Bava Batra — Blatt 19b
1nach der Seite, und [dem widersprechend] haben wir gelernt, wenn man eine Weinrebe durch die Erde senkt, dürfe man, falls darüber keine drei Handbreiten Erde vorhanden sind, darüber keine Saaten säen,
2und hierzu wird gelehrt, jedoch dürfe man daneben säen, auf der einen oder auf der anderen Seite!? R. Ḥaga erwiderte im Namen R. Joses: Weil sie den Boden zersetzen und die Erde auflockern.
3UND URIN DREI HANDBREITEN VON EINER [FREMDEN] WAND. Rabba b. Bar Ḥana sagte: Man darf neben der Wand eines anderen Wasser ablassen, denn es heißt:ich will ausrotten von Aḥáb alles, was an die Wand pißt; Unmündige und Mündige in Jisraél. – Wir haben ja aber gelernt: Urin drei Handbreiten von einer [fremden] Wand!? – Dies gilt vom Ausguß. –
4Komm und höre: Man darf neben der Wand eines anderen kein Wasser ausschütten, sondern nur in einer Entfernung von drei Handbreiten!? – Hier wird ebenfalls vom Ausguß gesprochen. –
5Komm und höre: Man darf nicht neben der Wand eines anderen Wasser ablassen, sondern nur in einer Entfernung von drei Handbreiten; dies gilt nur von einer Ziegelwand, bei einer Steinwand aber, daß man keinen Schaden anrichtet, nämlich eine Handbreite; bei einem Felsboden ist dies überhaupt erlaubt!? Dies ist eine Widerlegung des Rabba b. Bar Ḥana. Eine Widerlegung. –
6Aber Rabba b. Bar Ḥana stützt sich ja auf einen Schriftvers!? – Dieser ist wie folgt zu verstehen: selbst das, dessen Art es ist, an die Wand zu pissen, nämlich einen Hund, werde ich ihm nicht zurücklassen.
7R. Ṭobi b. Qisana sagte im Namen Šemuéls: Ein Fladen reduziert das Fenster nicht. – Weshalb gerade ein Fladen, dies gilt ja auch von einem dicken [Brote]!? –
8Von diesem ist es selbstverständlich; selbstverständlich ist dies von einem dicken [Brote], denn da es noch brauchbar ist, so verliert es seine Eigenheit nicht; man könnte aber glauben, ein Fladen verliere, wenn er schmutzig wird, seine Eigenheit, so lehrt er uns. –
9Sollte doch schon der Umstand ausreichen, daß er eine Sache ist, die für Unreinheit empfänglich ist, und eine für Unreinheit empfängliche Sache hält die Unreinheit nicht zurück!? – Wenn er mit Obstsaft geknetet ist.
10Man wandte ein: Wenn ein Korb voll Stroh oder ein Faß voll Dörrfeigen im Fenster liegen, so erwäge man wie folgt: würden, wenn diese fortgenommen werden würden, das Stroh oder die Dörrfeigen allein stehen bleiben, so bilden sie eine Trennung, wenn aber nicht, so bilden sie keine Trennung. Das Stroh ist ja als Viehfutter verwendbar!? –
11Wenn es verfault ist. – Es ist ja zu Lehm verwendbar!? – Wenn Dornen darin sind. – Es ist ja zum Heizen verwendbar!? – Wenn es feucht ist. – Es ist ja zu einer großen Flamme verwendbar!? – Eine große Flamme ist selten. –
12Dörrfeigen sind ja brauchbar!? Šemuél erwiderte: Wenn sie madig sind. Ebenso lehrte auch Rabba b. Abuha: wenn sie madig sind. –
13Von welchem Falle wird hier hinsichtlich eines Fasses gesprochen: befindet sich die Mündung nach außen,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.