Bava Batra — Blatt 119b
1daß man Verdienstliches durch einen Verdienstlichen und Schuld durch einen Schuldigen herbeiführe.
2Wenn man nun sagen wollte, das Jisraélland war bereits ersessen, so konnte es ihm ja nicht zweifelhaft sein!? –
3Dies eben war ihm zweifelhaft; es heißt:ich gebe es euch zum Erbbesitze, ich der Herr; ist es ein von euren Vätern herrührender Erbbesitz, oder ihr Erbbesitz, den sie vererbt aber nicht geerbt haben.
4Man entschied ihm dann beides!: es ist euer von euren Vätern herrührender Erbbesitz, und es ist ihr Erbbesitz, den sie vererbt, aber nicht geerbt haben. Hierauf deutet folgender Schriftvers :du wirst sie bringen und auf dem Berge deines Besitztumes pflanzen; es heißt nicht: du wirst uns bringen, sondern: du wirst sie bringen; dies lehrt, daß sie weissagten und nicht wußten, was sie weissagten.
5Sie traten vor Moše und den Priester Elea͑zar und die Fürsten und die ganze Gemeinde. Ist es denn möglich, daß sie zuerst vor Moše traten und er ihnen nichts sagen konnte, und dann erst vor die Fürsten und die Gemeinde!?
6Vielmehr wende man den Schriftvers um und lege ihn aus– so R. Jošija. Abba Ḥanan erklärte im Namen R. Elea͑zars: Sie saßen alle im Lehrhause, und jene traten vor sie alle hin. –
7Worin besteht ihr Streit? – Nach der einen Ansicht erweise man einem Schüler Ehrung in Gegenwart des Lehrers, und nach der anderen Ansicht erweise man nicht.
8Die Halakha ist, man erweise wohl. Die Halakha ist, man erweise nicht. – Die beiden Halakhas widersprechen ja einander!? – Das ist kein Widerspruch; eines, wenn der Lehrer ihm Ehrung erweist, und eines, wenn der Lehrer ihm keine Ehrung erweist.
9Es wird gelehrt: Die Töchter Çelophḥads waren weise, in der Deduktion kundig und fromm.
10Sie waren weise, denn sie sprachen zur geeigneten Zeit. R. Šemuél b. R. Jiçḥaq sagte nämlich: Unser Meister Moše saß dann und trug vor über den Abschnitt von der Schwagerehe, denn es heißt:wenn Brüder beisammen wohnen; da sprachen sie zu ihm: Gelten wir als Söhne, so gib uns den Erbbesitz gleich einem Sohne, wenn aber nicht, so soll an unserer Mutter die Schwagerehe vollzogen werden. Hierauf :da brachte Moše ihre Rechtssache vor den Herrn.
11Sie waren in der Deduktion kundig, denn sie sprachen: Wenn er einen Sohn hätte, würden wir nicht gesprochen haben. – Es wird ja aber gelehrt: eine Tochter!? R. Jirmeja erwiderte: Streiche [die Lehre von der] Tochter. Abajje erklärte: Selbst wenn er eine Tochter von einem Sohne hinterlassen hätte, würden wir nicht gesprochen haben.
12Sie waren fromm, denn sie verheirateten sich nur an solche, die ihrer würdig waren. R. Elie͑zer b. Ja͑qob lehrte: Selbst die Jüngste unter ihnen heiratete nicht unter vierzig Jahren. –
13Dem ist ja aber nicht so. R. Ḥisda sagte ja, wenn eine [Frau] unter zwanzig heiratet, gebäre sie bis sechzig, wenn mit zwanzig, gebäre sie bis vierzig, und wenn mit vierzig, gebäre sie überhaupt nicht mehr!? – Vielmehr, da sie fromm waren, so geschah ihnen ein Wunder wie der Jokhebed. Es heißt nämlich :da ging ein Mann aus dem Hause Levis und heiratete die Tochter Levis;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.