Arachin — Blatt 16a

1Rabba b. R. Hona sagte: Was vor dreien gesagt wird, gilt nicht als Verleumdung, denn dein Freund hat einen Freund, und deines Freundes Freund hat einen Freund.

2Als R. Dimi kam, sagte er: Es heißt: wer seinen Freund am frühen Morgen mit lauter Stimme segnet, dem wird dies als Fluch angerechnet. Wer beispielsweise irgendwo als Gast eingekehrt war, wo man ihm viel Aufmerksamkeit erwiesen hat, und am folgenden Morgen auf die Straße geht und sagt: möge der Allbarmherzige jenen segnen, der sich für mich soviel bemüht hat, so kommen Leute, die es hören, und belästigen ihn.

3R. Dimi, der Bruder R. Saphras, lehrte: Nie unterhalte man sich über das Lob seines Nächsten, denn von [vielem] Loben kommt man zur Verunglimpfung.

4Manche erzählen: R. Dimi, der Bruder R. Saphras, erkrankte, und R. Saphra besuchte ihn. Da sprach er: Möge es mir zugute kommen, daß ich alles gehalten habe, was die Rabbanan gesagt haben. Da sprach jener zu ihm: Hast du auch gehalten [das Verbot], sich nie über das Lob seines Nächsten zu unterhalten, weil man von [vielem] Loben zur Verunglimpfung kommt? Dieser erwiderte: Ich habe es nicht gehört; hätte ich es gehört, so würde ich es gehalten haben.

5R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Wegen sieben Vergehen kommen Aussatzplagen: wegen der Verleumdung, wegen des Blutvergießens, wegen des falschen Schwörens, wegen der Unzucht, wegen des Hochmutes, wegen des Raubes und wegen der Mißgunst.

6Wegen der Verleumdung, denn es heißt: wer im Verborgenen seinen Nächsten verleumdet, den vernichte ich.

7Wegen des Blutvergießens, denn es heißt: und es soll nicht ausgehen im Hause Joábs Samenflüssiger und Aussätziger &c.

8Wegen des falschen Schwörens, denn es heißt: da sprach Naa͑man: möge es dir gefallen, nimm zwei Kikar, und es heißt: so hafte der Aussatz Naa͑mans an dir &c.

9Wegen der Unzucht, denn es heißt: und der Herr plagte den Pareo͑ &c. Plagen.

10Wegen des Hochmutes, denn es heißt: aber wie er stark war, erhob sich sein Herz bis zur Ausartung, und er ward untreu dem Herrn, seinem Gott. und es brach Aussatz auf seiner Stirn hervor.

11Wegen des Raubes, denn es heißt: und der Priester gebiete, daß sie das Haus ausräumen, und hierzu wird gelehrt: Er hat fremdes Geld eingeheimst, daher möge der Priester kommen und sein Geld verstreuen.

12Wegen der Mißgunst, denn es heißt: so komme der, dem das Haus gehört &c., und in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: der sein Haus für sich allein bestimmt. —

13Dem ist ja aber nicht so, R. A͑nani b. Sason sagte ja: Der Abschnitt von den Priestergewändern ist dem Abschnitte von den Opfern deshalb angereiht worden, um dir zu sagen: wie die Opfer sühnen, ebenso sühnen die Priestergewänder. Der Rock sühnt das Blutvergießen, denn es heißt: und sie tauchten den Rock in Blut. Die Beinkleider sühnen die Unzucht, denn es heißt: und mache ihnen Beinkleider aus Linnen, die Blöße des Fleisches zu bedecken.

14Der Kopfbund sühnt den Hochmut, nach R. Ḥanina, denn R. Ḥanina sagte: Es komme das, was hoch ist, und sühne den Hochmut. Der Gürtel sühnt die sündhaften Gedanken des Herzens, wo er sich befindet, denn es heißt: er sei auf dem Herzen Ahrons.

15Das Brustschild sühnt [Vergehen gegen] das Recht, denn es heißt: du sollst ein Brustschild des Rechtes machen. Der Schulterlatz sühnt den Götzendienst, denn es heißt: ohne Schulterlatz und ohne Teraphim. Das Oberkleid sühnt die Verleumdung, denn der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Möge das Tönende kommen und die Handlung des Tones sühnen.

16Das Stirnblatt sühnt die Frechheit, denn von diesem heißt es: es soll auf der Stirn Ahrons sein, und dortheißt es: du hattest die Stirn eines Hurenweibes. —

17Das ist kein Einwand; eines, wenn seine Handlung Folgen hatte, und eines, wenn seine Handlung keine Folgen hatte. Hatte seine Handlung Folgen, so kommen Aussatzplagen über ihn, hatte seine Handlung keine Folgen, so sühnt das Oberkleid. —

18R. Šimo͑n sagte ja aber im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi, für zwei Dinge sei keine Sühne durch Opfer zu finden, wohl aber sei für sie eine Sühne durch andres zu finden: das Blutvergießen und die Verleumdung. Für das Blutvergießen das genickbrochene Kalb

19und für die Verleumdung das Räucherwerk!? R. Ḥanina lehrte nämlich: Wir lernen, daß das Räucherwerk sühnt, denn es heißt: da legte er das Räucherwerk auf und sühnte das Volk. Ferner wurde in der Schule R. Jišma͑éls gelehrt: Was sühnt das Räucherwerk? Die Verleumdung. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach nämlich: es komme das Heimliche und sühne das Heimliche.

20Somit besteht ein Widerspruch hinsichtlich des Blutvergießens, und ebenso besteht ein Widerspruch hinsichtlich der Verleumdung. —

21Hinsichtlich des Blutvergießens besteht kein Widerspruch, denn eines gilt von dem Falle, wenn man weiß, wer ihn getötet hat, und eines gilt von dem Falle, wenn man nicht weiß, wer ihn getötet hat. —

22Wenn man weiß, wer ihn getötet hat, ist er ja hinzurichten!? — Wenn es vorsätzlich erfolgt ist, man ihn aber nicht gewarnt hat.

23Hinsichtlich der Verleumdung besteht ebenfalls kein Widerspruch, denn eines gilt, wenn heimlich,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.