Kapitel 1
1Moses hat die Tora auf dem Sinai empfangen und sie dem Josua überliefert, und Josua den Ältesten, und die Ältesten den Propheten, und die Propheten haben sie den Männern der großen Versammlung überliefert. Diese sprachen drei Dinge aus: Seid vorsichtig beim Richtspruche, stellet viele Schüler aus, und machet einen Zaun um die Tora.
2Simon der Gerechte gehörte zu dem Reste der großen Versammlung. Er Tat den Ausspruch: Auf drei Dingen steht die Welt: auf der Tora, auf dem Gottesdienst und auf der Liebeserweisung.
3Antigonos aus Socho empfing [die Tora] von Simon dem Gerechten. Er Tat den Ausspruch: Seid nicht wie Knechte, die dem Herrn dienen in der Absicht, Lohn zu empfangen, sondern seid wie Knechte, die dem Herrn dienen ohne die Absicht, Lohn zu empfangen, und es sei Gottesfurcht über euch.
4Jose, Sohn Joësers, aus Zereda und Jose, Sohn Jochanans, aus Jerusalem empfingen von ihnen. für Weise, bestäube Dich mit dem Staube ihrer Füße, und trinke mit Durst ihre Worte.
5Jose, Sohn Jochanan’s, aus Jerusalem spricht: Es sei Dein Haus weithin geöffnet, es seien Arme die Kinder Deines Hauses, und sprich nicht viel mit dem Weibe. (Vom eigenen Weibe sagte man dies, um wieviel mehr gilt dies vom Weibe eines Andern. Daher sagten die Weisen: Jeder, der viel mit dem Weibe spricht, zieht sich Unheil zu, vernachlässigt die Worte der Tora, und ererbt am Ende die Hölle.
6Josua, Sohn Perachjas, und Nittai aus Arbel empfingen von ihnen. Josua, Sohn Perachja’s spricht: Schaffe dir einen Lehrer, erwirb dir einen Genossen, und beurteile jeden Menschen nach der guten Seile.
7Nittai aus Arbel spricht: Halte dich fern von einem bösen Nachbar, geselle dich nicht zu einem Bösewicht, und gib den Gedanken an die (göttliche) Vergeltung nicht auf.
8Jehuda, Sohn Tabbai’s, und Simon, Sohn Schatach’s, empfingen von ihnen. Jehuda, Sohn Tabbai’s, spricht: Benimm dich nicht wie die Obersten der Richter; wenn die Processirenden vor dir stehen, seien sie in deinen Augen wie Schuldige, und wenn sie von dir entlassen werden, seien sie in deinen Augen wie Gerechte, sobald sie den Urteilsspruch angenommen haben.
9Simon, Sohn Schatach’s, spricht: Forsche gründlich die Zeugen aus, un d sei vorsichtig in deinen Worten, sie könnten sonst daraus lernen, wie sie lügen sollen.
10Schemaja und Abtaljon empfingen von ihnen. Schemaja spricht: Liebe die Arbeit, hasse die Herrschaft und mache dich nicht mit Machthabern bekannt.
11Abtaljon spricht: Ihr Weisen, seid vorsichtig in euren Worten; vielleicht verschuldet ihr die Strafe der Verbannung, und ihr werdet nach einem Orte schlechten Wassers verbannt; die Schüler, die euch nachziehen, trinken (davon) und sterben. Die Folge wäre, dass der Name Gottes entheiligt würde.
12Hillel und Schammai empfingen von ihnen. Hillel spricht: Sei von den Jüngern Aharons, den Frieden liebend und nach Frieden strebend, die Menschen liebend und sie hinführend zur Tora.
13Er spricht ferner: Wer seinen Namen auszubreiten strebt, verliert seinen Namen; wer nicht zunimmt (an Wissen), nimmt ab; wer nicht lernt , ist des Todes schuldig, und wer sich der Krone bedient, schwindet dahin.
14Er spricht ferner: Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich? und wenn ich für mich allein bin, was bin ich? und wenn nicht jetzt, wann denn?
15Schammai sagt: Mache dein Torastudium zum ständigen Geschäfte; sprich wenig und tue viel, und empfange jeden Menschen mit freundlichem Angesichte.
16Rabban Gamliel spricht: Schaffe dir einen Lehrer, entziehe dich dem Zweifelhaften, und verzehnte nicht oft nach Abschätzung.
17Simon, sein Sohn, spricht: All’ mein Lebtag bin ich unter Weisen aufgewachsen und habe nichts Besseres für den Menschen gefunden als Schweigen; nicht die Lehre ist die Hauptsache, sondern die Tat, und wer viel Worte macht, bringt Sünde (zu Wege).
18Rabban Simon, Sohn Gamliels, spricht: Auf drei Dingen steht die Welt, auf der Wahrheit, auf dem Rechte und auf dem Frieden, (denn es heißt (Sech. 8, 16): Wahrheit und Recht des Friedens richtet in euren Thoren).
Text: „Mischnajot mit deutscher Übersetzung und Erklärung" (Berlin 1887–1933, Traktat Avot übers. v. David Hoffmann † 1921), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.