Sevachim — Blatt 99a
1GEMARA. Woher dies? – Reš Laqiš erwiderte: Die Schrift sagt: der Priester, der die Entsündigung vollzieht, soll es essen; ein Priester, der die Entsündigung vollzieht, darf davon essen, und der die Entsündigung nicht vollzieht, darf davon nicht essen.
2Da nun nicht die ganze Priesterwache die Entsündigung vollzieht und davon ißt, so ist dies vielmehr zu verstehen: wer zur Entsündigung geeignet ist.
3Aber ein Minderjähriger ist ja zur Entsündigung nicht geeignet und ißt davon!? Vielmehr ist unter essen die Beteiligung zu verstehen: wer zur Entsündigung geeignet ist, erhält einen Anteil, und wer zur Entsündigung nicht geeignet ist, erhält keinen Anteil. –
4Ein Fehlerbehafteter ist ja zur Entsündigung nicht geeignet, dennoch erhält er einen Anteil!? – Den Fehlerbehafteten hat der Allbarmherzige einbegriffen:jeder Mann unter den Priestern, dies schließt einen Fehlerbehafteten ein. –
5Vielleicht schließen [die Worte] jeder Mann den am selben Tage Untergetauchten ein!? – Es ist einleuchtend, daß der Fehlerbehaftete einzuschließen ist, denn er darf davon essen. –
6Im Gegenteil, der am selben Tage Untergetauchte sollte ja eingeschlossen werden, denn abends ist er ja geeignet!? – Vorläufig aber ist er nicht geeignet.
7R. Joseph erklärte: Sollte doch der Allbarmherzige, da unter essen die Beteiligung zu verstehen ist, ‘beteiligt sein’ geschrieben haben, wenn es aber dennoch essen heißt, so ist zu entnehmen, daß, wer zum Essen geeignet ist, einen Anteil erhält, und wer zum Essen nicht geeignet ist, keinen Anteil erhält.
8Reš Laqiš fragte: Erhält ein Fehlerbehafteter, der unrein ist, einen Anteil: ist es, da der Allbarmherzige ihn, obgleich er ungeeignet ist, einbegriffen hat, einerlei ob er auch unrein oder nur fehlerbehaftet ist, oder erhält nur der zum Essen Geeignete einen Anteil, nicht aber der zum Essen Ungeeignete?
9Raba erwiderte: Komm und höre: Der Hochpriester darf als Trauernder [Opfer] darbringen, nicht aber davon essen, auch erhält er keinen Anteil, um abends davon zu essen. Schließe hieraus, daß die Eignung zum Essen erforderlich ist. Schließe hieraus.
10R. Oša͑ja fragte: Erhält ein Unreiner einen Anteil von Gemeindeopfern: sagen wir, der Allbarmherzige spricht vom Entsündigenden, und auch dieser darf entsündigen, oder aber erhält nur der zum Essen Geeignete einen Anteil, nicht aber der zum Essen Ungeeignete?
11Rabina erwiderte: Komm und höre: Der Hochpriester darf als Trauernder [Opfer] darbringen, nicht aber davon essen, auch erhält er keinen Anteil, um abends davon zu essen. Schließe hieraus, daß die Eignung zum Essen erforderlich ist. Schließe hieraus.
12DER TRAUERNDE DARF [HEILIGES] ZWAR BERÜHREN, JEDOCH NICHT DARBRINGEN &C. Darf der Trauernde es denn berühren, ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Der Trauernde und der, dem die Sühne noch fehlt, benötigen für das Heiligedes Untertauchens!?
13R. Ami erwiderte im Namen R. Joḥanans: Das ist kein Einwand; eines, wenn er untergetauchtist, und eines, wenn er nicht untergetaucht ist. –
14Was ist denn dabei, daß er untergetaucht ist, die Trauer kehrt ja zu ihmzurück, denn Rabba b. R. Hona sagte, wenn ein Trauernder untergetaucht ist, kehre die Trauer zu ihm zurück!? –
15Das ist kein Einwand; eines, wenn er seine Gedanken abgewandthat, und eines, wenn er seine Gedanken nicht abgewandt hat. –
16Bei Abwendung der Gedanken ist ja [die Besprengung] am dritten und am siebentenerforderlich, denn R. Justaj b. Mathon sagte im Namen R. Joḥanans, bei Abwendung der Gedanken sei [die Besprengung] am dritten und am siebenten erforderlich!? –
17Das ist kein Einwand; eines, wenn er seine Gedanken inbezug auf die Verunreinigung durch eine Leiche abgewandt hat, und eines, wenn er seine Gedanken inbezug auf die Verunreinigung durch ein Kriechtierabgewandt hat. –
18Die Verunreinigung durch ein Kriechtier ist ja eine richtige Unreinheit, und es ist ja Abwarten des Sonnenuntergangeserforderlich!? Und ferner sollte dies doch auch von der Hebegelten!?
19R. Jirmeja erwiderte: Wenn er sagt, er habe sichin acht genommen vor verunreinigenden Dingen, nicht aber vor untauglich machendenDingen. –
20Gibt es denn eine Inachtnahme zur Hälfte!? – Freilich, es wird auch gelehrt: Wenn der Korb sich auf seinem Kopfe
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.