Arachin — Blatt 12a

1Sie fragten: Benötigen Gußopfer, die gesondert dargebracht werden, des Tempelgesanges oder benötigen sie nicht des Tempelgesanges. Spricht man ihn wohl, da R. Šemuél b. Naḥmani im Namen R. Jonathans gesagt hat, es sei zu entnehmen, daß man den Tempelgesang über den Wein spreche, oder aber spricht man ihn nur über Speise und Trank, nicht aber über Trank allein. —

2Komm und höre: R. Jose sagte: Man führt Gutes herbei an einem guten Tage &c.

3Was war es für ein Tempelgesang: wollte man sagen, zum pflichtigen Brandopfer, so gab es ja dann keines, denn am siebzehnten Tammuz war das beständige Opfer eingestellt worden, und wollte man sagen, zum freiwilligen Brandopfer, so lehrte ja R. Mari, Sohn des R. Kahana, daß ein solches dessen nicht benötige; doch wohl zum Gußopfer!?

4Raba, nach andren R. Aši, erwiderte: Glaubst du: der Tempelgesang des Tages war ja: Dem Herrn gehört die Erde und ihre Fülle, und [der Vers:] Er vergalt ihnen ihren Frevel, gehört ja zum Tempelgesange des Mittwochs!? Vielmehr kam ihnen gerade ein Klagevers in den Mund. —

5Er lehrt ja aber: sie standen auf ihrer Estrade!? — Dies nach Reš Laqiš, denn Reš Laqiš sagte, sie sprachen den Tempelgesang ohne Opfer[dienst]. — Demnach sollte dies auch vom Gußopfer gelten!? — Man könnte zu einem Verstoße kommen.

6Der Text. R. Jose sagte: Man führt Gutes herbei an einem guten Tage &c.

7Wieso kann dies das erste Mal am Ende eines Siebentjahres erfolgt sein, es heißt ja: im fünfundzwanzigsten Jahre seit unsrer Verbannung, am Jahresanfange, am zehnten des Monats, im vierzehnten Jahre nachdem die Stadt geschlagen worden war. Das Jahr, in dem der Jahresanfang am zehnten des Monats [gefeiert wird], ist ja das Jobeljahr,

8und wenn man sagen wollte, er sei im ersten [Jahre] des Septenniums zerstört worden, so sind es ja vom ersten [Jahre] des Septenniums bis zum ersten des andren acht [Jahre], und bis zum ersten des folgenden fünfzehn!?

9Rabina erwiderte: Im vierzehnten Jahre nach dem Jahre, in dem die Stadt geschlagen worden war. —

10Wieso demnach im fünfundzwanzigsten Jahre, es war ja im sechsundzwanzigsten!? Der Meister sagte nämlich: Sie sind im siebenten verbannt worden, sie sind im achten verbannt worden,

11sie sind im achtzehnten verbannt worden, und sie sind im neunzehnten verbannt worden.

12Vom siebenten bis zum achtzehnten sind elf, und fünfzehn dazu sind sechsundzwanzig. —

13Rabina kann dir erwidern: stimmt es etwa nach deiner Ansicht? Merke, sie sind ja auch im neunzehnten verbannt worden: vom siebenten bis zum neunzehnten sind zwölf, und vierzehn dazu sind sechsundzwanzig!? Du mußt also erklären, außer dem Jahre, in dem sie verbannt worden waren, ebenso auch nach mir, außer dem Jahre, in dem sie verbannt worden waren. —

14Aber immerhin ist ja die Zahl neunzehn nach Rabina unerklärlich!? —

15Du glaubst wohl, es waren drei [weitere] Verbannungen? Sie sind verbannt worden im siebenten [Jahre] seit der Unterwerfung Jehojaqims, das ist das achte Nebukhadneçars, und sie sind verbannt worden im achtzehnten [Jahre] seit der Unterwerfung Jehojaqims, das ist das neunzehnte Nebukhadneçars.

16Der Meister sagte nämlich: Im ersten Jahre eroberte er Ninve,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.