Taanit — Blatt 22b

1er aber sandte Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Was habe ich mit dir zu schaffen, König von Jehuda? Nicht gegen dich komme ich, sondern gegen das Haus meines Kampfes, und Gott befahl mir zu eilen. Vergreife dich nicht an Gott, der mit mir ist, damit er dich nicht verderbe. –

2Welcher Gott war es, der mit ihm war? R. Jehuda erwiderte im Namen Rabhs: Es war sein Götze. Darauf sprach jener: Da er auf einen Götzen vertraut, werde ich ihn besiegen.

3Und die Schützen schossen auf den König Jošijahu. Da sprach [der König] zu seinen Dienern: Bringet mich weg, denn ich bin schwer verwundet. – Was bedeuten [die Worte] denn ich bin verwundet? R. Jehuda erwiderte im Namen Rabhs: Sie durchlöchertenseinen Körper wie ein Sieb.

4R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Jošijahu wurde deshalb bestraft, weil er sich mit Jirmejahu beraten sollte, sich aber [mit ihm] nicht beriet. – Worauf stützte er sich? – [Es heißt:] und kein Schwert soll durch euer Land ziehen.

5Welches Schwert: wollte man sagen, ein feindliches, so heißt es ja bereits: ich will Frieden im Lande geben; wahrscheinlich doch auch ein friedliches. Er wußte aber nicht, daß sein Zeitalter nicht gut [angeschrieben] war.

6Als seine Seele zur Ruhe einkehrte, bemerkte Jirmejahu, wie seine Lippen sich bewegten, und dachte, er spreche in seinem Schmerze vielleicht – behüte und bewahre – etwas Ungehöriges; da bückte er sich zu ihm und hörte, wie er die Strafe als gerecht anerkannte, indem er sprach: Der Herr ist gerecht, denn seinem Worte trotzte ich. Hierauf sprach er über ihn: Unser Lebensodem, der Gesalbte des Herrn.

7EINST VERFÜGTEN DIE ÄLTESTEN &C., WEIL SIE BEI IHRER HEIMKEHR ALS JERUŠALEM &C. Sie fragten: Ein Ofen voll Getreide oder ein Ofen voll Brot? –

8Komm und höre: Im Umfang eines Ofenloches. Aber immerhin ist es ja noch fraglich, ob im Umfang eines Deckels zum Ofen, oder wie eine Reihe von Broten um das Ofenloch? – Dies bleibt unentschieden.

9FERNER VERFÜGTEN SIE EIN FASTEN, WEIL DIE WÖLFE &C. ZWEI KINDER FRASSEN. U͑la erzählte im Namen des R.Šimo͑n b.Jehoçadaq: Einst verschlangen Wölfe zwei Kinder und beförderten sie wieder durch den Mastdarm, und als dies den Weisen vorgetragen wurde, erklärten sie das Fleisch als rein und die Knochen als verunreinigend.

10WEGEN FOLGENDER UNGLÜCKSFÄLLE LÄRME MAN AM ŠABBATH &C. Die Rabbanan lehrten: Wenn eine Stadt von Nichtjuden umzingelt oder von einem Flusse [bedroht] wird, oder wenn ein Schiff auf dem Meere umhergetrieben wird, oder wenn jemand von Nichtjuden, von Räubern oder einem bösen Geiste verfolgt wird, so darf wegen all dieser Fälle ein Einzelner sich durch Fasten kasteien.

11R. Jose sagt, ein Einzelner dürfe sich durch Fasten nicht kasteien, weil er dadurch dazu kommen könnte, daß er der Mitmenschen bedürftig wird und sie sich seiner nicht erbarmen. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Was ist der Grund R.Joses? Es heißt: und der Mensch ward zu einer lebenden Seele: laß die Seele leben, die ich dir gegeben habe.

12ŠIMO͑N DER TEMANITE SAGT, AUCH WEGEN DER PEST. Sie fragten: Haben die Weisen ihm nur hinsichtlich des Šabbaths nicht beigepflichtet, wohl aber hinsichtlich des Wochentages, oder haben sie ihm überhaupt nicht beigepflichtet? –

13Komm und höre: Es wird gelehrt: Man lärme am Šabbath wegen der Pest, und selbstverständlich am Wochentage. R. Ḥanan b. Piṭom, ein Schüler R. A͑qibas, sagte im Namen R. A͑qibas, man lärme wegen der Pest überhaupt nicht.

14WEGEN JEDER PLAGE – VON DER DIE GEMEINDE VERSCHONT BLEIBEN MÖGE – &C. Die Rabbanan lehrten: Wegen jeder Plage – von der die Gemeinde verschont bleiben möge – lärme man, ausgenommen der übermäßige Regen. – Aus welchem Grunde? R. Joḥanan erwiderte: Weil man nicht wegen der übermäßigen Güte betet.

15Ferner sagte R. Joḥanan: Woher, daß man nicht wegen der übermäßigen Güte betet? Es heißt: bringet den Zehnten ganz in das Schatzhaus &c. – Was heißt bis zum Übermaße? Rami b.R. Juda erwiderte: Bis eure Lippen müde werden, ‘genug!’ zu sagen.

16Rami b.R. Juda sagte: In der Diaspora lärme man dieserhalb wohl. Ebenso wird gelehrt: In einem Jahre, in dem es zu stark regnet, läßt die Priesterwache den Männern des Beistandes sagen: Richtet euer Augenmerk auf eure Brüder in der Diaspora, daß nicht ihre Häuser zu ihren Gräbern werden.

17Man fragte R. Elie͑zer: Wie stark muß es geregnet haben, um für das Aufhören zu beten? Dieser erwiderte: Wenn man auf Qeren Ophel stehend die Hände im Wasser schwenken kann. – Es wird ja gelehrt: die Füße!? – Zu verstehen ist, die Hände wie die Füße.

18Raba b.Bar Ḥana erzählte: Ich stand einst auf Qeren Ophel, und als ich von da aus einen Araber sah, der auf einem Esel ritt und einen Speer in der Hand hielt, erschien er mir wie eine Nisse.

19Die Rabbanan lehrten: Ich will euch Regen zur geeigneten Zeit senden; [die Erde] soll weder zu feucht noch zu trocken sein, sondern die Mitte haltend. Wenn der Regen nämlich zu stark ist, so verschlammt er den Boden, und er bringt keine Früchte hervor. Eine andere Erklärung:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.