Wer überbringet das Gesuch
1Wer überbringet das Gesuch
Den Freunden des Sultanes?
Vom Bettler wende nicht den Blick
Für deine Herrschaft dankbar.
2Ich flucht' vom Nebenbuhler, der
Des Teufels ist, ich flüchte
Zu meinem Gott, vielleicht daß Er
Durchs Feuer ihn verzehret.
3Du steckst die ganze Welt in Brand,
Wenn deine Wangen leuchten,
Sag' an, was hast du denn davon,
Daß du nicht milder herrschest?
4Geliebte, was für Formen sind
Dem Liebenden erschienen!
Welch ein Gesicht dem Monde gleich
Und Wuchs, gleich der Zypresse!
5Ich hoffe ganze Nächte lang,
Daß mit dem Hauch des Morgens
Mir eine Kunde kommen wird
Von meinen trauten Freunden.
6Wenn deine schwarzen Wimpern dir
Zum Blutvergießen winken,
So denke, daß sie Schelme sind,
Laß dich ja nicht verführen.
7Es blutet längst mein armes Herz
Durch deine Zauberaugen.
O meine Teure blicke her,
Wie du mich hast ermordet!
8Hafis! wenn jetzt im Trennungsstand
Dein Herz sich schon verblutet,
Was harret sein, wenn einst Genuß
Dasselbe soll beglücken.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.