Arachin — Blatt 15b
1denn er sagte zu ihnen, daß sie nicht hinausgehen sollten, sie aber gingen hinaus, daß sie nichts zurücklassen sollten, sie aber ließen zurück.
2Zwei wegen der Wachteln, wegen der ersteren Wachteln und wegen der letzteren Wachteln. Von den ersteren Wachteln heißt es: als wir am Fleischtopfe saßen.
3Von den letzteren Wachteln heißt es: und das Gesindel in seiner Mitte.
4Durch das Kalb, wie es da geschah. In der Wüste Paran, wie es da geschah.
5R. Joḥanan sagte im Namen des R. Jose b. Zimra: Eis heißt: was schenkt dir und was mehrt dir die trügerische Zunge. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zur Zunge: Alle Glieder des Menschen stehen, du aber liegst, alle Glieder des Menschen befinden sich außen, du aber innen; und noch mehr, ich habe dich mit zwei Mauern umgeben, einer aus Knochen und einer aus Fleisch: was schenkt dir und was mehrt dir die trügerische Zunge.
6Ferner sagte R. Joḥanan im Namen des R. Jose b. Zimra: Wenn jemand Verleumdung spricht, so ist es ebenso, als hätte er Gott verleugnet, denn es heißt: die da sprechen: mit unseren Zungen bringen wir es hoch, sind unsre Lippen mit uns, wer wird unser Herr sein.
7Ferner sagte R. Jose b. Zimra: Wer Verleumdung spricht, über den kommen Aussatzplagen, denn es heißt: wer im Verborgenen seinen Nächsten verleumdet, den vernichte ich, und dort heißt es: für ewig, was wir ‘absolut’ erklären,
8und es wird gelehrt, zwischen einem abgeschlossenen Aussätzigen und einem absoluten Aussätzigen gebe es keinen anderen Unterschied als den des ungepflegten Haares und der zerrissenen Gewänder.
9Ferner sagte Reš Laqiš: Es heißt: dies ist das Gesetz inbetreff des Aussätzigen, dies ist das Gesetz für den Verleumder.
10Ferner sagte Reš Laqiš: Es heißt: wenn die Schlange beißt ohne Geflüster, auch der Zungenfertige hat keinen Vorteil. Dereinst werden sich alle Tiere versammeln, zur Schlange kommen und zu ihr sprechen: Der Löwe packt zu und frißt, der Wolf zerfleischt und frißt, welchen Nutzen aber hast du!? Sie aber wird erwidern: Welchen Vorteil hat der Zungenfertige!?
11Ferner sagte Reš Laqiš: Wer Verleumdung spricht, steigert die Sünde bis zum Himmel, denn es heißt: sie versetzen zum Himmel ihren Mund, und ihre Zunge ergeht sich auf der Erde.
12R. Ḥisda sagte im Namen Mar U͑qabas: Wer Verleumdung spricht, verdient (mit Steinen) gesteinigt zu werden, denn von diesem heißt es: den vernichte ich, und dortheißt es: sie vernichteten in der Grube mein Leben, und warfen Steine nach mir.
13Ferner sagte R. Ḥisda im Namen Mar U͑qabas: Wenn jemand Verleumdung spricht, so spricht der Heilige, gepriesen sei er: Ich und er können nicht zusammen auf der Welt wohnen, denn es heißt: wer im Verborgenen seinen Nächsten verleumdet, den vernichte ich; der vom stolzen Blicke und hochfahrenden Sinne, den mag ich nicht, und man lese nicht: otho [den] mag ich nicht, sondern: itho [mit dem] mag ich nicht. Manche beziehen dies auf die Hochmütigen.
14Ferner sagte R. Ḥisda im Namen Mar U͑qabas: Wenn jemand Verleumdung spricht, so spricht der Heilige, gepriesen sei er, zum Fegefeuer: Ich über ihm oben und du über ihm unten, und wir wollen ihn richten. So heißt es auch: die Pfeile eines Helden, geschärft, samt den Kohlen der Ginster. Pfeil ist nichts anderes als die Zunge, wie es heißt: ein mörderischer Pfeil ist ihre Zunge, redet Trug,
15Held ist niemand anders als der Heilige, gepriesen sei er, denn es heißt: der Herr zieht wie ein Held aus, und Kohlen der Ginster ist das Fegefeuer.
16R. Ḥama b. R. Ḥanina sagte: Welches Mittel gibt es für die Verleumder? Ist er ein Schriftgelehrter, so befasse er sich mit der Gesetzeskunde, denn es heißt: Heilung der Zunge, ein Baum des Lebens. Zunge ist nichts anderes als die Verleumdung, wie es heißt: ein mörderischer Pfeil ist ihre Zunge, und Baum ist nichts anderes als die Tora, wie es heißt: sie ist ein Baum des Lebens für die, die sie halten. Und ist er ein Mann aus dem gemeinen Volke, so demütige er sich, denn es heißt: aber Falschheit darin ist ein Bruch des Geistes.
17R. Aḥa b. R. Ḥanina sagte: Hat jemand bereits Verleumdung geredet, so gibt es für ihn kein Mittel mehr, denn bereits David hat ihn im heiligen Geiste ausgerottet, wie es heißt: ausrotten wird der Herr alle glatten Lippen, die großsprecherische Zunge. Welches Mittel gibt es vielmehr, daß man zur Verleumdung nicht komme? Ist er ein Schriftgelehrter, so befasse er sich mit der Tora, und ist er ein Mann aus dem gemeinen Volke, so demütige er sich, denn es heißt: Falschheit darin ist ein Bruch des Geistes.
18In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Wer Verleumdung redet, steigert die Sünde, daß sie den drei Missetaten entspricht: Götzendienst, Unzucht und Blutvergießen. Hierbei heißt es: großsprecherische Zunge, beim Götzendienste heißt es: ach, dieses Volk hat eine große Sünde begangen,
19bei der Unzucht heißt es: wie sollte ich diese große Übeltat begehen, und beim Blutvergießen heißt es: groß ist meine Sünde, um sie zu ertragen. —
20Vielleicht sind unter groß nur zwei zu verstehen!? — Welches von ihnen sollte denn ausgeschieden werden!?
21Im Westen sagten sie: Die dreifaltige Zunge tötet drei: sie tötet den Erzähler, den Zuhörer und den Betroffenen.
22R. Ḥama b. R. Ḥanina sagte: Es heißt: Leben und Tod in der Hand der Zunge. Hat denn die Zunge eine Hand? Dies besagt dir, wie die Hand tötet, ebenso tötet die Zunge. Man könnte glauben, wie die Hand nur in der Nähe tötet, ebenso töte auch die Zunge nur in der Nähe, so heißt es: ein mörderischer Pfeil ist ihre Zunge.
23Man könnte glauben, wie ein Pfeil nur bis vierzig oder fünfzig Ellen [reicht], ebenso die Zunge nur bis vierzig oder fünfzig Ellen, so heißt es: sie versetzten zum Himmel ihren Mund, und ihre Zunge ergeht sich auf der Erde. —
24Wenn es schon heißt: sie versetzten zum Himmel ihren Mund, wozu heißt es weiter: ein mörderischer Pfeil ist ihre Zunge? — Folgendes lehrt er uns: sie tötet wie ein Pfeil. —
25Wenn es schon heißt: ein mörderischer Pfeil ist ihre Zunge, wozu heißt es weiter: Leben und Tod in der Hand der Zunge? — Wegen einer Lehre Rabas, denn Raba sagte: Wer leben will: mit der Zunge; wer sterben will: mit der Zunge. —
26Was heißt Verleumdung? Rabba erwiderte: Schon wenn jemand beispielsweise sagt: bei jenem gibt es Feuer. Abajje sprach zu ihm: Was hat er denn getan, dies ist ja nur eine Auskunft!? — Vielmehr, wenn er es in verleumderischer Weise spricht; wenn er sagt: wo anders sollte es Feuer geben, als bei jenem?
27Raba sagte: Alles, was man in Gegenwart des Betreffenden selbst sagt, gilt nicht als Verleumdung. [Abajje] sprach zu ihm: Dann ist es ja erst recht Grobheit und Verleumdung!? Dieser erwiderte: Ich halte es mit R. Jose, denn R. Jose sagte: Noch nie im Leben habe ich etwas gesagt und mich nach hinten umgesehen.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.