Arachin — Blatt 11a

1die zehn Löcher hatte, und jedes brachte zehn verschiedene Töne hervor, sodaß die ganze hundert verschiedene Töne hervorbrachte. In einer Barajtha wurde gelehrt: Sie war eine Elle groß und eine Elle hoch, und aus ihr ragte ein Stiel hervor, der zehn Löcher hatte; jedes brachte hundert verschiedene Töne hervor, sodaß die ganze tausend verschiedene Töne hervorbrachte. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Als Merkzeichen diene dir: die Barajtha übertreibt.

2ES WAREN SKLAVEN VON PRIESTERN &C. Es wäre anzunehmen, daß ihr Streit in folgendem besteht: derjenige, welcher sagt, es waren Sklaven, ist der Ansicht, die Tempelmusik war vornehmlich eine vokale, und das Instrument diente nur zur Verfeinerung des Tones, und derjenige, welcher sagt, es waren Leviten, ist der Ansicht, die Tempelmusik war vornehmlich eine instrumentale. —

3Glaubst du: welcher Ansicht ist demnach R. Jose: ist er der Ansicht, die Tempelmusik war vornehmlich eine vokale, so sollte es auch durch Sklaven erfolgen können, und ist er der Ansicht, die Tempelmusik war vornehmlich eine instrumentale, so sollten doch Leviten erforderlich sein!? —

4Tatsächlich ist er der Ansicht, die Tempelmusik war vornehmlich eine vokale, und hier streiten sie, ob die Estrade die Legitimität beweise und zu den Zehnten berechtige.

5Derjenige, welcher sagt, es waren Sklaven, ist der Ansicht, die Estrade beweise nicht die Legitimität und berechtige nicht zu den Zehnten; derjenige, welcher sagt, es waren Leviten, ist der Ansicht, die Estrade beweise die Legitimität und berechtige zu den Zehnten; und derjenige, welcher sagt, es waren Jisraéliten, ist der Ansicht, die Estrade beweise die Legitimität, berechtige aber nicht zu den Zehnten.

6Die Rabbanan lehrten: Das Opfer ist vom [Tempel]gesange abhängig — so R. Meír; die Weisen sagen, es sei davon nicht abhängig.

7Was ist der Grund R. Meírs? — Die Schrift sagt: ich gebe die Leviten als Gabe dem Ahron und seinen Söhnen aus der Mitte der Kinder Jisraél &c. und die Kinder Jisraél zu sühnen; wie die Sühne unerläßlich ist, ebenso ist der [Tempel]gesang unerläßlich. —

8Und die Rabbanan!? — Dies deutet auf eine andere Lehre R. Elea͑zars, denn R. Elea͑zar sagte: Wie die Sühne am Tage [zu erfolgen hat], ebenso auch der [Tempel]gesang am Tage.

9R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Wo ist der [Tempel]gesang aus der Tora zu entnehmen? Es heißt: und wird den Amtsdienst verrichten im Namen seines Gottes; welcher Amtsdienst erfolgt beim Namen Gottes? Sage, das ist der [Tempel]gesang. —

10Vielleicht der Priestersegen!? — Wenn es heißt: ihn zu bedienen und in seinem Namen zu segnen, so ist ja demnach der Priestersegen kein Dienst.

11R. Mathna entnimmt dies aus folgendem: dafür daß du dem Herrn, deinem Gott, nicht mit Freude gedient hast und Herzenslust; welcher Dienst erfolgt mit Freude und Herzenslust? Sage, das ist der [Tempel]gesang. — Vielleicht Worte der Tora, denn es heißt: die Befehle des Herrn sind recht, herzerfreuend!? — Sie sind wohl herzerfreuend, nicht aber Herzenslust. —

12Vielleicht die Erstlinge, denn es heißt: du sollst dich mit all dem Guten freuen!? — Sie heißen Gutes, nicht aber Herzenslust.

13R. Mathna sagte: Woher, daß die Erstlinge des [Tempel]gesanges benötigen? Dies ist aus [dem Worte] Gutes zu entnehmen, das auch hier gebraucht wird. —

14Dem ist ja aber nicht so. R. Šemuél b. Naḥmani sagte ja im Namen R. Jonathans: Woher, daß man einen Lobgesang nur über den Wein spreche? Es heißt: es sprach die Rebe zu ihnen: Soll ich meinen Most lassen, der Menschen und Gott erfreut? Wenn er auch Menschen erfreut, wieso aber erfreut er Gott? Hieraus, daß man einen Lobgesang nur über den Wein spreche. —

15Dies kann nach einer Lehre R. Joses vorkommen: Du darfst die Frucht bringen, nicht aber Flüssigkeiten. Woher dies von dem Falle, wenn er Trauben gebracht hat, die er getreten hat? Es heißt: die du bringst.

16Ḥizqija entnimmt dies hieraus: Und Kenanjahu, der Obere der Leviten, unterwies im Vortrage, und man lese nicht jasor [unterwies], sondern jašir [sang].

17Balvati entnimmt dies im Namen R. Joḥanans hieraus: Die Leistung des Dienstes zu verrichten; welche Leistung benötigt des Dienstes? Sage, der [Tempel]gesang.

18R. Jiçḥaq entnimmt dies hieraus: Bringet Saitenspiel und reichet Pauken her, liebliche Zithern mit Psaltern. R. Naḥman b. Jiçḥaq entnimmt dies hieraus: Sie erheben ihre Stimme, jauchzen, ob der Herrlichkeit des Herrn jubeln sie vom Meer her.

19Ein Autor entnimmt dies hieraus: Aber den Söhnen Qehaths gab er nichts, denn der Dienst des Heiligtumes lag ihnen ob; auf den Schultern trugen sie; wenn es auf den Schultern heißt, so weiß ich ja, daß sie trugen, wozu heißt es trugen sie? Unter trugen sie ist vielmehr ein Gesang zu verstehen, wie es heißt: traget Gesang vor und reichet. Pauken her. Ferner heißt es: sie erheben ihre Stimme, jauchzen &c.

20Ḥananja, Bruderssohn des R. Jeḥošua͑, entnimmt dies hieraus: Moše redete und Gott antwortete ihm mit der Stimme,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.