Avoda Sara — Blatt 3a

1Dies besagt, daß sie, auch wenn sie sie halten, dafür keine Belohnung erhalten. —

2Etwa nicht, es wird ja gelehrt: R. Meír sagte: Woher, daß selbst ein Nichtjude, der sich mit der Tora befaßt, dem Hochpriester gleiche? Es heißt: der Mensch, der nach ihnen handelt, wird durch sie leben; es heißt nicht: Priester, Leviten und Jisraéliten, sondern: der Mensch; dies lehrt dich, daß selbst ein Nichtjude, der sich mit der Tora befaßt, einem Hochpriester gleiche!? —

3Vielmehr, dies besagt dir, daß sie dafür keine Belohnung erhalten, wie der, dem es geboten ist, und es hält, sondern wie der, dem es nicht geboten ist, und es hält. R. Ḥanina sagte nämlich: Bedeutender ist der, dem es geboten ist, und es hält, als der, dem es nicht geboten ist, und es hält.

4Sodann werden sie vor ihm sprechen: Herr der Welt, haben denn die Jisraéliten, die sie auf sich genommen haben, sie gehalten?

5Der Heilige, gepriesen sei er, wird ihnen erwidern: Ich zeuge für sie, daß sie die Tora gehalten haben. Sie werden ihm entgegnen: Herr der Welt, kann denn ein Vater für seinen Sohn Zeugnis ablegen!? Es heißt nämlich: mein erstgeborener Sohn ist Jisraél!? Der Heilige, gepriesen sei er, wird ihnen erwidern: Himmel und Erde sollen für sie Zeugnis ablegen, daß sie die ganze Tora gehalten haben.

6Sie werden ihm entgegnen: Herr der Welt, Himmel und Erde sind bei ihrer Zeugenaussage befangen, denn es heißt: wenn nicht mein Bündnis Tag und Nacht, ich würde die Ordnung des Himmels und der Erde nicht gemacht haben. Ferner sagte auch R. Šimo͑n b. Laqiš: Es heißt:und es wurde Abend und es wurde Morgen, der sechste Tag; dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, mit dem Schöpfungswerke der sechs Tage eine Vereinbarung traf und sprach: Nehmen die Jisraéliten meine Tora in Empfang, so ist es recht, wenn aber nicht, so verwandle ich dich zurück in Wüste und Leere.

7Ferner sagte auch Ḥizqija: Es heißt: vom Himmel ließest du das Urteil vernehmen; da erschrak die Erde und war still; wenn sie erschrak, wieso war sie still, und wenn sie still war, wieso erschrak sie? Vielmehr, anfangs erschrak sie und nachher war sie still.

8Alsdann wird der Heilige, gepriesen sei er, zu ihnen sprechen: Aus eurer Mitte sollen manche kommen und für Jisraél Zeugnis anlegen, daß sie die ganze Tora gehalten nahen. Mag Nimrod kommen und für Abraham Zeugnis ablegen, daß er keine Götzen verehrt hat. Mag Laban kommen und für Ja͑qob Zeugnis ablegen, daß er nicht des Raubes verdächtig war. Mag die Frau Poṭiphars kommen und für Joseph Zeugnis ablegen, daß er nicht in den Verdacht der Sünde gekommen war.

9Mag Nebukhadneçar kommen und für Ḥananja, Mišaél und A͑zarja Zeugnis ablegen, daß sie sich vor dem Götzenbilde nicht niedergeworfen haben. Mag Darjaveš kommen und für Daniél Zeugnis ablegen, daß er das Gebet nicht unterlassen hat. Mögen Bildad aus Šuaḥ, Çophar aus Naa͑ma, Eliphaz aus Teman und Elijahu, Sohn Berakhél, aus Buz kommen und für Jisraél Zeugnis ablegen, daß sie die ganze Tora gehalten haben, denn es heißt: mögen sie Zeugen stellen und recht bekommen.

10Hierauf werden sie vor ihm sprechen: Herr der Welt, gib sie uns von neuem, und wir werden sie halten! Der Heilige, gepriesen sei er, wird ihnen erwidern: Ihr Narren der Welt, wer am Vorabend des Šabbaths sich versorgt hat, hat am Šabbath zu essen, woher aber soll, wer am Vorabend des Šabbaths sich nicht versorgt hat, am Šabbath zu essen hernehmen!? Aber dessenungeachtet: ich habe ein leichtes Gebot, das ‘von der Festhütte’ heißt, geht und übt es aus. —

11Wieso kannst du dies sagen, R. Jehošua͑ b. Levi sagte ja, es heißt: die ich dir heute [zu tun] gebiete, sie sind heute zu tun, aber nicht morgen zu tun, sie sind heute zu tun, aber nicht heute ist der Lohn dafür zu erhalten!? —

12Vielmehr, weil der Heilige, gepriesen sei er, mit seinen Geschöpfen nicht tyrannisch verfährt. — Weshalb nennt er es ein leichtes Gebot? — Weil es keine Kosten verursacht.

13Alsdann wird jeder gehen und eine Festhütte auf der Spitze seines Daches errichten; der Heilige, gepriesen sei er, wird über ihnen aber die Sonne erglühen lassen wie in der Jahreszeit des Tammuz, und jeder wird seiner Festhütte einen Fußtritt versetzen und fortlaufen, wie es heißt: laßt uns ihre Fesseln zerreißen und ihre Stricke von uns werfen. — ‘Erglühen lassen’, du sagtest ja, der Heilige, gepriesen sei er, verfahre nicht tyrannisch mit seinen Geschöpfen!? — Auch bei den Jisraéliten kommt es zuweilen vor,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.