Avoda Sara — Blatt 2a
1DREI TAGE VOR DEN FESTEN DER NICHTJUDEN IST ES VERBOTEN, MIT IHNEN HANDEL ZU TREIBEN, IHNEN ETWAS ZU LEIHEN ODER VON IHNEN ZU LEIHEN, IHNEN [GELD] ZU BORGEN ODER VON IHNEN ZU BORGEN, AN SIE ZU ZAHLEN ODER VON IHNEN EINE ZAHLUNG ZU NEHMEN. R. JEHUDA SAGT, MAN DÜRFE VON IHNEN ZAHLUNG NEHMEN, WEIL DIES IHN SCHMERZT. JENE ENTGEGNETEN IHM: OBGLEICH DIES IHN JETZT SCHMERZT, IST ER SPÄTER DENNOCH FROH.
2GEMARA. Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer liest édehen und einer liest i͑dehen. Wer édehen liest, hat nicht unrecht, und wer i͑dehen liest, hat nicht unrecht.
3Wer édehen liest, hat nicht unrecht, denn es heißt: denn nahe ist der Tag ihres Unglücks [edam]; wer i͑dehen liest, hat nicht unrecht, denn es heißt: mögen sie Zeugen [e͑dehem] stellen und recht bekommen. —
4Weshalb liest derjenige, der édehen liest, nicht i͑dehen? — Er kann dir erwidern: [die Auslegung] ‘Unglück’ ist besser. — Weshalb liest derjenige, der i͑dehen liest, nicht édehen? — Er kann dir erwidern: das Zeugnis, das sie gegen sich abgelegt haben, ist es, was ihnen Unglück gebracht hat, daher ist [die Auslegung] ‘Zeugnis’ besser. —
5Spricht denn [der Vers:] mögen sie Zeugen stellen und recht bekommen, von den weltlichen Völkern, er spricht ja von den Jisraéliten!? R. Jehošua͑ b. Levi sagte nämlich: Alle Gebote, die die Jisraéliten auf dieser Welt ausüben, kommen in der zukünftigen Welt und legen für sie Zeugnis ab, denn es heißt: mögen sie Zeugen stellen und recht bekommen, das sind die Jisraéliten; und mögen sie hören und sprechen: so ist es, das sind die weltlichen Völker!?
6Vielmehr, erklärte R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, entnimmt es derjenige, der i͑dehen liest, aus folgendem: die Bildner von Götterbildern sind allesamt nichtig, und ihre Lieblinge nützen nichts; und ihre Zeugen sind sie.
7R. Ḥanina b. Papa, nach anderen R. Šimlaj, trug vor: Dereinst wird der Heilige, gepriesen sei er, eine Torarolle auf den Schoß nehmen und sprechen: Wer sich mit dieser befaßt hat, komme und erhalte seinen Lohn.
8Darauf werden alle weltlichen Völker sich durcheinander versammeln, denn es heißt: alle Völker versammeln sich insgesamt &c. Der Heilige, gepriesen sei er, wird aber zu ihnen sprechen: Tretet nicht durcheinander vor mir ein, vielmehr trete jede Nation
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.