Avoda Sara — Blatt 3b
1daß die Jahreszeit des Tammuz sich bis zum Feste hineinzieht und ihnen Qual bereitet. — Raba sagte ja aber, wer sich dabei quält, sei von der Festhütte frei!? — Zugegeben, daß man frei ist, aber einen Fußtritt versetzen darf man nicht.
2Hierauf wird der Heilige, gepriesen sei er, über sie lachen, wie es heißt: der im Himmel sitzt, lacht &c. R. Jiçḥaq sagte: Nur an diesem Tage gibt es ein Lachen für den Heiligen, gepriesen sei er.
3Manche beziehen das, was R. Jiçḥaq sagte, auf folgende Lehre: R. Jose sagte: Dereinst werden die weltlichen Völker kommen und Proselyten werden. — Werden sie denn dann aufgenommen, es wird ja gelehrt, in den messianischen Tagen werden keine Proselyten aufgenommen, und ebenso nahmen sie Proselyten auf weder in den Tagen Davids noch in den Tagen Šelomos!? —
4Sie werden sich aufdrängende Proselyten werden; sie werden Tephillin an ihre Häupter und an ihre Arme anlegen, Çiçith in ihre Gewänder einknüpfen und Mezuzoth an ihre Türpfosten anbringen.
5Sobald sie den Kriegszug von Gog und Magog sehen werden, werden sie diese fragen, gegen wen sie kommen, und diese werden erwidern: Gegen den Herrn und seinen Gesalbten. So heißt es: warum toben die Völker und sinnen die Nationen Vergebliches.
6Sodann wird jeder das Gebot von sich reißen und fortgehen, wie es heißt: laßt uns ihre Fesseln zerreißen &c. Der Heilige, gepriesen sei er, wird aber dasitzen und über sie lachen, wie es heißt: der im Himmel sitzt, lacht &c. Hierzu sagte R. Jiçḥaq, daß er für den Heiligen, gepriesen sei er, nur an diesem Tage ein Lachen gebe. —
7Dem ist ja aber nicht so, R. Jehuda sagte ja im Namen Rabhs: Zwölf Stunden hat der Tag; in den ersten drei Stunden sitzt der Heilige, gepriesen sei er, und befaßt sich mit der Tora; in den anderen sitzt er und richtet die ganze Welt, und sobald er sieht, daß die Welt sich der Vernichtung schuldig macht, erhebt er sich vom Stuhle des Rechtes und setzt sich auf den Stuhl der Barmherzigkeit;
8in den dritten sitzt er und ernährt die ganze Welt, von den gehörnten Büffeln bis zu den Nissen der Läuse; in den vierten sitzt der Heilige, gepriesen sei er, und scherzt mit dem Levjathan, denn es heißt: der Levjathan, den du geschaffen hast, um mit ihm zu spielen!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Mit seinen Geschöpfen scherzt er, über seine Geschöpfe lacht er nur an jenem Tage.
9R. Aḥa sagte zu R. Naḥman b. Jiçḥaq: Seit dem Tage, an dem der Tempel zerstört worden ist, gibt es kein Lachen mehr für den Heiligen, gepriesen sei er. — Woher, daß es für ihn kein Lachen gibt: wollte man sagen, weil es heißt: und der Herr, der Herr der Heerscharen, rief an jenem Tage zum Weinen und zum Klagen und zum Glatzescheren &c., so gilt dies vielleicht nur von jenem Tage und weiter keinem!?
10Wollte man sagen, weil es heißt: wenn ich deiner vergesse, Jerušalem, so versage meine Rechte; es klebe meine Zunge an meinem Gaumen, wenn ich deiner nicht gedenke, so gibt es für ihn vielleicht nur kein Vergessen, wohl aber ein Lachen!? — Vielmehr, hieraus: geschwiegen hob ich seit langer Zeit, blieb stille, hielt an mich &c. —
11Was tut er demnach in den vierten!? — Er sitzt und lehrt die Schulkinder die Tora, denn es heißt: Wen will er Erkenntnis lehren und wen mit seiner Predigt unterrichten? Die von der Milch Entwöhnten, von der Brust Genommenen. Wen lehrt er Erkenntnis und wen unterrichtet er mit seiner Predigt? Die von der Milch Entwöhnten und die von der Brust Genommenen. —
12Wer lehrt sie vorher? — Wenn du willst, sage ich, Meṭaṭron, und wenn du willst, sage ich, er tut beides. —
13Was tut er nachts? — Wenn du willst, sage ich, etwas von dem, was er am Tage tut, und wenn du willst, sage ich, er reitet auf einem leichten Kerub und schwebt umher in den achtzehntausend Welten, denn es heißt: der Wagen Gottes sind zwei Myriaden, abertausende, und man lese nicht šinán [aber], sondern šeénan [weniger]. Wenn du aber willst, sage ich, er sitzt und hört Lobgesänge aus dem Munde der himmlischen Tierwesen, denn es heißt: am Tage entbietet der Herr seine Gnade, und nachts gilt ihm mein Lied.
14R. Levi sagte: Wer Worte der Tora unterbricht und sich mit Plauderei befaßt, den läßt man Ginsterkohlen essen, denn es heißt: die Melde am Gesträuche pflücken, und deren Speise Ginsterwurzeln sind. Reš Laqiš sagte: Wer sich nachts mit der Tora befaßt, dem entbietet der Heilige, gepriesen sei er, seine Gnade am Tage, denn es heißt: am Tage entbietet der Herr seine Gnade, und nachts gilt ihm mein Lied; entbietet der Herr am Tage seine Gnade deshalb, weil nachts mein Lied ihm gilt.
15Manche lesen: Reš Laqiš sagte: Wer sich mit der Tora befaßt auf dieser Welt, die der Nacht gleicht, dem entbietet der Heilige, gepriesen sei er, seine Gnade in der zukünftigen Welt, die dem Tage gleicht, denn es heißt: am Tage entbietet der Herr seine Gnade &c.
16R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Es heißt: du ließest die Menschen werden wie die Fische im Meere, wie das Gewürm, das keinen Herrn hat; weshalb werden die Menschen mit dem Gewürm verglichen? Um dir zu sagen, wie die Fische des Meeres sterben, sobald sie aufs Trockene kommen, ebenso sterben die Menschen, sobald sie sich von der Tora und den Geboten trennen. Eine andere Erklärung: Wie die Fische des Meeres sterben, sobald die Sonne sie sticht, ebenso sterben auch die Menschen, sobald die Sonne sie sticht.
17Wenn du willst, sage ich, in dieser Welt, und wenn du willst, sage ich, in der zukünftigen Welt. Wenn du willst, sage ich, in dieser Welt, nach R. Ḥanina, denn R. Ḥanina sagte, alles erfolge durch himmlische Fügung, ausgenommen [die Gefährdung] durch Kälte und Hitze, denn es heißt: Kälte und Hitzesind auf dem Wege des Falschen, wer seine Seele bewahrt, bleibt ihnen fern.
18Wenn du aber willst, sage ich, in der zukünftigen Welt, nach R. Šimo͑n b. Laqiš, denn R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Es gibt kein Fegefeuer in der zukünftigen Welt, vielmehr wird der Heilige, gepriesen sei er, die Sonne aus ihrem Futterale hervorholen und sie glühen lassen; die Frevler werden dadurch gerichtet werden und die Frommen dadurch geheilt werden. Die Frevler werden dadurch gerichtet werden,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.