Taanit — Blatt 25b
1ihren Stamm nicht wechselt, ebenso wechsle – behüte und bewahre – auch der Fromme seinen Stamm nicht; daher heißt es auch Zeder. Und hieße es nur Zeder und nicht Palme, so könnte man sagen, wie die Zeder keine Früchte hervorbringt, ebenso bringe – behüte und bewahre – auch der Fromme keine Früchte hervor; daher heißt es Palme und heißt es Zeder. –
2Aber wechselt denn die Zeder ihren Stamm, es wird ja gelehrt: Wenn jemand von seinem Nächsten einen Baum zum Fällen gekauft hat, so lasse er eine Handbreite über dem Erdboden zurück und fälle ihn; von einem Sykomorenstamme lasse man zwei Handbreiten und von einer jungfräulichen Sykomore lasse man drei Handbreiten; Röhricht und Weinstöcke vom Knoten ab; Dattelpalmen und Zedern darf er ausgraben und entwurzeln, weil diese ihren Stamm nicht wechseln!? –
3Hier handelt es sich um andere Arten von Zedern. Dies nach Rabba b. R. Hona, denn Rabba b.R. Hona sagte: Es gibt zehn Arten von Zedern, denn es heißt: ich will die Wüste besetzen mit Zedern, Akazien, Myrten &c.
4Die Rabbanan lehrten: Einst verfügte R. Elie͑zer dreizehn Gemeindefasten, aber es kam kein Regen. Zuletzt begann die Gemeinde [das Bethaus] zu verlassen, da sprach er: Habt ihr euch schon Gräber besorgt!? Darauf brach die ganze Gemeinde in Weinen aus, und Regen fiel nieder.
5Ferner ereignete es sich einst, daß R. Elie͑zer vor die Lade trat und die vierundzwanzig Segenssprüche sprach; er wurde aber nicht erhört. Alsdann trat R. A͑qiba vor [die Lade] und sprach: Unser Vater und König, wir haben keinen König außer dir! Unser Vater, unser König, deinetwegen erbarme dich unser! Da fiel Regen nieder. Als die Rabbanan dieserhalb über jenen Nachrede führten, ertönte eine Hallstimme und sprach: Nicht etwa, daß dieser bedeutender wäre als jener, sondern, weil dieser nachsichtig ist, jener aber nicht.
6Die Rabbanan lehrten: Wie viel muß es geregnet haben, daß die Gemeinde das Fasten einstelle? Soweit die Pflugschar eindringt – so R. Meír. Die Weisen sagen, eine Handbreite in einen trockenen [Boden], zwei in einen gewöhnlichen, drei in einen bearbeiteten.
7Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: Du hast keine von oben aus [befeuchtete] Handbreite, der nicht drei vom Untergrunde aus [befeuchtete] Handbreiten entgegenkämen. – Es wird ja aber gelehrt: zwei Handbreiten!? – Das ist kein Widerspruch; eines gilt von einem bearbeiteten [Boden] und eines von einem nicht bearbeiteten.
8R. Elea͑zar sagte: Wenn man am Hüttenfeste das Wasser gießt, ruft eine Flut der anderen zu: Laß dein Wasser sprudeln, ich höre das Geräusch zweier Freunde. So heißt es: eine Flut ruft der anderen beim Rauschen deiner Wasserfälle zu &c.
9Rabba erzählte: Ich sah den Ridja, der einem Drittlingskalbe gleicht, und dessen Lippen stehen vorn auseinander ab. Er steht zwischen den unteren und dem oberen Gewässer; zum oberen Gewässer spricht er: ergieße dein Wasser, und zum unteren Wasser spricht er: laß dein Wasser hervorquellen. So heißt es:die Blumen zeigten sich im Lande &c. .
10WENN WÄHREND DES FASTENS VOR SONNENAUFGANG REGEN FÄLLT &C. Die Rabbanan lehrten: Wenn während des Fastens vor Sonnenaufgang Regen fällt, so beende man [das Fasten] nicht, wenn nach Sonnenaufgang, so beende man es – so R. Meír. R. Jehuda sagt, wenn vor Mittag, so beende man es nicht, wenn nach Mittag, so beende man es.
11R. Jose sagt, wenn vor der neunten Stunde, so beende man es nicht, wenn nach der neunten Stunde, so beende man es. So finden wir es auch bei Aḥab, dem Könige von Jisraél, daß er erst von der neunten Stunde ab fastete, denn es heißt: hast du gemerkt, daß sich Aḥáb gedemütigt hat&c.
12Einst verfügte R. Jehuda der Fürst ein Fasten, und nach Sonnenaufgang kam Regen. Er glaubte, [das Fasten] beenden zu lassen, da sprach R. Ami zu ihm: Wir haben gelernt [zu unterscheiden], ob vor Mittag oder nach Mittag. Einst verfügte Šemuél der Kleine ein Fasten, und vor Sonnenaufgang kam Regen. Als nun das Volk dies zum Lobe der Gemeinde deuten wollte,
13sprach er: Ich will euch ein Gleichnis sagen, womit dies zu vergleichen ist: als wenn ein Diener seinen Herrn um seinen Lohn bittet, und dieser zu ihnen spricht: Gebt ihm, nur daß ich seine Stimme nicht höre.
14Ein anderes Mal verfügte Šemuél der Kleine ein Fasten, und erst nach Sonnenuntergang kam Regen. Als nun das Volk dies zum Lobe der Gemeinde deuten wollte, sprach Šemuél zu ihnen: Dies gereicht nicht zum Lobe der Gemeinde; ich will euch ein Gleichnis sagen, womit dies zu vergleichen ist: als wenn ein Diener seinen Herrn um Lohn bittet, und dieser zu ihnen spricht: Wartet damit, bis er sich abhärmt und grämt, dann erst gebt ihm. –
15In welchem Falle kann es nach Šemuél dem Kleinen zum Lobe der Gemeinde gedeutet werden? – Wenn er sagt: ‘Er läßt den Wind wehen’, und ein Wind sich erhebt, und wenn er sagt: ‘Er läßt den Regen fallen’, und Regen kommt.
16EINST VERFÜGTEN SIE IN LUD EIN FASTEN &C. Sollten sie doch das Loblied vorher gelesen haben!? Abajje und Raba erklärten beide: Weil man das Loblied
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.