Bava Batra — Blatt 13b

1halte dir Sklaven, die dir im Bade Dienste leisten, kaufe dir Oliven und verarbeite sie in der Ölpresse!? – Auch hierbei kann nur ‘nimm du’, nicht aber ‘ich nehme’ erfolgen. –

2Komm und höre: Wenn nach der Teilung der Name beibehalten wird, so teilen sie, wenn aber nicht, so ist der Wert herauszuzahlen!? – Hierüber streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: [Sagt einer:] nimm du das erforderliche Maß und ich nehme weniger, so höre man auf ihn; R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, man höre auf ihn nicht.

3In welchem Falle: wollte man sagen, wie gelehrt wird, was ist demnach der Grund des R. Šimo͑n b. Gamliél? Wahrscheinlich ist diese Lehre lückenhaft und muß wie folgt lauten: [Sagt er:] nimm du das erforderliche Maß und ich nehme weniger, so höre man auf ihn, und ebenso höre man auf ihn, wenn er ‘nimm oder ich nehme’ sagt; und hierzu sagte R. Šimo͑n b. Gamliél, daß man auf ihn nicht höre. –

4Nein, tatsächlich wie gelehrt wird, wenn du aber einwendest, was denn der Grund des R. Šimo͑n b. Gamliél sei, [so ist es folgendes:] jener kann ihm erwidern: willst du einen Ersatz, so habe ich kein Geld, ihn dir zu zahlen, und Geschenktes will ich ebenfalls nicht haben, denn es heißt:wer Geschenke haßt, wird leben.

5Abajje sprach zu R. Joseph: Die Lehre R. Jehudas ist von Šemuél. Wir haben nämlich gelernt: Heilige Schriften aber darf man nicht teilen, auch wenn beide es wollen. Hierzu sagte Šemuél, dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn sie in einem Bande sind, wenn aber in zwei Bänden, so teilen sie. Wenn man nun sagen wollte, er halte nichts von der Norm ‘nimm oder ich nehme’, so sollte dies doch nicht nur von einem Bande gelten, sondern auch von zwei Bänden.

6R. Šalman erwiderte: Wenn beide es wollen.

7Amemar sagte: Die Halakha ist: es gilt die Norm ‘nimm oder ich nehme’. R. Aši sprach zu Amemar: Wie ist es mit [der Lehre] R. Naḥmans? Dieser erwiderte: Ich hörte es nicht. Das heißt: ich halte nichts davon. – Wieso denn nicht, der Vater des Rabin b. Ḥenana und des R. Dimi b. Ḥenana hinterließ ihnen zwei Mägde, von denen eine kochen und backen und eine spinnen und wirken konnte, und als sie darauf vor Raba kamen, entschied er, die Norm ‘nimm oder ich nehme’ gelte nicht!? –

8Anders verhielt es sich hierbei, wo der eine beide gebrauchen konnte und der andere beide gebrauchen konnte; er konnte nicht sagen: nimm du die eine und ich die andere, wenn aber nicht, so nimm du [beide] oder ich nehme sie. – Aber auch bei den heiligen Schriften kann ja jeder beide [Teile] gebrauchen, dennoch sagte Šemuél, dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn sie in einem Bande sind, wenn aber in zwei Bänden, so teilen sie!? – R. Šalman erklärte ja: wenn beide es wollen.

9Die Rabbanan lehrten: Man hefte die Tora, die Propheten und die Hagiographen zusammen – so R. Meír: R. Jehuda sagt, die Tora besonders, die Propheten besonders und die Hagiographen besonders; die Weisen sagen, jedes [Buch] besonders.

10R. Jehuda sprach: Boëthos b. Zonin hatte auf Veranlassung des R. Elea͑zar b. A͑zarja die acht Propheten zusammengeheftet. Manche sagen, er hatte sie jeden besonders. Rabbi erzählte: Einst brachte man vor uns Tora, Propheten und Hagiographen zusammengeheftet, und wir erklärten sie als tauglich.

11Zwischen dem einen und dem anderen Buche der Tora müssen vier Zeilen frei bleiben, und ebenso zwischen einem Propheten und dem anderen; bei den zwölf [kleinen] Propheten nur drei Zeilen. Schließt [ein Buch] unten, so beginne man [das nächste] oben.

12Die Rabbanan lehrten: Wenn man die Tora, die Propheten und die Hagiographen zusammenheften will, so darf man dies; man lasse am Anfang so viel frei, um die Walze umwickeln zu können, und am Ende soviel, um den Umfang umwickeln zu können. Schließt [ein Buch] unten, so beginne man [das nächste] oben;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.