eine Verunreinigung zwischen dem einen und dem anderen eingetreten ist!? – Die Schrift sagt: dieses, dieses schafft die Verfehlung fort, nicht aber etwas anderes.
10R. Aši erklärte: Hier heißt es: die Verfehlung der Gemeinde, der Gemeinde und nicht der heiligen Opfer, und dort heißt es es:die Verfehlungen inbetreff der heiligen Opfer, der heiligen Opfer und nicht der Gemeinde. –
11Wir wissen also, daß die Böcke des Neumonds den Fall sühnen, wenn ein Reiner Unreines gegessen hat, woher aber, daß die Böcke der Feste den Fall sühnen, wenn weder vorher noch nachher Bewußtsein vorhanden war? –
12Wie R. Ḥama b. Ḥanina erklärt hat, es sei aus undein Bock zu folgern, ebenso folgere man auch dies aus und ein Bock,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.