Arachin — Blatt 6a

1Eines lehrt, wenn ein Nichtjude eine freiwillige Gabe für den Tempelreparaturfonds spendet, nehme man es von ihm an, und ein Andres lehrt, man nehme es nicht an!?

2R. Ila erwiderte im Namen R. Joḥanans: Das ist kein Widerspruch; eines bei Beginn und eines bei Beendigung.

3R. Asi sagte nämlich im Namen R. Joḥanans: Bei Beginn nehme man von ihnen nicht einmal Wasser und Salz an, bei Beendigung aber nehme man Gekennzeichnetes nicht an, Ungekennzeichnetes nehme man an. — Was heißt Gekennzeichnetes? R. Joseph erwiderte: Beispielsweise eine Elle Rabenscheuche.

4R. Joseph wandte ein: Und einen Brief an Asaph, den Hüter des Parkes, der dem Könige gehört&c!? Abajje erwiderte ihm: Anders verhält es sich bei einem Könige, der nicht zurücktritt. Šemuél sagte nämlich: Sagt ein König, er wolle den Berg niederreißen, so reißt er den Berg nieder und tritt nicht zurück.

5R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Hat ein Nichtjude die Hebe von seinem Getreidehaufen abgesondert, so untersuche man es: hat er sie im Sinne eines Jisraéliten abgesondert, so gebe man sie einem Priester, wenn aber nicht, so benötigt sie des Versteckens, denn man berücksichtige, sein Herz war vielleicht dem Himmel zugewendet.

6Man wandte ein: Wenn ein Nichtjude einen Balken spendet und der Gottesname darauf geschrieben ist, so untersuche man es: sagt er, er habe ihn im Sinne eines Jisraéliten gespendet, so schneide man [den Gottesnamen] heraus und benutze das übrige, wenn aber nicht, so benötigt er des Versteckens, denn man berücksichtige, sein Herz war vielleicht dem Himmel zugewendet. —

7Er benötigt nur dann des Versteckens, wenn der Gottesname darauf geschrieben ist, wenn aber der Gottesname nicht darauf geschrieben ist, benötigt er nicht des Versteckens? —

8Auch wenn der Gottesname nicht darauf geschrieben ist, benötigt er des Versteckens, nur lehrt er uns folgendes: auch wenn der Gottesname darauf geschrieben ist, darf man ihn herausschneiden und das übrige benutzen, denn der Gottesname an einer ungeeigneten Stelle ist nicht heilig.

9Wir haben nämlich gelernt: Ist er auf Griffen von Geräten geschrieben oder den Füßen eines Bettes, so schneide man ihn heraus und verstecke ihn.

10R. Naḥman sagte im Namen des Rabba b. Abuha: Wenn jemand gesagt hat: dieser Sela͑ sei für Almosen, so darf er ihn anderweitig verwenden. Man könnte hieraus entnehmen, nur für sich, nicht aber für einen andren, aber es wurde gelehrt, R. Ami sagte im Namen R. Joḥanans, sowohl für sich als auch für einen andren.

11R. Zee͑ri sagte: Dies nur, wenn er ‘auf mich’ gesagt hat, wenn er aber ‘dieser’ gesagt hat, so muß er diesen geben.

12Raba wandte ein: Im Gegenteil, das Entgegengesetzte leuchtet ja ein: sagte er ‘dieser’, so mag er ihn benutzen, damit er für ihn haftbar sei, nicht aber, wenn er ‘auf mich’ gesagt hat!? — Vielmehr, es gibt hierbei keinen Unterschied.

13Es gibt eine Lehre, übereinstimmend mit Raba: Gelobtes für Almosen, nicht aber Heiliges für Almosen.

14Wie ist dies zu verstehen: ist ja weder Gelobtes noch Heiliges für Almosen!? Wahrscheinlich meint er es wie folgt: Beim Almosen begeht man [wie beim Gelobten] das Verbot des Versäumens, jedoch gleicht es nicht dem Heiligen, denn das Heilige darf man nicht benutzen, das Almosen aber darf man benutzen.

15R. Kahana sagte: Ich trug diese Lehre R. Zebid aus Nehardea͑ vor, und er sprach: So lehrt ihr es, wir aber lehren es wie folgt: R. Naḥman sagte im Namen des Rabba b. Abuha im Namen Rabhs: Wenn jemand gesagt hat: dieser Sela͑ sei für Almosen, so darf er ihn anderweitig verwenden, ob für sich oder für einen andren, ob er ‘auf mich’ gesagt hat oder er ‘dieser’ gesagt hat.

16Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand gesagt hat: dieser Sela͑ sei für Almosen, so darf er, solange er noch nicht in die Hand des Almoseneinnehmers gekommen ist, ihn anderweitig verwenden, ist er in die Hand des Almoseneinnehmers gekommen, so darf er ihn nicht anderweitig verwenden. —

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.