Bava Batra — Blatt 120a
1wieso nennt er sie ‘Tochter’, wo sie dann bereits hundertunddreißig Jahre alt war!? R. Ḥama b. Ḥanina sagte nämlich, es sei Jokhebed gewesen, die auf dem Wege konzipiert und zwischen den Mauern geboren wurde, denn es heißt:die Levi in Miçrajim geboren ward,
2nur ihre Geburt war in Miçrajim erfolgt, ihre Konzeption aber erfolgte außerhalb Miçrajims. Wieso nennt er sie nun ‘Tochter’!? R. Jehuda b. Zebina erklärte: Dies lehrt, daß sich bei ihr Merkmale der Jugend einstellten; das Fleisch wurde geschmeidig, die Runzeln wurden glatt, und die Schönheit trat wieder ein.
3Er nahm; es sollte doch heißen: er nahm wieder!? R. Jehuda b. Zebina erwiderte: Dies lehrt, daß er mit ihr wie bei einer erstmaligen Heirat verfuhr; er setzte sie auf eine Sänfte und Ahron und Mirjam sangen vor ihr; und die Dienstengel sprachen :Die Mutter der Kinder freut sich.
4Dort zählt sie die Schrift nach ihrem Alter und da nach ihrer Weisheit. Dies ist eine Stütze für R. Ami, denn R. Ami sagte: Bei einer Sitzung richte man sich nach der Weisheit und beim Gastmahle richte man sich nach dem Alter. R. Aši sagte: Dies nur dann, wenn er in der Weisheit ausgezeichnet ist, und nur dann, wenn er durch Alter ausgezeichnet ist.
5In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Die Töchter Çelophḥads waren einander gleich, denn es heißt:sie waren, ein sein für alle.
6R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Die Töchter Çelophḥads durften Männer aus jedem beliebigen Stamme heiraten, denn es heißt :sie mögen sich verheiraten, mit wem es ihnen gefällt; wie aber halte ich aufrecht [den Schriftvers] : nur müssen sie sich an einen Angehörigen ihres väterlichen Stammes verheiraten? Die Schrift gab ihnen einen guten Rat, nur solche zu heiraten, die ihrer würdig waren.
7Rabha wandte ein:Sprich zu ihnen, zu denen, die am Berge Sinaj gestanden haben; für eure Generationen, das sind die kommenden Generationen. Wenn es den Vätern gesagt wurde, wozu den Söhnen, und wenn den Söhnen, wozu den Vätern? Weil manches nur den Vätern geboten wurde und nicht den Söhnen, und manches nur den Söhnen und nicht den Vätern.
8Den Vätern, denn es heißt :und jede Tochter, die zu Erbbesitz gelangt ; viele Gebote hingegen wurden nur den Söhnen anbefohlen. Es gibt also manches, was nur den Vätern und nicht den Söhnen, und manches, was nur den Söhnen und nicht den Vätern geboten wurde. Daher mußte es den Vätern besonders und den Söhnen besonders gesagt werden.
9Hier heißt es also: den Vätern, denn es heißt: und jede Tochter, die zu besitz gelangt !? Er erhob diesen Einwand und er selber erklärte es auch: mit Ausnahme der Töchter Çelophḥads.
10Der Meister sagte: Den Vätern, denn es heißt: und jede Tochter, die zu Erbbesitz gelangt. Nur den Vätern und nicht den Söhnen; woher ist dies er wiesen? Raba erwiderte: Die Schrift sagt :das ist das Wort, diese Worte hatten Geltung nur für jene Generation.
11Rabba der Kleine sprach zu R. Aši: Beim außerhalb Geschlachteten heißt es ja ebenfalls :das ist das Wort, demnach hatte dies Geltung nur für jene Generation!? – Anders ist es da, wo es heißt:für ihre Generationen. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.