Aus Sura 27 Die Ameisen
1Als wie da Mose sprach zu seinen Leuten:
Ich sehe dort ein Feuer,
Von ihm will ich euch bringen eine Nachricht,
Oder euch bringen einen Brand,
Daß ihr euch wärmen möget.
Anmerkung Rückerts: Vers 7 Vgl. 28,30
2Doch als er nun dahin kam, hört' er rufen:
Heilig ist der im Feuer ist und rings um es,
Lobpreis sei Gott, dem Herrn der Welten!
3O Mose, ich bin Gott der Mächtige der Weise.
4Wirf deinen Stab! –
Als er nun sah den Stab sich regen,
Alsob er sei ein Geist,
Wandt' er zur Flucht den Rücken
Und kehrte sich nicht um. – O Mose, fürchte
Dich nicht! Es fürchten sich bei mir nicht die Gesandten.
5Nun steck' auch deine Hand in deinen Busen!
Hervorgehn soll sie weiß, ohn' Übel.
Dis unter den neun Zeichen
An Farao und sein Volk, denn ja
Sie sind ein Volk abtrünnig. –
6Und als nun ihnen kamen unsre Zeichen augensichtlich,
Sprachen sie: Das ist offenbarer Zauber.
7Und leugneten die Zeichen,
Die doch erkannten ihre Seelen,
Aus Trotz und Hochmuth. – Aber siehe,
Wie war das Ende nun der Frevler! –
8Wir aber gaben David' einst
Und Salomone Weisheit, und sie sprachen:
Gelobt sei Gott, der uns aus Gnaden
Hat vorgezogen vielen
Seiner Knechte, der Gläubigen.
9Und Salomo beerbte David,
Und sprach: O all ihr Menschen!
Ich ward gelehrt der Vögel Sprache,
Und alles hab' ich überkommen;
Ja, das ist Gottes offenbare Gnade.
10Da ward geschaart zu Salomo
Sein Heer vom Stamm der Dschinnen,
Der Menschen und der Vögel,
Aufziehend in geschiednem Trupp;
11Bis, da sie nun gekommen waren
Zum Thale der Ameisen,
Sprach eine Ameis: O all ihr Ameisen, geht
Hinein in eure Wohnungen,
Damit euch nicht zertrete
Salomo und sein Heer, ohn' es zu merken!
12Da lächelt' er und lacht' ob ihrer Rede,
Und sprach: O Herr, gib Antrieb mir
Zu danken deine Huld, die du
Gabst huldreich über mich und meine Väter,
Zu thun das Gute das du liebest,
Und bringe mich in deiner
Barmherzigkeit zu deinen frommen Knechten!
13Da mustert' er die Vogelschaar,
Und sprach: Wie ist mir? nicht seh' ich den Hudhud.
Oder wär' er wol abwesend?
Anmerkung Rückerts: Vers 20 Hudhud Widhopf.
14Nun strafen will ich ihn mit schwerer Strafe,
Oder ihn schlachten, oder
Er komme mir mit einem klaren Ausweis.
15Doch jener blieb nicht lange fern,
Und sprach: Ich hab' erkundet, was
Du nicht erkundet hast, von Saba
Bring' ich dir sichre Nachricht.
16Ich fand daselbst ein Weib als ihre Königin,
Und sie hat überkommen alles,
Und einen großen Thron hat sie.
17Ich fand sie und ihr Volk anbeten
Die Sonne außer Gott, und schön läßt scheinen
Der Satan ihnen ihre Werke,
Daß er sie wegstieß von dem Weg,
Und sie nicht richtig gehn.
18Der König sprach: Wir wollen sehn,
Ob du die Wahrheit redest oder logest.
19Geh hier mit meinem Brief, den wirf dort ihnen zu,
Dann wende dich von ihnen,
Und warte was sie erwidern. –
20Sie sprach: O mein Gefolge! mir
Ist zugeworfen ein werther Brief,
21Er ist von Salomo, und ist
Im Namen Gottes des allbarmherzigen Erbarmers:
22Wollt ihr nicht ziehn hinauf zu mir,
Und kommen als Ergebne?
23Sie sprach: O mein Gefolge!
Nun rathet mir in meinem Ding!
Denn ich beschließe nie ein Ding, bis ihr mir bei seid.
24Sie sprachen: Wir sind Leute
Von Kraft und Leute von starker Macht;
Doch das Gebot steht dir zu,
So sieh nun zu, was du gebietest.
25Sie sprach: Fürwahr die Könige,
Wenn sie kommen in eine Stadt,
Verwüsten sie dieselbe,
Und ihre Edlen erniedern sie,
So pflegen sie zu thun.
26Drum will ich schicken Abgesandte
An jene mit Geschenken,
Und warten was zurück die Boten bringen.
27Als er nun kam zu Salomo,
Sprach dieser: Wollt ihr mich bereichern
Mit Gute? doch was Gott mir gab
Ist besser als was euch er gab;
Doch ihr habt Freud' an eueren Geschenken.
28Kehr um zu ihnen, doch wir wollen ihnen kommen
Mit einem Heer, dem sie nicht sind gewachsen,
Und wollen sie von dort vertreiben schmählich,
Klein sollen sie erscheinen.
29Er sprach: O mein Gefolge!
Wer von euch holt mir ihren Thron,
Eh sie mir kommen als Ergebne?
30Da sprach ein Ifrit von den Dschinnen:
Ich hol' ihn dir, eh du aufstehst von deinem Sitze;
Ich bin dazu stark und bewährt.
31Doch einer spricht, der Wissen hat vom Buche:
Er sprach: Ich hol' ihn dir,
Eh zu dir kehrt zurück dein Blick. –
Und als er ihn nun vor sich stehn sah, sprach er: Dis
Ist von der Gnade meines Herrn,
Daß er mich prüf', ob ich sei dankbar, ob undankbar.
Wer aber dankbar ist, ist es nur seiner Seele;
Und wer undankbar, nun mein Herr
Ist unbedürftig großmuthsvoll.
32Er sprach: Macht ihr unkenntlich ihren Thron!
Wir wollen sehen, ob sie ist erleuchtet,
Ob von den Unerleuchteten.
33Als sie nun kam, ward ihr gesagt:
Ist so wie der dein Thron? Sie sprach:
Es ist als sei ers selber.
Wir überkamen schon vordem das Wissen,
Und wurden Gottergebne. –
34Dann irrten aber jene sie,
Die sie anbetet' außer Gott,
Dieweil sie war aus einem Volk Ungläubiger.
35Ihr ward gesagt: Tritt in den Saal ein!
Sie sah ihn und hielt ihn für tiefes Wasser,
Und zog das Kleid hinauf von ihren Schenkeln.
Er sprach: Es ist ein Saal, geglättet von Kristallen.
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37Sie sprach: O Herr, ich habe mich versündigt;
Doch nun ergeb' ich mich mit den Ergebnen
An Gott den Herrn der Welten.
38Und wann auf sie nun fällt das Wort der Strafe,
Dann lassen wir hervorgehn ihnen
Ein Thier dort aus der Erde,
Das wird zu ihnen sprechen, daß
Die Menschen nicht an unsre Zeichen glaubten.
39Tags wo geblasen wird in die Drommete,
Wird zittern wer im Himmel und wer auf Erden,
Außer, wen Gott ausnehmen will,
Und alle kommen zu ihm unterwürfig.
40Und sehn wirst du die Berge, die du hältst für fest,
Die gehn nach Gang der Wolken,
Werkstellung Gottes, der gefügt hat jedes Ding,
Und Er ist kundig eures Thuns.
41Wer Gutes bringt, dem wird dafür ein Beßres,
Und solche sind vorm Zittern
Desselben Tags behut.
42Wer aber Böses bringt, derselben
Gesichter sind gestürzt ins Feuer:
Wird euch vergolten andres als ihr thatet?
43Mir ist geheißen dis nur: anzubeten
Den Herren dieser Flur,
Die er geweihet hat, und sein ist alles;
Und mir geheißen ist, zu seyn von den Ergebnen;
44Und vorzutragen auch der Koran.
Nun wer sich leiten läßt, der ist
Geleitet seiner eignen Seele;
Wer aber irre geht, du sprich:
Ich bin nur einer von den Mahnern.
45Und sprich: Gelobt sei Gott! er wird
Euch sehen lassen seine Zeichen,
Ihr werdet sie erkennen. Und der Herr ist nicht
Unachtsam dessen was ihr thut.
Text: Friedrich Rückert († 1866), Koran-Übertragung, gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE. Hinweis: Auswahl, keine Vollübersetzung — der vollständige Text steht unter Der Koran.